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22.08.2012

14:39 Uhr

Trotz Energiewende

Kohle- und Gaskraftwerke müssen bleiben

Die Schlote der Kohlekraftwerke werden auch bei einer erfolgreichen Energiewende weiter qualmen. Laut einer Studie müssen zahlreiche die Kraftwerke am Netz bleiben, falls es zu Strom-Engpässen kommt.

Weit in den Himmel ragen die Wasserdampf-Fahnen des Kohlekraftwerks Staudinger bei Großkrotzenburg in Hessen. dpa

Weit in den Himmel ragen die Wasserdampf-Fahnen des Kohlekraftwerks Staudinger bei Großkrotzenburg in Hessen.

Berlin Deutschland muss auch bei erfolgreicher Energiewende weiter einen großen Park konventioneller Kraftwerke vorhalten. Dies ist das Ergebnis einer Studie der Deutschen Energie-Agentur (dena) zur Integration der Erneuerbaren in den Strommarkt. "2050 muss 60 Prozent der gesicherten Leistung von konventionellen Kraftwerken aufgebracht werden", sagte dena-Geschäftsführer Stephan Kohler. Die Anlagen mit 50.000 Megawatt Gesamtleistung sollen bei Windstille einspringen oder wenn die Sonne nicht scheint.

Nach der Studie droht Deutschland außerdem auch bei erfolgreicher Energiewende zum Nettoimporteur von Strom zu werden. Die dena geht davon aus, dass der Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch bis 2050 tatsächlich wie geplant auf 80 Prozent steigt. Dennoch müsse Deutschland dann rund 22 Prozent seines Stromverbrauchs aus dem Ausland importieren, falls nicht zusätzliche Kraftwerke gebaut würden, sagte Kohler.

Der dena-Geschäftsführer sprach sich für eine Modernisierung und den Neubau konventioneller Kraftwerke aus, um eine Abhängigkeit von Stromimporten möglichst zu vermeiden. Die meisten derzeit noch aktiven Kohle-, Gas- und Ölkraftwerke würden bis 2050 stillgelegt, sagte er. Da konventionelle Kraftwerke wegen des Vorrangs der erneuerbaren Energien immer weniger Stunden in Betrieb seien, werde sich aber der Kraftwerksbau wirtschaftlich kaum noch rechnen.

Nach Ansicht von Kohler wird sich Deutschland daher vom Netto-Stromexporteur zum Netto-Stromimporteur wandeln. Der dena-Geschäftsführer forderte für Deutschland und Europa "ein neues Strommarktdesign". Dazu gehörten ein europäischer Kapazitätsmarkt, damit sich das Bereithalten von gesicherter Kraftwerksleistung lohne, und ein grundlegend reformiertes Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), das die Erneuerbaren besser in den Markt und das Stromsystem integriere.

Die dena wünscht sich auch eine stärkere Steuerung des Ausbaus der erneuerbaren Energien und dessen Anpassung an den Netzausbau. Ab 2020 werde es zu Situationen kommen, in denen die Stromerzeugung der erneuerbaren Energien die Nachfrage übersteige, sagte Kohler. Bis 2050 könnten rund 15 Prozent des im Inland produzierten Ökostroms weder im Inland noch im Ausland genutzt werden.

Die Stromversorgung wird der Studie zufolge zukünftig deutlich mehr kosten als heute. "Ursache hierfür sind hohe Kosten für die Stromerzeugungskapazitäten, den Aus- und Umbau der Netzinfrastruktur, für Reserve- und Regelenergie, Anbindung der Offshore-Windparks und Flexibilisierungsmaßnahmen wie Stromspeicher", sagte Kohler. Diese Kosten könnten nicht komplett über den Verkaufspreis gedeckt werden. Sie müssten daher weiterhin auf den Endverbraucher umgelegt werden, wie es heute über die EEG-Umlage geschieht.



Von

dapd

Kommentare (1)

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TabooTwoo

03.09.2012, 05:45 Uhr

Das ist die voellige Bankrotterklaerung der naiv-vertraeumten Kinderideen von einer Energiewende!

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