Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.02.2011

06:30 Uhr

Trichet-Nachfolge

„Deutsches Desinteresse an EZB inakzeptabel“

Noch ist das Rennen um die Nachfolge von EZB-Präsident Trichet nicht entschieden. Nachdem die Bundesregierung nicht zwingend einen deutschen Kandidaten präsentieren will, könnte der Italiener Draghi zum Zuge kommen. Das passt der FDP nicht.

Euro-Skulptur vor dem EZB-Tower: Gerangel um die Trichet-Nachfolge. Quelle: ap

Euro-Skulptur vor dem EZB-Tower: Gerangel um die Trichet-Nachfolge.

Düsseldorf/BerlinIm Rennen um die Nachfolge von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hat der Finanzexperte der FDP-Bundestagfraktion, Frank Schäffler, die zögerliche Haltung der Bundesregierung zu einem möglichen deutschen Kandidaten scharf kritisiert. „Deutschland muss als größte Volkswirtschaft in Europa ein fundamentales Interesse haben, den Chefposten bei der EZB zu besetzen, ansonsten wären wir nach dem Ausscheiden von Jürgen Stark im Jahr 2014 nicht mehr im Direktorium der EZB vertreten“, sagte Schäffler Handelsblatt Online. „Das wäre völlig inakzeptabel.“

Jürgen Stark ist Chefvolkswirt der Europäischen EZB. In der Diskussion um die Nachfolge Trichets wurde auch Stark, der 2004 die Bundesbank vorübergehend leitete, genannt.

Die Bundesregierung besteht nicht auf einem Deutschen an der Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB). Das hatte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag erklärt. Entscheidend sei, dass der Nachfolger von Trichet die deutschen Vorstellungen von einer stabilen Währung und dem Kampf gegen Inflation teile, sagte er. Bei dieser Personalie gebe es aber keinen Zeitdruck. Trichet hört im Herbst auf.

Der scheidende Bundesbank-Präsident Axel Weber galt lange als EZB-Kandidat von Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Vergangene Woche verzichtete Weber überraschend. In der schwarz-gelben Koalition wird befürchtet, dass Deutschland nach dem Weber-Rückzug alle Chancen verspielt hat, erstmals den EZB-Präsidenten zu stellen.

Auf den Nachfolger von Jean-Claude Trichet warten gewaltige Herausforderungen. „Wer auch immer im Herbst neuer EZB-Präsident wird, er steht vor der schwierigsten Phase in der Geschichte der Notenbank“, sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Der Kampf gegen die Inflation, das Ende der Krisenhilfen oder die Wahrung der Unabhängigkeit der EZB - auf den Neuen kommt viel Arbeit zu.

„Die Hauptaufgabe des künftigen Präsidenten wird sein, die Inflation im Zaum zu halten“, sagt Thorsten Polleit von der britischen Bank Barclays. Schon jetzt liegt die Teuerungsrate in der Währungsunion mit 2,4 Prozent deutlich über dem von der EZB mittelfristig angestrebten Wert von knapp unter zwei Prozent.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Machiavelli

18.02.2011, 07:42 Uhr

Axel Weber, von dem gesagt wird er habe Merkel den Präsidenten-Job und die deutsche Kandidatur für die EZB-Spitze in der vergangenen Woche „angeblich aus Frust vor die Füße geworfen zu haben“ hat vielleicht in Wirklichkeit ein Auge auf den Posten des IWF-Chef geworfen. Da der aktuelle Chef; der Franzose Dominique Strauss-Kahn, verdächtigt wird sich gute Chancen als Nachfolger von Sarkozy als President de la Republique gewählt zu werden auszurechnen. Dafür wäre den vorzeitigen Rücktritt von DSK, wie er in Frankreich genannt wird, erforderlich und folglich der Posten vakant – günstig für Axel Weber und noch mehr für Germany?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×