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03.02.2011

09:32 Uhr

Trotz Merkel-Machtwort

Brüderle mischt sich in Quoten-Streit ein

VonDietmar Neuerer, Sven Afhüppe, Peter Thelen

Erst gestern watschte die Kanzlerin Arbeitsministerin von der Leyen ab und erklärte, eine feste Frauenquote komme nicht infrage. Während FDP und CSU erleichtert reagierten, gießt Wirtschaftsminister Brüderle neues Öl ins Feuer – mit einem eigenen Quoten-Vorschlag.

Für jedes Thema zu haben: Rainer Brüderle. dpa

Für jedes Thema zu haben: Rainer Brüderle.

BERLIN. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle hat in der Diskussion über eine gesetzlich festgelegte Frauenquote einen „Pakt für Frauen in Führungspositionen“ vorgeschlagen. „Anstelle einer staatlichen Frauenquote oder einer verordneten Freiwilligkeit schlage ich einen partnerschaftlichen Weg vor“, sagte der FDP-Minister der „Rheinischen Post“ vom Donnerstag. Vorbild könne der nationale Ausbildungspakt zwischen Politik und Wirtschaft sein, der inzwischen wiederholt verlängert wurde. Man müsse gemeinsam mit den mittelständischen und großen Unternehmen einen Weg finden, um mehr Frauen in Spitzenpositionen zu bringen. „Deshalb werde ich mit den Wirtschaftsverbänden in einen intensiven Dialogprozess eintreten und für einen Pakt für Frauen in Führungspositionen werben.“

SPD und Grüne reagierten mit scharfer Kritik auf den Vorstoß. "Bei der Wirtschaft für einen Pakt für Frauen in Führungspositionen werben zu wollen, wie es Herr Brüderle ankündigt, halte ich für zynisch", sagte die familienpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagfraktion, Caren Marks, Handelsblatt Online. "Wie lange sollen denn gut ausgebildeten Frauen in unserem Land diese Positionen noch unter fadenscheinigen Argumenten vorenthalten werden?" Auch die Grünen zeigten sich verärgert über den neuerlichen Vorstoß. „Das Chaos in der Bundesregierung zum Thema Frauenquote ist ein Trauerspiel“, sagte die familienpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Bundestag, Katja Dörner, Handelsblatt Online. Neben Familienministerin Kristina Schröder (CDU) täusche nun auch Wirtschaftsminister Brüderle Aktivitäten vor. „Eine einheitliche Linie ist trotz Eingreifen der Bundeskanzlerin nicht erkennbar.“

Dörner sagte zu Brüderles Vorschlag, einen ähnlichen „Pakt für Frauen“ habe es bereits 2001 als freiwillige Selbstverpflichtung „zur Förderung der Chancengleichheit von Frauen und Männern“ gegeben. Echte Erfolge seien nicht eingetreten. „Die Bundesregierung muss Nägel mit Köpfen machen“, forderte die Grünen-Politikerin. „Die Zeit für Freiwilligkeit und Pakte ist vorbei, wir brauchen die Quote im Gesetz.“

Auch SPD-Familienexpertin Marks sagte: "Nur mit einer gesetzlich festgelegten Quote werden wir hier zu wirklichen und dringend erforderlichen Fortschritten kommen." Es verwundert sie zudem, wie wenig die Wirtschaft erkannt habe, welches Potential ihr durch ihr eigenes Nicht-Handeln verloren gehe. "Darüber, welche Bedeutung Frauen in Führungspositionen für einen Unternehmenserfolg haben können, gibt es inzwischen genügend wissenschaftliche Untersuchungen", gab Marks zu bedenken. "Die Bundesregierung sollte daher den Willen haben, auch gegen vielleicht anfängliche Widerstände politisch Sinnvolles durchzusetzen." Länder wie Norwegen hätten vorgemacht, dass eine Quote zum Vorteil aller funktioniere. "Aber diese Bundesregierung mit einer Kanzlerin Merkel an der Spitze ist in Sachen Gleichstellung handlungsunwillig", sagte die SPD-Politikerin

Die FDP lehnt eine gesetzliche Frauenquote strikt ab. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel erteilte einem staatlich vorgeschriebenen Frauenanteil in den Führungsetagen der Wirtschaft, wie sie unter anderem Arbeitsministerin Ursula von der Leyen vorgeschlagen hatte, eine klare Absage. Drei Tage lang sah sie zu. Gestern beendete Merkel dann fürs Erste den Streit zwischen Familienministerin Kristina Schröder und Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (alle CDU) um die richtige Form einer Frauenquote in den Führungsetagen deutscher Unternehmen. Sie halte derzeit nichts von einer gesetzlichen starren Quote, stellte sie beim Treffen der Unionsspitze vor der Kabinettssitzung klar.

Kommentare (10)

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SayTheTruth

03.02.2011, 11:29 Uhr

(Anfang Satire): Gesucht wird Frau, die intelligent aussieht aber gefügig ist für Spitzenposition im Unternehmen als Quotenfrau. Gut bezahlt aber eigentlich nicht qualifiziert für den Posten. Also Frauen, Friseur und Model ist out, jetzt bewerbt euch gleich als Chefin ! (Ende Satire)
Mir tut es dann nur Leid um die echten Fachfrauen, die es selbst geschafft haben und nicht auf den Sessel "gehoben wurden".

Torsten Steinberg

03.02.2011, 11:53 Uhr

Stattdessen kündigte Regierungssprecher Steffen Seibert an: „Wir wollen der Wirtschaft noch für einen überschaubaren Zeitraum Gelegenheit geben, freiwillige Fortschritte zu machen.“ Das Nähere soll bei einem Spitzentreffen mit den Personalchefs der 30 Dax–Unternehmen im März entschieden werden.

Laber, laber, larifari!! bin ja gespannt, was die Personalchefs bei ihrem Spitzentreffen in bezug auf die Frauenquote beschließen werden. Wieviele Frauen sind eigentlich dabei?
Eine Frauenqoute ist doch keine Maßnahme, die von heute auf morgen umgesetzt wird, sondern eher eine Zielvorstellung, an die man sich über einen langen Zeitraum annähert. Es wäre sehr viel besser, sich jetzt auf eine Quote zu einigen und einen Zeitrahmen zu definieren, als alle Vorschläge erst 2018 wieder aus der Schublade zu holen und dann eine Lösung über das Knie brechen zu wollen. Warum sollten die Voraussetzungen dann günstigere sein als heute? So sind die Jahre bis 2018 verschenkte Jahre, denn wer glaubt im Ernst, dass die Herren in der Wirtschaft freiwillig ihre Dominanz in Frage stellen? Davor schrecken ja sogar viele Frauen zurück.

Ein Zündler???

03.02.2011, 11:57 Uhr

Dieses bild von Herrn Wirtschaftsminister brüderle spricht bände!!!
Er ist und bleibt ein Genießer, er zeigt wo seine Wurzeln sind.
Danke

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