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13.12.2014

16:37 Uhr

Truppenbesuch

Von der Leyen warnt vor abruptem Afghanistan-Abzug

Bundesverteidigungsministerin Von der Leyen ist nach Afghanistan gereist, um die Soldaten auf neue Aufgaben einzustellen. Der Kampfeinsatz dort endet, die Gewalt hält aber an. Eine Anschlagsserie erschüttert das Land.

Ursula von der Leyen (Archivbild) traf am frühen Samstagmorgen zum Truppenbesuch in Afghanistan ein. ap

Ursula von der Leyen (Archivbild) traf am frühen Samstagmorgen zum Truppenbesuch in Afghanistan ein.

Masar-i-Scharif/KabulInmitten einer neuen Anschlagsserie in Afghanistan hat Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen am Samstag vor einem überhasteten Abzug der internationalen Truppen vom Hindukusch gewarnt. Die Sicherheitslage sei fragil, sagte die Ministerin wenige Tage vor dem Ende des Nato-Kampfeinsatzes bei einem Besuch im Hauptquartier der afghanischen Armee für den Norden des Landes in Masar-i-Scharif.

Die ausländischen Truppen dürften daher nicht zu abrupt abziehen. Sie müssten sich genügend Zeit für den nun beginnenden Ausbildungseinsatz nehmen und diesen schließlich behutsam beenden. Die radikalislamischen Taliban töteten unterdessen bei einer neuen Anschlagsserie mit Schwerpunkt in Kabul mehr als ein Dutzend Menschen.

Im Westen Kabuls zerstörte ein Selbstmordattentäter einen Bus, der afghanische Soldaten transportierte. Mindestens sechs Soldaten wurden nach Polizeiangaben getötet. Wer für den Anschlag verantwortlich war, blieb zunächst unklar. Allerdings bekannten sich die Taliban zu einem Attentat auf einen hochrangigen Beamten des Obersten Gerichtshofes.

Er wurde in Kabul erschossen, als er sein Haus verließ. Die Islamisten haben die Zahl ihrer Anschläge in Kabul in den vergangenen Wochen massiv erhöht, die Hauptstadt lebt deshalb im Alarmzustand. Der Anstieg der Gewalttaten fällt zusammen mit dem Auslaufen des Nato-Kampfeinsatzes zum Jahresende.

Der Afghanistan-Einsatz im Wandel

Intervention

Als Reaktion auf die Anschläge vom 11. September 2001 intervenierte eine von den USA geführte Koalition in Afghanistan, um das Regime der radikalislamischen Taliban zu stürzen und die für die Anschläge verantwortliche Terrororganisation Al-Kaida zu bekämpfen.

Stabilisierung

Nach dem Sturz der Taliban stationierte die Nato von Dezember 2001 an die „International Security Assistance Force“ (Internationale Sicherheitsunterstützungstruppe, Isaf) in Afghanistan. Ihre ursprüngliche Aufgabe: Stabilisierung des Landes. Deutschland beteiligte sich an der Mission mit bis zu 5350 Soldaten.

Krieg

Im Laufe der Jahre nahmen die Angriffe der Taliban auf die afghanische Regierung und die internationalen Truppen kontinuierlich zu. Die Isaf-Truppe wurde auf bis 130 000 Soldaten aufgestockt und ging dazu über, die Taliban offensiv zu bekämpfen. In Deutschland war trotzdem noch lange von einem „Stabilisierungseinsatz“ die Rede. 2010 war der damalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) der erste deutsche Politiker, der von Krieg sprach.

Ausbildung

Zum Jahreswechsel soll der Isaf-Einsatz beendet und durch die Mission „Resolute Support“ (Entschlossene Unterstützung) mit etwa 13 000 Soldaten ersetzt werden. Der neue Auftrag lautet „Ausbildung, Beratung, Unterstützung“. Trotzdem kann die Truppe weiterhin in Gefechte verwickelt und Ziel von Anschlägen werden.

Auch außerhalb Kabuls schlugen die Taliban zu: In der Nähe des früheren britischen Stützpunktes Camp Bastion in der Süd-Provinz Helmand erschossen die Taliban zwölf Minenräumer. Die Extremisten hätten von Motorrädern aus das Feuer auf die Männer eröffnet, erklärte die Polizei.

In der Nacht zum Samstag tötete eine Bombe der Taliban nahe dem US-Stützpunkt Bagram bei Kabul zwei ausländische Soldaten in einem Konvoi. Am Donnerstag hatte sich ein Jugendlicher im Auftrag der Taliban im französischen Kulturzentrum in Kabul in die Luft gesprengt und dabei einen deutschen Entwicklungshelfer getötet und 16 weitere Menschen verletzt.

Kommentare (1)

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Herr Wolfgang Trantow

15.12.2014, 09:28 Uhr

Wieder nur: Deutschland muss überall einmarschieren. Dafür haben wir eine hervorragende Bundeswehr, die bisher überall nur versagte!

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