Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.04.2016

17:13 Uhr

Trauer um ehemalige Außenminister

Gedenkfeier für Westerwelle, Staatsakt für Genscher

Berlin verabschiedet sich von Guido Westerwelle. Dem ehemaligen Außenminister wurde mit einer Trauerfeier gedacht. Sein Amtsvorgänger, der ebenfalls verstorbene Hans-Dietrich Genscher, bekommt einen Staatsakt.

Freunde und Weggefährten nahmen bei einer Gedenkfeier in Berlin Abschied vom verstorbenen Guido Westerwelle. dpa

Gedenkfeier für Guido Westerwelle

Freunde und Weggefährten nahmen bei einer Gedenkfeier in Berlin Abschied vom verstorbenen Guido Westerwelle.

BerlinVielen ist noch in Erinnerung, wie sich Guido Westerwelle im Dezember 2013 aus dem Auswärtigen Amt verabschiedete. Mit einer richtig guten Rede im Weltsaal des Ministeriums, die mit einem fröhlichen „Auf Wiedersehen“ zu Ende ging. Es wurde nichts daraus. Statt dessen stand im selben Saal nun ein Porträtfoto in schwarz-weiß, geschmückt mit einem schwarzen Trauerband.

Nach dem Gottesdienst am Samstag in Köln, wo Angela Merkel eine bewegende Rede hielt, und der Beerdigung auf dem Melaten-Friedhof der Domstadt gab es am Montag die Gedenkfeier in Berlin. Auf Einladung des Auswärtigen Amts, der FDP und der Westerwelle-Stiftung kamen mehr als 700 Trauergäste zusammen - viel Prominenz aus Diplomatie und Politik, aber auch Westerwelles Mann Michael Mronz und sein Bruder Kai.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier lobte seinen Vorgänger, der auch sein Nachfolger war, als Politiker mit großer „menschlicher Sensorik“. „Er war sensibel. Er war verletzlich. Auch wenn er das vor den allermeisten verstecken konnte.“ Der SPD-Politiker rief auch in Erinnerung, dass sich der FDP-Mann im Auswärtigen Amt Vertrauen und Respekt habe hart erarbeiten müssen. „Aber er hat es geschafft.“

Reaktionen auf den Tod von Guido Westerwelle

Christian Lindner, FDP-Vorsitzender

Mir fehlen die Worte. Guido hat so gekämpft. Die Trauer ist groß. CL #Westerwelle

Volker Kauder, Unionsfraktionsvorsitzender

„Er war ein großartiger Kämpfer für die liberale Sache und ein engagierter Parlamentarier“ (...) „Wir werden Guido Westerwelle vermissen“.

Junge Liberale NRW

Ruhe in Frieden, Guido. Du hast eine Generation von Jungen Liberalen inspiriert. Dein Werk bleibt. #Westerwelle

 

Konstantin Kuhle, Vorsitzender der Jungen Liberalen

Danke für alles, Guido Westerwelle!

Katja Dörner, Grüne Fraktionsvize

Ich bin bestürzt über den viel zu frühen Tod von Guido Westerwelle. Er war ein besonders zugewandter Kollege!

Sylvia Löhrmann, NRW-Vize-Ministerpräsidentin

Schön, dass Guido #Westerwelle noch persönlich den Landesorden für seine Verdienste entgegennehmen konnte.

Ralf Stegner, SPD-Parteivize

„Dass er heute mit nur 54 Jahren nach schwerer Krankheit verstorben ist, bestürzt uns sehr. Unsere Gedanken und unser Mitgefühl gelten seiner Familie.“

Peter Wittig, Deutscher Botschafter in den USA

Minute Shocked to hear of former GER Foreign Minister Guido Westerwelle's death. A dedicated public servant. My thoughts are w/ his family&friends.

Steinmeier ging dann auch auf den anderen ehemaligen FDP-Außenminister Hans-Dietrich Genscher ein, der am Donnerstagabend - obwohl 35 Jahre älter - zwei Wochen nach Westerwelle gestorben war. Auch die beiden anderen Trauerredner, EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und FDP-Chef Christian Lindner, zogen Parallelen zwischen den beiden.

Im Unterschied zu Westerwelle wird Genscher allerdings einen Staatsakt bekommen - als „Persönlichkeit des öffentlichen Lebens, die sich um das deutsche Volk hervorragend verdient gemacht hat“. Die Anordnung von Bundespräsident Joachim Gauck wurde in Kürze erwartet.

Nach anderthalb Jahrzehnten wird Genscher dann der erste „Nur-Minister“ sein, der wieder mit einem Staatsakt zu Grabe getragen wird. Zuletzt wurde diese Ehre im Jahr 2000 dem langjährigen Landwirtschaftsminister Josef Ertl (ebenfalls FDP) zuteil. 2002 beschloss die damalige rot-grüne Bundesregierung, dass es Trauer-Staatsakte im Prinzip künftig nur noch für ehemalige Bundespräsidenten, Bundeskanzler und Bundestagspräsidenten gibt.

So wurde das seither auch praktiziert. Auch für Westerwelle wurde keine Ausnahme gemacht. Die Trauerfeier am Samstag in Köln - mit Bundespräsident, Bundeskanzlerin und vielen anderen prominenten Gästen - war aber nah an dem, was einen Staatsakt ausmacht. Was fehlte: schwarz-rot-goldene Flaggen, die Bundeswehr und die Nationalhymne.

Am Rande von Westerwelles Beerdigung gab es auch Gespräche darüber, wie Genscher zu Grabe getragen werden soll. Die Entscheidung trifft in solchen Fällen nicht der Bundespräsident allein. Schließlich entschied man sich dafür, Genscher als Zeichen des größtmöglichen Danks mit einem Staatsakt zu ehren - obwohl als Vizekanzler und Außenminister protollarisch auf einer Stufe mit Westerwelle.

Begründet wird die Ausnahme innerhalb der Bundesregierung mit seiner langen Zeit (1974-1992) an der Spitze des Auswärtigen Amts und mit seinen außergewöhnlichen Verdiensten, vor allem um die deutsche Wiedervereinigung. Es soll dann aber auch bei einer Feier bleiben: Eine zusätzliche Trauerveranstaltung im Weltsaal des Auswärtigen Amts wird Genscher nicht bekommen.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×