Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.11.2015

19:06 Uhr

Trauer um Helmut Schmidt

„Verstand, Charakter und Sarkasmus“

Applaus in der französischen Nationalversammlung, die Top-Meldung in Chinas Abendnachrichten: Helmut Schmidts Tod bewegt nicht nur in Deutschland. Der Altkanzler erfährt im Ausland mehr als übliche Beileidsbekundungen.

Reaktion zum Tod

„Schmidt war ein überzeugter und großer Europäer“

Reaktion zum Tod: „Schmidt war ein überzeugter und großer Europäer“

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Chinas wichtigste Abendnachrichten begannen mit einem Nachruf auf ihn, in der französischen Nationalversammlung gab es spontan Standing Ovations, als sein Tod verkündet wurde. Helmut Schmidt hat es nicht nur in Deutschland zu seltenem Ansehen gebracht, sondern auch in vielen Ländern der Welt an zentralen politischen Stellen Freundschaften geknüpft, Respekt und Anerkennung erlangt.

Zu Schmidts engen Freunden zählte der frühere französische Staatspräsident Valéry Giscard d’Estaing. „Ich trauere um ihn“, sagte der 89-jährige Konservative. „Er war der beste Kanzler, den Deutschland seit Konrad Adenauer hatte, und er hat die äußere Würde seines großen Landes wiederhergestellt.“

Es sind mehr als die üblichen Beileidsbekundungen, sie sind persönlicher, diese Abschiede. Der ehemalige spanische Premierminister Felipe González Márquez lobte Schmidts scharfen Verstand, seinen starken Charakter und seinen „großen Sinn für Sarkasmus“. Der Altkanzler sei „vielleicht der beste ökonomische Denker, den ich in der europäischen Politik kennen gelernt habe“. Und der frühere Präsident der EU-Kommission, Jacques Delors, sagte: „Er schreckte nie davor zurück, wenn nötig hart zu diskutieren, vor allem mit seinen französischen Freunden.“

Handelsblatt Sonderausgabe:
Abschied von Helmut Schmidt

Der Altkanzler ist am 10. November 2015 im Alter von 96 Jahren in Hamburg gestorben. Das Handelsblatt blickt in einer Sonderausgabe zurück auf sein Leben und Wirken.

Lesen Sie unter anderem:
+ Was für ein Mensch! – Nachruf auf einen großen Deutschen.
Von Gabor Steingart
+ „Europa ist der unerlässliche Rahmen“ – Woran sich die deutsche Politik unter Schmidt auszurichten hatte.
Von Hans-Jürgen Jakobs
+ Der unbequeme Welterklärer – Erst im Alter wurde Schmidt zum bewunderten Klartextredner.
Von Sven Afhüppe
+ Einfach nur die Spur halten – Wo Schmidt im Vergleich mit Adenauer, Brandt, Schröder und Merkel steht.
Von Arnulf Baring

Jetzt lesen: Den Digitalpass vier Wochen gratis testen und die komplette Handelsblatt Sonderausgabe kostenlos als PDF downloaden oder im Einzelverkauf für 2,99 Euro im Kaufhaus der Weltwirtschaft erwerben.

In Ottawa erinnerte sich der neue kanadische Premierminister Justin Trudeau an die Treffen Schmidts mit seinem Vater, Pierre Trudeau, dem langjährigen Premier des Landes. Und an Schmidts Treue nach dessen Tod: „Ich werde nie seinen Besuch am Grab meines Vaters in St-Rémi-de-Napierville 2011 vergessen.“ Nach der Teilnahme an einer Konferenz in Quebec 2011, elf Jahre nach Trudeaus Tod, besuchte der im Rollstuhl sitzende Schmidt das Grab seines Freundes bei Montreal. Schmidt habe als Bundeskanzler engere Beziehungen zwischen den europäischen Staaten und über den Atlantik geschaffen, würdigte Trudeau.

In Singapur erinnerte sich Premierminister Lee Hsien Loong, dessen Vater Lee Kuan Yew ebenfalls zu Schmidts Freunden zählte, an ein Abendessen aus einer Zeit, in der Schmidt noch nicht unter Schwerhörigkeit litt. „Wie üblich ließ meine Mutter im Hintergrund klassische Musik spielen.“ Es waren die Goldberg-Variationen von Johann Sebastian Bach, und Schmidt erkundigte sich, ob Glenn Gould der Pianist sei. „Glenn Gould war es tatsächlich“, schreibt Lee in seiner am Mittwoch veröffentlichten Kondolenzbekundung. „Schmidt hatte ein feines musikalisches Gehör.“

Der im März dieses Jahres gestorbene Lee und Schmidt trafen erstmals 1978 bei einer von Schmidts Asienreisen aufeinander. Seither besuchten sie einander regelmäßig. Sein Vater habe Schmidt als „klar denkenden und störrischen“ Anführer beschrieben, der ein gründliches Verständnis der wichtigen Sachverhalte habe. Lee und Schmidt diskutierten miteinander in Hamburg, in Stanford und ein letztes Mal vor drei Jahren auch in Singapur. Drei Tage lang sprachen der damals 93-jährige Schmidt und der fünf Jahre jüngere Lee über den Zustand der Welt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×