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21.02.2014

07:38 Uhr

Trassenausbau

Bayerns Bürger gegen Seehofers Energiekurs

Die CSU-Landesregierung in Bayern steht dem Ausbau der Windenergie nicht so offen gegenüber wie die Bevölkerung – das ergab eine Umfrage. Danach unterstütze nicht einmal jeder achte Bayer Seehofers Kurs gegen Windkraft.

Der Ministerpräsident von Bayern, Horst Seehofer: Seehofer hatte zuletzt deutlich verschärfte Abstandsregeln für Windkraftanlagen auf den Weg gebracht. dpa

Der Ministerpräsident von Bayern, Horst Seehofer: Seehofer hatte zuletzt deutlich verschärfte Abstandsregeln für Windkraftanlagen auf den Weg gebracht.

BerlinDie Menschen in Bayern sind einer Umfrage zufolge deutlich aufgeschlossener für den Ausbau der Windenergie als die von der CSU geführte Landesregierung. Insgesamt 76 Prozent der Bayern und sogar 77 Prozent der CSU-Anhänger sind für einen verstärkten Ausbau der Windkraftanlagen im Freistaat, ergab die am Freitag von dem Kampagnennetzwerk Campact veröffentlichte repräsentative Umfrage von TNS Emid.

CSU-Chef Horst Seehofer hatte hingegen zuletzt mit seinem Kabinett deutlich verschärfte Abstandsregeln für Windkraftanlagen auf den Weg gebracht. Nach Auffassung von Kritikern könnte dies den Ausbau der Windenergie in Bayern zum Erliegen bringen.

Wie die Umfrage weiter ergab, befürwortet auch eine deutliche Mehrheit den Bau einer Stromtrasse von Norddeutschland nach Bayern, falls damit Windstrom transportiert wird. 59 Prozent der Bayern und 62 Prozent der CSU-Anhänger sind der Umfrage zufolge für die bei der CSU ebenfalls umstrittene Trasse. Für neue Trassen für den Transport von Kohlestrom sind allerdings nur 18 Prozent der Bayern.

Campact-Energieexperte Oliver Moldenhauer erklärte, „Seehofer will die Rolle rückwärts in der Energiepolitik - doch seine Landsleute hat er nicht hinter sich“. Moldenhauer verwies dabei auf ein weiteres Ergebnis der Umfrage: Gegen einen Ausbau der Windenergie und gleichzeitig gegen den Trassenausbau sind demnach nur zwölf Prozent der Bayern und sogar nur neun Prozent der CSU-Anhänger. Damit unterstütze nicht einmal jeder achte Bayer Seehofers Kurs gegen Windkraft und Trassenausbau gleichzeitig.

Von

afp

Kommentare (11)

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Analyst

21.02.2014, 08:34 Uhr

Die Mehrzahl der Bürger versteht das Problem nicht. Mittlerweile ist die bittere Realität wg. Vorträgen unter anderen von Hans-Werner Sinn in den Köpfen von einigen Regierenden langsam angekommen. Leider nur ist die Main-Stream Presse so "vergrünt" dass ein wahres "Denial" herrscht.

Fakt ist: Am Montag dem 17.2.2014 wurde zwischen 11h und 21h in gesamt Deutschland nie über 4GW Windstrom erzeugt, während es am Sonntag zwischen 0 und 13h immerhin 20GW waren.

Diese fehlenden 16GW sind mehr als alle deutschen Atomkraftwerke zusammen produzieren können. 4GW für Deutschland zur Höchstlastzeit sind nicht mehr als ein Tropfen auf den heissen Stein. 4GW fehlen durch die Abschlatung von nur 3 der verbleibenden 8 Kernkraftwerke.

Eine Leitung zu bauen, die uns am Sonntagmorgen um 3h früh 4 GW nach Bayern schaufeln kann, wenn wir es nicht brauchen, aber dann am Montag mittags "leer" ist und nicht liefern kann, brauchen wir nicht.

Da hat Seehofer recht - egal ob CSU oder nicht.

bavarianfox

21.02.2014, 08:34 Uhr

Ich wurde für die Umfrage auch angerufen. Die Fragen war so formuliert, dass dieses Ergebnis herauskommen musste. Fragen wie: wollen Sie Windkraft, ja oder nein?
Die Bayern wollen Windkraft, aber nicht dass jeder Dorfweiler sich auf Kosten der Allgemeinheit die Lizenz zum Geldrucken besorgt und das ganze Land weitflächig verspargelt wird. Da gibt es auch eine Lösung dazwischen.
Aber das wollte die Umfrage nicht wissen. Ziel war ein Ergebnis, dass man instrumentieren kann. Welche Lobby hat die Umfrage wohl bestellt???

holger29

21.02.2014, 09:05 Uhr

Ich meine auch dass die Bevölkerung gerade aufgrund der ökosozialistischen Medienlandschaft extrem illusioniert ist. Beispielsweise soll die Bevölkerung Stromtrassen befürworten die zum Transport des Windstrommülls aus Norddeutschland gedacht ist, aber eine Trasse zum Transport des dringend erforderlichen Kohlestroms ablehnen.

Die Spitzenpolitiker haben wohl mittlerweile verstanden, dass sich die Stromversorgung in D auf ein Desaster zubewegt. Es ist vergleichbar mit einem Auto dass auf einen Abgrund zurast und der Fahrer versucht den Fuss vom Gaspedal zu nehmen ohne dass dies bemerkt wird.

Es ist sehr schwer für die Politiker aus dem Dilemma eigener Versprechen, starker Oekolobbies, ökosozialistischer Medien und einer illusionierten Bevölkerung herauszukommen.

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