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10.02.2014

20:52 Uhr

Trotz hoher Reformkosten

Rentenkassen-Reserven steigen auf Rekordhöhe

VonPeter Thelen

ExklusivDie Rentenreform wird schon in diesem Jahr ein Milliardenloch in die Rentenkassen reißen. Dennoch dürften die Reserven auf einen Rekordwert anwachsen. Grund dafür ist eine der ersten Amtshandlungen der Großen Koalition.

Andrea Nahles' Rentenreform ist bei Experten umstritten, erntet jedoch Zustimmung bei der Bevölkerung. dpa

Andrea Nahles' Rentenreform ist bei Experten umstritten, erntet jedoch Zustimmung bei der Bevölkerung.

BerlinDie Finanzlage der Rentenversicherung wird sich in diesem Jahr trotz der hohen Kosten der Rentenreform weiter verbessern. Obwohl die Rentenreform bereits 2014 ein Loch von 4,4 Milliarden Euro in die Rentenkassen reißt, werden nach Daten der Rentenversicherung die Reserven weiter wachsen - und zwar um mindestens drei Milliarden Euro auf den neuen Rekordwert von 35 Milliarden Euro. Dies berichtet das Handelsblatt in seiner Dienstagausgabe.

Rentenreform: Beitragssatz und Finanzierung

Satz soll bis 2018 stabil bleiben

Der Beitragssatz zur Rentenversicherung hätte mit Beginn dieses Jahres von 18,9 auf 18,3 Prozent des Bruttolohns sinken können, weil die Reserven der Rentenkasse auf etwa 31 Milliarden Euro angeschwollen sind. Dies haben Union und SPD noch vor Weihnachten verhindert. Der Gesetzentwurf für die Rentenreform sieht vor, dass der Beitragssatz bis 2018 stabil bei 18,9 Prozent bleibt. 2019 stiege er auf 19,7 Prozent und bis 2030 auf 22,0 Prozent.

Kosten summieren sich auf 60 Milliarden Euro

Die Kosten der Änderungen summieren sich bis 2020 auf Mehrausgaben von etwa 60 Milliarden Euro. Bis zum Jahr 2030 kommen etwa 160 Milliarden Euro zusammen. Bezahlt wird dies vor allem von den Beitragszahlern (Arbeitnehmer und Arbeitgeber) durch den Verzicht auf die Beitragssenkung und die Aufzehrung der Rücklagen der Rentenversicherung von etwa 31 Milliarden Euro. Der Bund erhöht den allgemeinen Bundeszuschuss ab 2019 bis 2022 stufenweise um jährlich 400 Millionen Euro. Das wären 1,6 Milliarden zusätzlich ab 2022. Im Gesetzentwurf heißt es aber auch, die zusätzlichen Mittel sollten „bis zum Jahr 2022 stufenweise auf rund zwei Milliarden Euro jährlich aufwachsen“.

Der Bund bezahlt durch die Reform auch schon in den Jahren 2014 bis 2017 jedes Jahr knapp 1,5 Milliarden Euro mehr als im Fall einer Beitragssenkung nötig gewesen wäre. Dies ergibt sich durch einen Automatismus: Die Zahlungen sind an die Beitragshöhe gekoppelt. Gegenüber dem geltenden Finanzplan fallen die Bundesmittel in diesem Zeitraum aber nur um knapp zwei Milliarden Euro höher aus, weil die eigentlich mögliche Beitragssenkung im Finanzplan nicht berücksichtigt war.

Rentenniveau sinkt stärker

Derzeitige und künftige Rentner tragen auch zur Finanzierung bei, denn durch den Verzicht auf Beitragssenkungen und die höheren Rentenausgaben fallen die jährlichen Rentenerhöhungen niedriger aus: „Das Sicherungsniveau vor Steuern fällt somit geringer aus“, heißt es im Entwurf dazu.

Das Mindestsicherungsniveau beziffert die Rentenhöhe eines Durchschnittsverdieners nach 45 Beitragsjahren im Vergleich zu einem durchschnittlichen Arbeitsentgelt heutzutage. Laut Gesetzentwurf sinkt das Sicherungsniveau nun schneller: Während der Rentenversicherungsbericht vom November 2013 für 2030 noch ein Rentenniveau von 44,4 Prozent vorhersagte, geht das Arbeitsministerium nun von nur noch 43,7 Prozent aus. Derartige Berechnungen setzen immer voraus, dass Konjunktur und Beschäftigung sich nicht schlechter entwickeln als erwartet.

Hauptgrund für die günstige Finanzentwicklung ist, dass die Große Koalition sich in einer ihrer ersten Amtshandlungen darauf verständigt hat, die nach der Gesetzeslage eigentlich zwingend erforderliche Senkung des Rentenbeitrags von 18,9 auf 18,3 Prozent zu unterlassen. Allein das spült der Rentenversicherung 7,2 Milliarden Euro in die Kasse. Hinzu kommt die positive Konjunkturentwicklung. So erwartet die Bundesregierung in ihrem Jahreswirtschaftsbericht einen Anstieg der Beschäftigtenzahl in diesem Jahr um 240.000 auf den neuen Rekordwert von 42,1 Millionen.

Wären davon nur die Hälfte sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse, würden die Einnahmen der Rentenversicherung um eine halbe Milliarde Euro steigen. Abwärts geht es mit den Rentenfinanzen daher voraussichtlich erst im nächsten Jahr. Dann werden sich die Kosten der Rentenreform laut Bundesregierung auf neun Milliarden Euro verdoppeln.

Kommentare (5)

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Rene

11.02.2014, 08:48 Uhr

Ganz wichtig ist, dass die Beiträge der Arbeitnehmer NICHT gesenkt werden, parallel aber die Diäten für die Politiker erhöht werden. Nur keine Politik für die Klientel machen, die mit ihren Steuern und Beiträgen das verdammte System am Laufen hält. Dafür für jene, die sich aus den Sozialkassen und Steuertöpfen bedienen.

Account gelöscht!

11.02.2014, 09:16 Uhr

Das beste in der Schweizer Zeitung gestern war:

"EU-Elite und Medien in Deutschland verurteilen die Schweiz - die Bürger in Deutschland gratulieren ".

Genau das ist die "Kruste aus Politik und Medien in Deutschland", die eine Zuchtmeister-Ideologie darstellen, die von den Deutschen ABGELEHNT wird, da sie ihre Meinung garnicht mehr darstellen ode vertreten.

Lüge, Propaganda, EU-Besoffenheit.

RBern

11.02.2014, 09:31 Uhr

"Die Rentenkassen-Reserven steigen auf Rekordhöhe."

Wenn ich nicht ganz falsch liege und die Pressemeldungen richtig sind, dann sind die Rentenkassen-Reserven innerhalb der letzten 3 Wochen zum 3. Mal in Folge gestiegen.

Dann ist es natürlich klar, dass die Projekte "Mütterrente" und "Rente mit 63 bei 45 Versicherungsjahren" schnellstens umgesetzt werden müssen.

Vielleicht ist auch noch genügend Geld vorhanden um die Beiträge abzusenken. Es müssen ja keine 0,6% sein.

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