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03.12.2015

17:40 Uhr

Trotz Mitgliederschwund

Kirchen nehmen erneut mehr Steuern ein

Die Kirchen in Deutschland verlieren mehr und mehr Mitglieder. Bei ihren Einnahmen macht sich das derzeit noch nicht bemerkbar: Sie sind um 18 Millionen Euro gestiegen. Doch der Geldsegen dürfte demnächst vorbei sein.

Die Kirchen profitieren derzeit von niedriger Arbeitslosigkeit und steigenden Löhnen. dpa

Gute wirtschaftliche Lage

Die Kirchen profitieren derzeit von niedriger Arbeitslosigkeit und steigenden Löhnen.

Köln/HannoverTrotz sinkender Mitgliederzahlen verzeichnen die großen Kirchen in Deutschland weiter steigende Steuereinnahmen. Die größte katholische Diözese, das Erzbistum Köln, meldete am Donnerstag für das laufende Jahr einen Zuwachs von fünf Prozent. Im vergangenen Jahr hatte das Erzbistum knapp 804 Millionen Euro eingenommen. Das Erzbistum München und Freising rechnet für 2015 mit einem Anstieg um etwa 18 Millionen Euro auf 545 Millionen Euro.

Die Kirchen profitieren dabei von sinkender Arbeitslosigkeit und steigenden Löhnen. „Steigende Kirchensteuer-Einnahmen in fünf aufeinanderfolgenden Jahren hatten wir noch nie“, sagte der Kölner Finanzdirektor, Hermann Josef Schon. Mittelfristig stelle sich die Kirche aber aufgrund des Bevölkerungsrückgangs auf schwindende Einnahmen ein.

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Auch bei den evangelischen Kirchen gibt es höhere Einnahmen. „Die Kirchensteuer entwickelt sich besser als die Zahl der Gemeindemitglieder“, sagte der Finanzexperte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Friedrich Vogelbusch. Die evangelische Landeskirche Baden geht nach Angaben eines Sprechers für 2016 von Einnahmen in Höhe von knapp 329 Millionen Euro aus, für 2017 von einem Anstieg auf 343 Millionen Euro.

Insgesamt haben die katholischen Bistümer im vergangenen Jahr Kirchensteuern in Höhe von knapp 5,7 Milliarden Euro eingenommen. Für die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) lagen die Kirchensteuereinnahmen 2014 bei 5,07 Milliarden Euro nach 4,84 Milliarden in 2013 und 4,58 Milliarden im Jahr 2008.

Die derzeit noch sprudelnden Steuereinnahmen der Kirchen sollen auch der Flüchtlingshilfe zugutekommen. Die evangelische Landeskirche Württemberg will in den nächsten zwei Jahren mehr als 13 Millionen Euro für die bedürftigen Zuwanderer bereitstellen. Die Landeskirche Baden hat für einen Zeitraum von drei Jahren 10 Millionen Euro zur Verfügung. Im Erzbistum Köln wurden 15 zusätzliche Mitarbeiter eingestellt, um die Arbeit der ehrenamtlichen Helfer zu koordinieren.

Gegen den Trend erwartet die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz etwas geringere Einnahmen. Laut einer Prognose vom November sollen in diesem Jahr rund 211,7 Millionen Euro eingehen – knapp zwei Millionen Euro weniger als im Vorjahr.

Das Erzbistum Köln rechnet damit, dass die Zahl der Kirchenmitglieder von derzeit 2,03 Millionen bis zum Jahr 2030 auf 1,64 Millionen zurückgehen wird. Die Einnahmen würden dadurch auf geschätzte 490 Millionen Euro im Jahr sinken, heißt es in einer Prognose. Das Erzbistum sei auf die zurückgehenden Mitgliederzahlen vorbereitet. „Wir werden auch langfristig absolut handlungsfähig sein“, sagte Finanzdirektor Schon.

Von

dpa

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