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12.08.2013

16:41 Uhr

Trend

So viele Deutsche wie nie haben einen Zweitjob

Arbeitnehmer mit einem Zweitjob galten lange Zeit als Exoten in Deutschland. Doch immer mehr Menschen suchen eine zusätzliche Beschäftigung. Der Trend betrifft nicht nur Unterschichten, sondern auch Wissenschaftler.

Nach Einbruch der Dunkelheit sitzt ein Angestellter in seinem Büro am Schreibtisch: Der Trend des Zweitjobs betrifft auch die Welt der Wissenschaft. dpa

Nach Einbruch der Dunkelheit sitzt ein Angestellter in seinem Büro am Schreibtisch: Der Trend des Zweitjobs betrifft auch die Welt der Wissenschaft.

BerlinSo viele Menschen wie nie in Deutschland haben einen Zweitjob. Ihre Zahl betrug Ende 2012 insgesamt 2,658 Millionen, wie aus Statistiken der Bundesagentur für Arbeit hervorgeht. Mitte 2011 waren es noch 2,493 Millionen gewesen, Mitte 2003 nur 1,158 Millionen. Die Linke und der DGB bewerteten die Zahlen am Montag als Alarmzeichen.

Der Anteil der Arbeitnehmer mit Zweitjob stieg der Statistik zufolge von 4,3 Prozent im Jahr 2003 auf 9,1 Prozent im vergangenen Jahr. Die meisten Zweitjobber arbeiten demnach im Einzelhandel, im Gastgewerbe und in „sonstigen Dienstleistungen“: Wach- und Sicherheitsdienst, Hausmeisterdienst, Leiharbeit. Die Mehrheit von ihnen sind Frauen. Besonders viele Menschen arbeiten in den neuen Bundesländern im Niedriglohnsektor.

Für immer mehr Beschäftigte reiche das Einkommen aus einem Job nicht aus, so dass sie mit einem Minijob etwas dazu verdienten, erklärte die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linken, Sabine Zimmermann. Die drastische Zunahme der Nebenjobs sei ein „absolutes Alarmzeichen“, dass es um die Qualität von Beschäftigung immer schlechter bestellt sei. Zimmermann forderte unter anderem einen Mindestlohn von zehn Euro und die Abschaffung von Leiharbeit.

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Auch DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach wertete es als „Alarmsignal“, dass fast jeder Zehnte mit einem normalen Arbeitsplatz noch einen zusätzlichen Minijob brauche, um sich über Wasser zu halten. Es sei ein Armutszeugnis, dass Millionen Beschäftigten in einem der reichsten Länder der Erde wegen Lohndumpings zwei oder drei Jobs zum Leben bräuchten. Minijobs führten zu einem Teufelskreis, denn sie vernichteten reguläre Arbeitsplätze und beschleunigten Lohndumping. Sie forderte einen Mindestlohn von mindestens 8,50 Euro.

Eine Sprecherin des Bundesarbeitsministeriums machte geltend, dass auch nach den Beweggründen gefragt werden müsse, wenn jemand einen Zeitjob mache. „Vorstellbare“ Gründe seien auch finanzielle Engpässe oder größere private Anschaffungen. Der Arbeitsmarkt habe sich flexibilisiert; in der Wissenschaft beispielsweise hätten Beschäftigte oft mehrere Jobs nebeneinander.

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles nannte es „realitätsfremd“, den Trend zum Zweitjob auf das gestiegene Konsumverhalten der Deutschen zurückzuführen. Auch sie forderte einen Mindestlohn sowie eine stärkere Tarifbindung in Deutschland, um den Trend zu bekämpfen. Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Grünen, Brigitte Pothmer, gab zu bedenken, dass jemand mit einem Minijob schneller ans Ziel komme als mit Überstunden bei seinem Hauptarbeitgeber, wenn er sich "was gönnen will". Fair sei das nicht. Auch die Grünen fordern einen Mindestlohn.

Von

afp

Kommentare (13)

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Vicario

12.08.2013, 16:59 Uhr

Zitat : So viele Deutsche wie nie haben einen Zweitjob

- wie soll man auch anders mit den Minijobs, prekär bezahlten Jobs überleben ?

Agenda 2010 sei Dank !!!

egal

12.08.2013, 17:04 Uhr

So ist es richtig!
Malochen für die EU und den Euro!
Selber schuld, Ihr habt die Deppen ja gewählt!

Eurowahn

12.08.2013, 17:04 Uhr

Undankbares deutsches Gesin... ! Menschen in anderen Ländern haben keinen Job und die Deutschen haben sogar zwei. Kein Problem - aus einem unbefristeten gut bezahlten Vollzeitjob, macht man ganz einfach zwei schlecht bezahlte Teilzeitjobs. Das ist gut für die Statistik und für den Arbeitgeber. Mensch, uns geht es so gut !!! Und der dumme deutsche Michel ist so undankbar. Arbeit, die Teilhabe am Arbeitsleben ist ein ganz hohes Gut, proklammieren doch die Politiker immer. Hauptsache Arbeit !!! Das wird uns doch immer eingebläut !! Aber !!! Die Sklaven auf den Baumwollplantagen in den USA (Gott sei ihnen gnädig) hatten auch Arbeit. Ich denke nicht, dass die Sklaven die Arbeit als ein Geschenk des Himmels empfunden haben. Ja, bei uns boomt der Arbeitsmarkt, weil in anderen Ländern Menschen für Sklavenlöhne eben nicht arbeiten gehen. So haben die Franzosen einen FLÄCHENDECKENDEN Mindestlohn von 9,40.- Euro und die Franzosen gehen mit 60 in Rente. Also nix für 4-6 Euro arbeiten gehen in Frankreich. Denn bei solchen Löhnen braucht man einen Zweitjob. Während man in Deutschland mit Jobs überversorgt (Zweitjob) ist bis 67, liegt der Franzose mit 60 in seiner Hängematte am Strand und lässt den Deutschen für sich arbeiten. Die Griechen sind sogar mit 55 in Rente gegangen. Aber einer muss ja die ganzen Rettungspakete bezahlen -und dazu ist der verblödete deutsche Michel ausgewählt worden.

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