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10.01.2011

21:09 Uhr

Trotz Protesten

Bau von Stuttgart 21 geht weiter

Neues Jahr, neue Proteste: Mit einer Blockade gegen Baufahrzeuge und einer Demo haben sich die Stuttgart-21-Gegner am Montag zurückgemeldet. Der Bau des Milliarden-Bahnprojekts ist wieder angelaufen.

HB STUTTGART. Die Bauarbeiten für das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21 sind nach einer Blockade am Montag fortgesetzt worden. Rund 50 Gegner der geplanten Verlegung des Bahnhofs unter die Erde hatten an der Nordseite des Gebäudes zwei Baufahrzeugen die Einfahrt versperrt. Im Auftrag der Bahn will der Energieversorger EnBW eine Starkstrom-Kabeltrasse verlegen, um Platz für ein geplantes unterirdisches Technikgebäude zu schaffen. Die Polizei löste die Blockade am Mittag auf. Die beiden Baufahrzeuge konnten passieren und Arbeiter begannen, die Baustelle einzurichten.

Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) zeigte sich überzeugt, dass das 4,1 Milliarden Euro teure Bahnprojekt umgesetzt wird. "Ab heute wird wieder gebaut, und der Bau wird weitergehen", sagte er auf dem Jahresempfang der Industrie- und Handelskammer in Karlsruhe. Neben Stuttgart 21 erklärte er auch den vierspurigen Ausbau der Rheintal-Trasse und die Bahnverbindung Mannheim-Frankfurt zur Chefsache.

Das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 war nach eigenen Angaben nicht an der Blockade beteiligt, protestierte aber mit einem Trillerpfeifenkonzert am Montagabend erstmals in diesem Jahr wieder lautstark vor dem Bahnhof. Nach Veranstalterangaben versammelten sich rund 7000 Menschen - die Polizei schätzte ihre Zahl auf 4000.

Zu einer Demo am 29. Januar rechnet Aktionsbündnissprecher Gangolf Stocker mit rund 50 000 Menschen. Sitzblockaden seien erst wieder vorgesehen, wenn Bäume gefällt oder umgepflanzt würden oder der Südflügel des Hauptbahnhofes abgebrochen werde.

Die Südwest-Grünen kritisierten die Wiederaufnahme der Bauarbeiten. Das "Bahnchaos" der vergangenen Wochen mache einmal mehr die Absurdität von Stuttgart 21 deutlich, betonte Grünen-Landeschef Chris Kühn. "Was nützt den Menschen ein Tiefbahnhof, wenn die Züge beim ersten Frost auf der Strecke hängenbleiben und im Sommer die Klimaanlagen ausfallen. Die Fahrgäste und die Wirtschaft brauchen einen funktionierenden Bahnverkehr in der Fläche und keine unnützen Leuchttürme." Der Baustopp müsse aufrechterhalten werden, bis Mitte des Jahres das Ergebnis des Stresstests für Stuttgart 21 vorliege. Zudem wollen die Grünen einen Volksentscheid.

Die bisherige Starkstrom-Trasse der EnBW liegt zum Teil auf dem Gelände, auf dem die Bahn eine unterirdische Schaltzentrale errichten will. Mit einem 220 Meter langen Bypass für insgesamt fünf Kilometer Kabelstränge soll das Arreal in den nächsten sechs bis acht Wochen für den Bau frei gemacht werden. Für Stuttgart 21 soll der Kopfbahnhof der Landeshauptstadt durch eine unterirdische Durchgangsstation ersetzt und mit der geplanten Schnellbahntrasse nach Ulm verbunden werden.

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