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14.04.2012

13:05 Uhr

Trotz Kritik

Salafisten verteilen erneut Koran-Ausgaben

Radikale Islamisten haben trotz aller Kritik das Verteilen von Koran-Exemplaren in mehreren deutschen Städten fortgesetzt. Allerdings fand die Aktion offenbar in weniger Städten statt als im Internet angekündigt.

Salafisten wollen Koran-Aktion fortsetzen

Video: Salafisten wollen Koran-Aktion fortsetzen

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BerlinVon der großangekündigten Verteilaktion waren weniger Städte betroffen als zunächst angekündigt: Während beispielsweise Passanten am Potsdamer Platz in Berlin, in der Fußgängerzone von Hannover und im baden-württembergischen Göppingen kostenlos Ausgaben des Koran angeboten bekamen, ließen sich in Hamburg, Stuttgart, Karlsruhe und anderen Städten zunächst keine Salafisten blicken.

In Berlin sorgte die Aktion für heftige Diskussionen zwischen Passanten und den Islamisten, aber auch unter Passanten. Viele nahmen Koran-Exemplare mit. Eine 65 Jahre alte Frau aus Chemnitz sagte: „Ich will mir selber ein Bild machen.“ Auch die Polizei war mit Einsatzkräften da, ebenso viele Medienvertreter. Nach der Ankündigung im Internet sollten in mehr als 30 Städten Informationsstände aufgebaut und Koran-Ausgaben verteilt werden.

Laut Verfassungsschutz soll das Netzwerk „Die wahre Religion“, das sich um den radikalen Prediger Ibrahim Abou Nagie gebildet hat, hinter der Aktion stecken. Politiker und Sicherheitsbehörden befürchten, dass radikale Salafisten die Aktion für extremistische Zwecke missbrauchen könnten. Den Salafisten gehe es um Propaganda und die Rekrutierung von Anhängern, sagte die Chefin des Berliner Verfassungsschutzes, Claudia Schmid, der Tageszeitung „B.Z.“.

Hessens Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) warnte die Salafisten davor, die Religionsfreiheit zu missbrauchen. Er habe nichts dagegen, dass in Deutschland Koran-Ausgaben verteilt würden, so der Justizminister in „Die Welt“. Sobald es dabei aber zu strafbaren Handlungen komme, werde der Staat eingreifen. „Jegliche Form von Gewalt - oder auch nur der Aufruf hierzu - ist durch die Religionsfreiheit nicht gedeckt, sondern kann und wird strafrechtliche Konsequenzen ebenso nach sich ziehen wie eine Abschiebung, ein Einreiseverbot oder das Verbot von Versammlungen“, sagte Hahn.

Salafisten haben erklärt, 25 Millionen Koran-Exemplare verteilen zu wollen. dpa

Salafisten haben erklärt, 25 Millionen Koran-Exemplare verteilen zu wollen.

CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach verlangte, das Thema ganz oben auf die Tagesordnung der Islamkonferenz am kommenden Donnerstag zu setzen. „Ich wünsche mir einen Zusammenschluss aller demokratischen Kräfte gegen Radikale“, sagte er. „Die Koran-Aktion und die Drohungen gegen Journalisten müssen von der Islamkonferenz scharf verurteilt werden. Das Signal des Islamgipfels an die radikalen Islamisten muss lauten: Ihr habt in unserem Land keine Chance!“

Der Vorsitzende des Islamrates, Ali Kizilkaya, hält die Gratis-Aktion hingegen für prinzipiell unproblematisch. „Es ist grundsätzlich erlaubt, religiöse Schriften und damit auch den Koran zu verteilen“, sagte der Sprecher des Koordinierungsrates der Muslime der „Frankfurter Rundschau“. Die Debatte sei „etwas panisch“. Zur Panik gebe es aber keinen Grund: „Die große Mehrheit der Muslime in Deutschland - und das sind über vier Millionen - sind friedliche Bürger, die ihren Glauben friedlich praktizieren.“

Kommentare (7)

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Thomas-Melber-Stuttgart

14.04.2012, 11:34 Uhr

Tja, dann sollte sich die NPD 'mal schnell in eine Religionsgemeinschaft umwandeln.

Subi

14.04.2012, 12:41 Uhr

Ich finde die Debatte lustig. Warum ist denn jeder so besorgt? Der Islam ist doch die Religion des Friedens und im Koran steht nur Gutes. So etwas sollte von jedem verteilt werden dürfen.
Es spielt doch keine Rolle, ob ein Nazi oder Joachim Gauck zB. die niedergeschriebene Verfassung verteilen und sich dazu bekennen?

Oder ist es nicht doch viel mehr so, dass immer schwieriger wird, den Koran als heilige Schrift einer anerkannten Religion mit der Religionsfreiheit zu rechtfertigen? Im Grunde kann ich die Aktion begrüßen, je mehr Leute mal in den Koran schauen, desto mehr wird über den Islam bekannt. Davor kann man als jemand, der immer zu Toleranz gegenüber allem aufruft und es über Jahre versäumt, eine wichtige, offene Debatte zu führen, eigentlich nur Angst haben.

Account gelöscht!

14.04.2012, 12:42 Uhr

Mir stellt sich eigentlich nur die Frage warum diese radikal angehauchte Gruppe in der islamischen Religion nicht bei den eigenen Gläubigen den Koran kostenlos verteilt. Dort gibt es eine riesige Zahl von Menschen und Kindern die an der Hungergrenze vor sich hinvegetieren. Das Geld für den Druck wäre doch eigentlich bei den eigenen Anhängern besser aufgehoben?

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