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04.02.2014

11:39 Uhr

Türkenpremier auf Deutschland-Besuch

Wirtschaft warnt Erdogan vor Provokationen

VonDietmar Neuerer

ExklusivFür Außenhandelspräsident Anton Börner ist der Deutschlandbesuch Erdogans wahltaktisch begründet. Er hofft, dass sich der türkische Premier diesmal nicht im Ton vergreift, sondern auf politische Annäherung setzt.

Der türkische Premier Erdogan: Neue Provokationen nicht erwünscht. dpa

Der türkische Premier Erdogan: Neue Provokationen nicht erwünscht.

BerlinIn ungewöhnlich deutlichen Worten hat der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Anton F. Börner, an den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan appelliert, bei seinem Deutschlandbesuch provokante Töne zu unterlassen. Der Besuch Erdogans begründe sich in erster Linie durch den anstehenden Präsidentschaftswahlkampf. „Wir hoffen, dass er dieses Mal eine Provokation wie im Jahr 2008 nicht nötig hat“, sagte Börner Handelsblatt Online. Damals habe er die hier lebenden Türken noch vor einer Integration in Deutschland gewarnt.

Börner spielte damit auf einen Auftritt Erdogans in der Köln-Arena im Jahr 2008 an. Damals hatte der Ministerpräsident die rund drei Millionen Deutsch-Türken davor gewarnt, sich zu assimilieren, und damit eine hitzige Debatte über Integration ausgelöst.

„Vielmehr würden wir uns wünschen, dass auch die politische Ebene die Annährung vollzieht, die schon in den wirtschaftlichen und zwischenmenschlichen Beziehungen gelebt wird“, sagte Börner weiter. Dies bleibe jedoch Wunschdenken, wenn sich die Regierungskrise fortsetze und die Korruptionsvorwürfe nicht mit rechtsstaatlichen Mitteln aufgearbeitet würden. „Die derzeitige Politik gefährdet auf jeden Fall das wirtschaftliche Fortkommen der Türkei und gefährdet die vielen Errungenschaften der letzten Jahre“, warnte Börner.

Erdogan will sich heute mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) treffen. Am Abend will im Berliner Tempodrom auch eine Rede vor mehreren tausend Landsleuten halten.

Aus Sicht des BGA-Präsidenten muss die türkische Führung „die motivierten, gut ausgebildeten Eliten“ gewinnen, um einen weitere Wohlstandsvermehrung sicherzustellen. „Wenn jedoch diese Eliten aufgrund autoritärer Beschränkungen, fehlender Freiheiten oder mangelnder Rechtssicherheit verdrängt werden, droht die Türkei, das Erreichte zu verspielen“, sagte Börner. „Hierfür sollte Erdogan in Deutschland Wahlkampf betreiben.“

Ähnlich kritisch wie Börner hatten sich auch Politiker geäußert. Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) mahnte er im Gespräch mit „Spiegel Online“, dass Erdogan in seiner Rede vor Landsleuten die Integration der Deutsch-Türken nicht erschweren dürfe. Auch der SPD-Außenpolitiker Rolf Mützenich äußerte die Erwartung, Erdogan solle bei seinen öffentlichen Auftritten darauf achten, „dass er vor allem als Amtsträger und nicht als Wahlkämpfer in Deutschland respektvoll begrüßt wird“.

Kommentare (7)

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04.02.2014, 13:14 Uhr

"""Im Ton vergreift"""?

Nein, es wird sein wie immer: Ich will, ich brauche, ich fordere....Ihr seid böse, ungerecht und macht das und das falsch.

Account gelöscht!

04.02.2014, 13:16 Uhr

Warum trifft sich Merkel eigentlich mit einem korrupten Diktator, der seine Bürger niederknüppeln lässt, Grund- und Menschnrechte beschränkt usw.???? WARUM????

Radek

04.02.2014, 13:43 Uhr

Es ist schon außergewöhnlich, dass ein ausländischer Politiker, in diesem Fall Erdogan, auf deutschem Boden Wahlkampf macht in einer Großveranstaltung, wie jetzt in Berlin.

Erdogan nimmt sich Freiheiten heraus, die noch nicht einmal ein EU-Politiker in Anspruch nimmt, auch wenn dieser einen Wahlkampf in seinem Heimatland zu absolvieren hat.

Zurückhaltung bei Staatsbesuchen ist nicht Erdogans Sache.

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