Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.04.2016

13:33 Uhr

Türkei-Reise

Bundesbürger lehnen Merkels Umgang mit Erdogan ab

Vor ihrer Türkei-Reise schneidet die Kanzlerin in einer Umfrage schlecht ab. Vier von fünf Befragten werfen ihr vor, zuviel Rücksicht auf den türkischen Präsidenten zu nehmen. Es gibt noch andere Kritikpunkte.

Die Mehrheit der Bundesbürger kritisiert laut einer Umfrage, wie die Kanzlerin mit dem türkischen Präsidenten umgeht. dpa

Angela Merkel und Recep Tayyip Erdogan

Die Mehrheit der Bundesbürger kritisiert laut einer Umfrage, wie die Kanzlerin mit dem türkischen Präsidenten umgeht.

BerlinKurz vor der Türkei-Reise von Bundeskanzlerin Angela Merkel moniert eine große Mehrheit der Deutschen einer Umfrage zufolge ihren Umgang mit Präsident Recep Tayyip Erdogan. Merkel nehme zu viel Rücksicht auf das türkische Staatsoberhaupt, urteilten vier von fünf Befragten in dem am Freitag veröffentlichten ZDF-Politbarometer. Zudem bezweifelten 80 Prozent der Interviewten, dass die Türkei in der Flüchtlingskrise ein verlässlicher Partner sei.

Merkel hat den von Erdogan verlangten juristischen Schritten gegen den Satiriker Jan Böhmermann zugestimmt. Das lehnen 62 Prozent der Befragten ab. Böhmermann hatte in einem „Schmähgedicht“ Erdogan in grober Weise beleidigt und erklärt, er wolle nur zeigen, welche Sorte Satire in Deutschland nicht zulässig sei. Erdogan hat auch als Privatmann Klage gegen Böhmermann erhoben. In Deutschland war das Vorgehen des Präsidenten auch deswegen auf Kritik gestoßen, da er im eigenen Land massiv gegen regierungskritische Medien vorgeht.

ARD-Reporter Volker Schwenck: Merkel und Gabriel kritisieren Türkei wegen Einreiseverbot

ARD-Reporter Volker Schwenck

Merkel und Gabriel kritisieren Türkei wegen Einreiseverbot

Dem ARD-Korrespondenten Volker Schwenck ist die Einreise in die Türkei verweigert worden. Er hatte häufiger aus den Rebellengebieten in Nordsyrien berichtet. Ein politischer Akt? Merkel und Gabriel üben Kritik.

Merkel reist am Samstag in die Türkei und besucht dort ein Flüchtlingslager. An dem Besuch in dem Lager nahe der Stadt Gaziantep nehmen auch EU-Ratspräsident Donald Tusk und der Vizepräsident der EU-Kommission, Frans Timmermans, teil. Die drei wollen dort ein von der EU finanziertes Flüchtlingsprojekt besuchen. Zudem würden sie mit dem türkischen Ministerpräsident Ahmet Davutoglu zusammentreffen, sagte Seibert.

Im Mittelpunkt der Visite stünden klar die Flüchtlingsproblematik und das EU-Türkei-Abkommen, fügte er auf die Frage hinzu, ob auch Menschenrechtsprobleme in der Türkei angesprochen würden. „Wir halten an unseren Wertevorstellungen fest“, sagte Seibert. Die Bundeskanzlerin nehme an dem Besuch in ihrer Rolle als „Vertreterin eines stark von der Flüchtlingssituation der letzten zehn Monaten betroffenen Landes teil“, hieß es weiter. Mit der derzeitigen niederländischen EU-Ratspräsidentschaft habe sich Merkel am Donnerstag abgesprochen.

Die Kanzlerin gehört zu den Architekten des Vertrages zwischen der Türkei und der EU. Demnach nimmt die Türkei von ihrem Territorium aus in die EU illegal eingereiste Flüchtlinge zurück. Im Gegenzug erhält die Türkei unter anderem Milliarden-Hilfen und den Wegfall der Visums-Pflicht bei EU-Reisen ihrer Bürger. Kritiker werfen Merkel vor, sie habe sich mit dem Abkommen erpressbar gemacht, da Erdogan sich jederzeit weigern könne, Flüchtlinge zurückzunehmen.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×