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16.01.2009

19:34 Uhr

Treffen in Berlin

Westliche Energiekonzerne sollen Gas vorfinanzieren

VonAndreas Rinke

ExklusivIm Gas-Streit mit der Ukraine sehen Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) positive Signale für eine Lösung. Die beiden Politiker kamen am Abend in Berlin zusammen und erläutern ihr Modell zur Lösung des Problems: Westliche Energiekonzerne sollen das Transitgas vorfinanzieren.

Angela Merkel und Wladimir Putin sind sich einig, wie im Gasstreit nun vorzugehen ist. Foto: dpa dpa

Angela Merkel und Wladimir Putin sind sich einig, wie im Gasstreit nun vorzugehen ist. Foto: dpa

BERLIN. Ein Konsortium aus mindestens drei europäischen Energieunternehmen soll den Gasfluss aus Russland nach Europa wieder in Gang bringen. Nach Informationen des Handelsblattes sollen sie dazu mit der ukrainischen Naftogas und der russischen Gazprom vereinbaren, zunächst auf eigene Kosten die von der Ukraine leer gepumpten Transitpipeline wieder aufzufüllen. Seit Tagen können sich Russland und die Ukraine nicht auf einen Weg einigen, wie der unterbrochene Gasfluss wieder in Gang kommen soll.

Faktisch sollen die europäischen Energiekonzerne, also die Kunden, nun von Russland so viel Gas kaufen, wie nötig ist, um das gesamte ukrainische Netz wieder zu befüllen. Die ukrainische Naftogas, die die Pipeline mit dem ihr nicht gehörenden Gas leer gepumpt hatte, muss sich dafür jedoch verpflichten, den Firmen diese Summe später zurückzuerstatten. Vertreter der drei Firmen Eon Ruhrgas, GdF Suez SA und Eni SpA hatten sich am Freitag in Berlin sowohl mit Russlands Präsident Wladimir Putin als auch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel getroffen. Dabei hatte sie der Vorfinanzierung im Prinzip zugestimmt. Die Zusammenarbeit des Konsortiums würde enden, wenn die normalen Lieferungen nach Westen wieder möglich sind.

Sowohl Merkel als auch Putin sprachen sich für eine schnelle Lösung des Konfliktes aus. Die Bundeskanzlerin sprach dabei von einer nötigen „Testphase“, die schnell beginnen sollte. Merkel betonte dabei, dass sowohl die Ukraine als Transit- aber auch Russland als Lieferland sonst automatisch an Vertrauen verlören. Putin sprach davon, dass Gazprom durch die Lieferunterbrechungen bereits Einnahmen von mehr als 1,1 Mrd. Dollar entgangen seien.

Doch selbst wenn es am Samstag auf dem Gas-Gipfel der Unternehmen in Moskau eine Einigung geben sollte, wird es dauern, bis etwa die Slowakei oder Bulgarien wieder Gas beziehen können. Denn zunächst muss die Pipeline wieder gefüllt werden – Gas fließt in den großen Pipelines aber nur mit einer Geschwindigkeit von knapp 40 Kilometern pro Stunde.

In der öffentlichen Darstellung war Verwirrung entstanden, weil mehrfach von einem Streit um „technisches Gas“ die Rede war. Damit ist das Gas gemeint, das in Pumpstationen verbraucht wird, um das Transitgas weiter nach Westen zu transportieren. Die Ukraine möchte, dass Russland diesen Gasverbrauch künftig nicht mehr in Rechnung stellt bzw. zusätzliches kostenloses Gas zur Verfügung stellt. Russland lehnt dies ab.

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