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08.02.2012

14:59 Uhr

Trotz Atomausstiegs

Deutschland exportiert Strom nach Frankreich

Trotz der Stilllegung von acht Atomkraftwerken produziert Deutschland mehr Strom, als im Inland verbraucht wird. Der Überschuss wird ausgerechnet nach Frankreich exportiert, wo derzeit 55 Kernreaktoren in Betrieb sind.

Trotz Minusgraden und Energiewende produziert Deutschland mehr Strom als hierzulande verbraucht wird. dpa

Trotz Minusgraden und Energiewende produziert Deutschland mehr Strom als hierzulande verbraucht wird.

BerlinTrotz Atomausstiegs und Energiewende produziert Deutschland auch bei anhaltenden Minusgraden mehr Strom, als im Inland verbraucht wird. Deutschland kann also exportieren und besonders Frankreich, das nach der Stilllegung von acht deutschen Atomkraftwerken zeitweise viel Strom in das Nachbarland ausführte, ist derzeit auf „Stromhilfe“ angewiesen.

Die Bürger werden schon aufgefordert, abends auf das Anwerfen der Waschmaschine zu verzichten. Die seit Tagen anhaltende Eiseskälte treibt im Nachbarland Frankreich derzeit den Stromverbrauch in Rekordhöhen. Abends, wenn viele Franzosen nach Hause kommen und die zahlreich vorhandenen Stromheizungen anwerfen, werden bis zu 100.500 Megawatt an Leistung benötigt, geschehen am Dienstagabend.

Dass die französischen Energieversorger nun ausgerechnet aus der Bundesrepublik Stromhilfe benötigen, ist für die Regierung in Paris, aber auch für deutsche Atomlobbyisten bitter. In Frankreich war Deutschland für die überstürzte Stilllegung von acht Atommeilern etwas belächelt worden. Nach dem GAU in Fukushima führten deutsche Energiemanager Stromimporte aus Frankreich als Beleg dafür an, dass die Energiewende ein Irrsinn sei.

Nun leuchtet auf den Seiten der europäischen Übertragungsnetzbetreiber fast zu allen Tageszeiten Deutschland gelb - das bedeutet, es gibt einen Exportüberschuss beim Strom. Ein Teil geht stets nach Frankreich, das fast die ganze Zeit blau eingefärbt ist - der Bedarf kann nicht mehr mit eigenen Kraftwerken gedeckt werden, trotz derzeit 55 Atomkraftwerken, die eine Leistung von rund 60.000 Megawatt haben.

Frankreichs Energieminister Eric Besson betont, dass die aktuelle Lage eine Ausnahmesituation sei. „Über das Jahr gesehen sind wir Stromexporteur“, ließ er mitteilen.

Die aktuelle Situation ist allerdings auch in anderer Hinsicht trügerisch. Fallen mehrere Kraftwerke aus, könnte sich auch in Deutschland die Lage weiter anspannen, vor allem wenn es zusätzlich Wetterlagen mit wenig Wind und viel Wolken gibt. Das zeigt, wie volatil die Situation im Zuge der Energiewende ist. Den Großteil der Versorgung decken weiterhin konventionelle Kohle-, Gas- und Atomkraftwerke ab.

Trotz fast 50.000 Megawatt (MW) an installierter Leistung bei Windkraft- und Solaranlagen liefern diese je nach Wetter teils nur 5000 bis 10.000 MW Strom - auch wenn sie gerade in der Mittagszeit Verbrauchsspitzen abfedern.

Kommentare (16)

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svebes

08.02.2012, 10:19 Uhr

Aha die armen Stromerzeuger die den Teufel des Strommankos hochgehalten haben können sogar noch exportieren. Geht doch.
Jetzt schnell noch paar Steuermilliarden obendrauf weil ihr die eh schon vom Steuerzahler bezahlten, geschenkten und aus Profitgier marode gewordenen Stromnetze habt verrecken lassen und alles ist wieder gut.

Prosa

08.02.2012, 10:50 Uhr

Moment mal.In der BAZ.online steht,daß D aus F Strom IMPRTIERT,da billiger als von Kohlekraftwerken.Es ging in dem Artikel um die Folgen der AKW-Abschaltungen.

Badener1848

08.02.2012, 11:20 Uhr

die Atommeiler brauchen möglicherweise den "günstigen" erzeugten Strom für den eigenen Unterhalt und Betrieb. :)

Steinzeit ade!

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