Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.08.2011

18:11 Uhr

Treffen mit Sarkozy

Marktturbulenzen treiben Merkel nach Paris

Die Achterbahnfahrt an den Finanzmärkten hat nun auch die Kanzlerin wachgerüttelt. Am Dienstag trifft Merkel Frankreichs Präsident Sarkozy in Paris. Die beiden wollen mit neuen Reformen die Krise stoppen.

Merkel und Sarkozy. Quelle: dapd

Merkel und Sarkozy.

Berlin/ParisAngesichts der Turbulenzen auf den Finanzmärkten wollen Frankreich und Deutschland die Stabilisierung der Euro-Zone vorantreiben. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy wollen am kommenden Dienstag in Paris bei einem Treffen über die anhaltende Euro-Schuldenkrise beraten.

Wie das Kanzleramt am Donnerstag in Berlin mitteilte, geht es um „gemeinsame Vorschläge zur Stärkung der wirtschaftspolitischen Steuerung der Eurozone“. Diese sollten noch vor Ende des Sommers erarbeitet werden. Dies hatten Merkel und Sarkozy auf dem Griechenland-Gipfel am 21. Juli bereits angekündigt.

Die Vorschläge sollen in Überlegungen einer Arbeitsgruppe des EU-Ratspräsidenten Herman Van Rompuy einfließen. Sie sollen für ein verbessertes Krisenmanagement in der Euro-Zone sorgen. Merkel und Sarkozy wollen auch die Situation im Nahen Osten sowie weitere internationale Themen erörtern.

An den Börsen kam die Nachricht über das Spitzentreffen der beiden führenden Euro-Länder grundsätzlich gut an. Händler begrüßen es generell, wenn Merkel und Sarkozy angesichts der Euro-Schuldenkrise zu bilateralen Beratungen zusammenkommen. Das leichte Plus an den Aktienmärkten am Donnerstagnachmittag wurde aber eher auf positive Nachrichten aus den USA zurückgeführt.

So starteten die US-Börsen nach guten Firmenzahlen und erfreulichen Konjunkturdaten einen erneuten Erholungsversuch. Auch Titel französischer Großbanken erholten sich an der Pariser Börse nach einem drastischen Minus am Mittwoch wieder. Händler schlossen eine weitere Achterbahnfahrt an den Märkten allerdings nicht aus.

Wie die Politik die Schuldenkrise lösen will

Stabilitätsunion

Als jüngste Idee hat Wirtschaftsminister Philipp Rösler eine „Stabilitätsunion“ vorgeschlagen. Ein Stabilitätsrat in der Euro-Zone soll im Krisenfall entscheiden, wie einem Land geholfen werden kann, auch mit Geld aus dem
EU-Strukturhilfetopf. Zudem soll es automatische Sanktionsmechanismen gegen Euro-Staaten geben, die ihre Verpflichtungen nicht einhalten. Der Vorteil: Mit dem Vorschlag signalisiert Deutschland, dass es zu einer engeren
Zusammenarbeit bereit ist. Der Nachteil: Etliche Euroländer-Regierungen wie Frankreich haben automatische Sanktionen für Defizitsünder bereits abgelehnt, so dass mitten in der Krise neuer Streit im Club der 17 Euro-Staaten droht.

EFSF-Aufstockung

Sowohl EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso als auch Frankreichs Finanzminister Francois Baroin haben eine erneute Aufstockung des gerade erst aufgestockten vorläufigen Euro-Rettungsfonds EFSF durch die Eurostaaten über die vereinbarten 440 Milliarden Euro hinaus ins Gespräch gebracht. Damit soll notfalls auch Staaten wie Spanien oder Italien geholfen werden können. Der Vorteil: Auch viele Akteure an den Finanzmärkten fordern eine größtmögliche Flexibilität des Euro-Rettungsschirms, damit sich Besitzer von Staatsanleihen der beiden Länder sicher sein können, dass sie ihr Geld zurückerhalten, und die Risikozuschläge wieder sinken. Der
Nachteil: Die nötige Zustimmung der nationalen Parlamente zu der bisher beschlossenen Aufstockung des EFSF im Herbst würde bei einer weiteren Ausweitung massiv erschwert, weil die anderen Euro-Staaten damit immer mehr Risiken im Falle einer Staatspleite auf sich häufen. Die Bundesregierung hat die Vorschläge deshalb umgehend abgelehnt.

Gold-Verkäufe

Etliche Bundestagsabgeordnete haben gefordert, dass die angeschlagenen Euro-Staaten ihre Goldreserven verkaufen sollen, um damit ihren Schuldenstand zu verringern. Der Vorteil: Euro-Staaten könnten angesichts des
hohen Goldpreises erhebliche Einnahmen erzielen und die Akzeptanz der Geber-Ländern für weitere Hilfen erhöhen. Der Nachteil: Die meisten Staaten haben die Entscheidung über Goldverkäufe den unabhängigen Notenbanken übertragen, die sich gegen eine politische Bevormundung wehren. Experten warnen zudem, dass das Grundproblem, nämlich die Vertrauenskrise, durch den Verkauf der Goldvorräte nicht beseitigt wird - sondern ein solcher Schritt wie eine Panikmaßnahme wirkt.

Umsetzung der EU-Beschlüsse, Nationale Reformen

Grundhaltung der Bundesregierung war bisher, Ruhe zu bewahren und erst einmal die Beschlüsse des Euro-Sondergipfels vom 21. Juli bis Ende September umzusetzen. Sonst stünde nicht einmal die bisher vereinbarte Aufstockung des EFSF auf 440 Milliarden Euro zur Verfügung. Das Vertrauen der Investoren könnten angeschlagene Euro-Staaten ohnehin nur durch nationale Reformen wie Schuldenabbau und eine verbesserte Wettbewerbsfähigkeit erreichen. Der Vorteil: Dies entwertet nicht die bisherigen, noch gar nicht umgesetzten EU-Beschlüsse. Der Nachteil: Vielen Akteuren reicht die bloße Umsetzung der bisherigen Beschlüsse nicht mehr aus, um die Unruhe an den Finanzmärkten einzudämmen.

Kommentare (10)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Pendler

11.08.2011, 18:32 Uhr

seit wann reist der König zum Bettelmann???

Account gelöscht!

11.08.2011, 18:33 Uhr

Und was treibt sie dann dort. Kann man sowas nicht sinnvollerweise übers Telefon oder per Videokonferenz besprechen? Muss die Frau den schon wieder in Person gedemütigt werden? Vielleicht noch einen kleinen Besuch am Omaha Beach einplanen der alten Zeiten wegen vielleicht?

Account gelöscht!

11.08.2011, 18:59 Uhr

Wenn die beiden Euro-Fanatiker sich treffen, kann das nur wieder heißen "Deutsche zahlt mal noch en wenig mehr"
Und diese Antidemokratin Merkel macht fröhlich mit, denn das sit ja dann alternativlos

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×