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05.03.2017

22:25 Uhr

Trumps Image als Macher

Eine geschickt angelegte Show

Trumps erste Wochen als Präsident verliefen nicht ganz rund, aber er lernt dazu. Gut zu inszenieren weiß er sich ohnehin, und so nutzt er nun nach Kräften die Möglichkeiten, die ihm das Amt bietet.

Der US-Präsident Donald Trump zeigt im Weißen Haus ein unterzeichnetes Dekret zur Förderung der traditionell schwarzen Colleges und Universitäten. dpa

Die Trump-Show

Der US-Präsident Donald Trump zeigt im Weißen Haus ein unterzeichnetes Dekret zur Förderung der traditionell schwarzen Colleges und Universitäten.

WashingtonAn fast jedem Morgen schart US-Präsident Donald Trump Unternehmer, Gewerkschaftsführer oder andere wichtige Persönlichkeiten im Weißen Haus um sich. Solche perfekt für das Fernsehen inszenierte Treffen sollen das Bild eines Machers vermitteln.

Trump sitzt dabei in der Mitte eines der reich verzierten Tagungsräume im Weißen Haus, äußert sich kurz und lädt anwesende Journalisten ein, noch ein wenig zu bleiben um zu hören, wie seine Gäste seine Pläne loben. Greifbare politische Entscheidungen werden dabei kaum bekannt. Doch die öffentlichen Teile der Treffen werden vollständig vom Kabelfernsehen übertragen: So nutzt ein unkonventioneller neuer Präsident die traditionellen Symbole und Möglichkeiten des Amts zu seinem Vorteil.

Redenschreiber Stephen Miller: Zu 100 Prozent Trump

Redenschreiber Stephen Miller

Premium Zu 100 Prozent Trump

Der 31-jährige Stephen Miller ist der Mann hinter Donald Trumps Reden und führt zusammen mit Stephen Bannon die revolutionäre Garde des US-Präsidenten. Schon in der Highschool rebellierte er gegen das liberale Amerika.

Die Rolle des Präsidenten zu spielen, ist eine entscheidende Fähigkeit, die dem jeweiligen Herrn im Oval Office nicht immer auf Anhieb leicht fällt. Eine gute Inszenierung des Amtsträgers kann Pannen oder peinlichen Streit nicht vollständig überdecken, aber sie kann helfen, das Bild des Oberkommandierenden in der Öffentlichkeit zu beeinflussen und politische Verbündete auf Linie zu halten.

Dies war gut bei Trumps erster Rede vor beiden Häusern des Kongresses am Dienstag (Ortszeit) zu beobachten. Der neue Präsident betrat das Abgeordnetenhaus mit historisch niedrigen Popularitätswerten. Manche Republikaner haben es satt, dass er nicht damit aufhört, mit persönlichen Beleidigungen um sich zu werfen. Auch, dass er offenbar nicht bereit ist, sich der ambitionierten innenpolitischen Agenda seiner Partei zuzuwenden, stößt auf Kritik.

Das sind Trumps Kommunikatoren

Komplexer Kommunikationsapparat

US-Präsident Donald Trump hat im Weißen Haus einen komplexen Kommunikationsapparat zur Verfügung. Nach der Amtsübernahme ist eine genaue Struktur noch nicht klar, aber einige Figuren ragen heraus.

Sean Spicer (45)

Sprecher des Weißen Hauses, früher Sprecher der Republikaner. Er gehört zu denen, die den unmittelbarsten Kontakt zu Medienvertretern haben, fast täglich. Versuchte nach einem Auftritt mit mehreren nachgewiesenen Lügen die Wogen zu glätten. Soll die Politik des Präsidenten erklären. Sein Verhältnis zu Medien und seine Auffassung der Rollen sind noch nicht klar definiert.

Kellyanne Conway (50)

Ursprünglich Meinungsforscherin, jetzt als offizielle Beraterin des Präsidenten gewiefte Vertreterin der Abteilung Attacke. Deutet und verteidigt Trump mit fast maschineller Beharrlichkeit. Schwer zu greifen. Sehr präsent in Talkshows. Gibt den Tagen oft durch morgendliche Auftritte einen Spin mit. War eine der entscheidenden Figuren für Trumps Wahlsieg.

Stephen Bannon (63)

Der Mann für die langen Linien. Ehemaliger Banker, Chef der stramm konservativen Webseite Breitbart, firmiert als Chefstratege. Wird als blitzgescheiter Mann ohne viele Skrupel beschrieben. Kritiker sagen, er solle Trump weiter ein rechtskonservatives Spektrum erschließen. Ist sichtbar, aber meist eher im Hintergrund. Soll Mitautor von Trumps Antrittsrede sein.

Hope Hicks (28)

Offizieller Titel „Direktorin für strategische Kommunikation“. In Trumps innerstem Kreis die einzige Frau, die nicht zur Familie gehört. Wirkt fast ausschließlich hinter den Kulissen, ist Trump angeblich in gusseiserner Treue verbunden. Arbeitete vorher für seine Firma und seine Tochter Ivanka. Hat angeblich das Ohr des Präsidenten, Journalisten sehen in ihr einen möglichen Zugang zu ihm.

Dan Scavino (geb. 1976)

Verantwortet im Weißen Haus den Bereich Social Media – für Trump von besonderer Bedeutung. Hat auch den präsidialen Twitter-Account @POTUS unter sich. Managte einen von Trumps Golfclubs, verantwortete 2016 die sozialen Medien Trumps im Wahlkampf.

Stephen Miller (31 oder 32)

Politikberater im Weißen Haus. Bevor er in Trumps Wahlkampfteam kam, arbeitete er für den US-Justizminister Jeff Sessions. Jüdischen Glaubens. Wird als ultrakonservativ beschrieben, ist angeblich mit Richard Spencer befreundet, dem Anführer der so genannten „Alt Right“-Bewegung, einer Gruppierung von Rechtsextremen. Soll mit Bannon die Antrittsrede Trumps geschrieben haben.

Quelle: dpa

Trump reagierte darauf, indem er sich den traditionellen Pomp und den präsidialen Habitus einer solchen Rede zu eigen machte. Er hielt eine zurückhaltende und überwiegend optimistische Rede. Dabei wich er nur selten vom Manuskript ab. Emotionaler Höhepunkt war, als er auf die Witwe eines gefallenen Soldaten in der Gästeloge wies und ihr gemeinsam mit den Kongressabgeordneten anhaltend Beifall für das Opfer ihres Mannes spendete.

Viele Republikaner waren begeistert. „Man hat vergangenen Abend gesehen, wie ein Außenseiter sozusagen in Fahrt gekommen ist“, schwärmte Senator David Perdu. Der frühere Gouverneur von Minnesota, Tim Pawlenty, bezeichnete die Rede als „weniger Mad Max und mehr Ronald Reagan“. Damit habe sich Trump Wohlwollen und Zeit gekauft, um weitere Ämter zu besetzen und den politischen Fahrplan zu entwickeln.

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