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11.01.2013

07:06 Uhr

TV-Duell in Niedersachsen

Eher sturmfest als stocksteif

VonChristian Bartels

Vor der Landtagswahl in Niedersachsen liegen Schwarz-Gelb und Rot-Grün eng beieinander. Im TV-Duell lieferten sich die beiden Spitzendkandidaten David McAllister (CDU) und Stephan Weil (SPD) einen harten Schlagabtausch.

Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) und SPD-Spitzenkandidat Stephan Weil teilten kräftig gegeneinander aus.

Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) und SPD-Spitzenkandidat Stephan Weil teilten kräftig gegeneinander aus.

HannoverDer Ausgang der niedersächsischen Landtagswahl am 20. Januar wird sehr spannend. Das Duell der beiden Kandidaten für den Ministerpräsidenten-Posten, David McAllister und Stephan Weil, gestern im NDR-Fernsehen begann sagenhaft langweilig, steigerte sich aber enorm.

Die ersten Argumente, die Amtsinhaber McAllister (CDU) ausbreitete, bezogen sich auf Entwicklungen in neueren Meinungsumfragen. Die erste Frage des Moderators Andreas Cichowicz lautete verquer, ob die Scheidung des Ex-Bundespräsidenten und McAllister-Vorgängers Christian Wulff die CDU Stimmen kosten wird. Vom Herausforderer Weil (SPD) wollte Cichowicz ebenfalls vor allem wissen, wie er denn die Umfragen einschätzt ("Stimmt etwas nicht bei der Mobilisierung der SPD"). Als er dann noch neuere, vom ARD-Umfrage-Zeremonienmeister Jörg Schönenborn eigentlich erst für die späteren "Tagesthemen" vorgesehene Umfrage-Ergebnisse präsentierte (denen zufolge der CDU-Koalitionspartner FDP doch wieder Chancen habe, in den Landtag zu kommen), schien die Sendung beinahe ins Absurde abzugleiten. Wem hilft es, wenn Politiker über mehr oder minder repräsentative Stimmungsumfragen diskutieren, anstatt direkt über ihre Pläne und Ziele, auf deren Grundlage sich solche Stimmungen bilden?

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Doch war in der kargen Kulisse - künstlich knallblauer Hintergrund mit etwas braungrauem Gebälk - bereits deutlich geworden, dass sich die Kandidaten nicht im geringsten aus der Ruhe bringen lassen. McAllister hatte die Wulff-Frage knapp als irrelevante Privatangelegenheit abgebügelt (und zugleich fallen gelassen, dass er zu seinem sehr geschätzten Vorgänger "momentan nicht mehr in Kontakt" stehe).

Weil hatte auf Fragen nach einer Belastung der SPD durch Peer Steinbrück ähnlich reagiert. Und dann gelang McAllister ein rhetorischer Coup: Mit dem Versprechen, dass sich die CDU nicht von der Linken tolerieren lassen wolle - faustdicke Überraschung für Kenner der politischen Landschaft - erfragte er beim SPD-Kontrahenten eine ähnliche Aussage. Weil reagierte rhetorisch nicht übel ("Wir pflegen uns nicht mit Splitterparteien abzugeben"), ohne aber so eine Möglichkeit vollständig auszuschließen. Das kitzelte McAllister kämpferisch hervor. Diese direkte Konfrontation der Kandidaten unter Umgehung des auf seine Umfrage-Fragen fixierten Moderators wirkte sehr belebend aufs TV-Duell.

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Kommentare (6)

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CDU-Mann

11.01.2013, 08:31 Uhr

In der Tat könnten beide Politiker, McAllister und Weil. CDU und SPD, in einer gemeinsamen Landesregierung in Niedersachsen für Niedersachsen regieren.

Sowohl menschlich als auch fachlich qualifiziert würden sie sich sehr gut ergänzen.

Ein Grund mehr, die FDP nicht und auch nicht mit der Zweitstimme zu wählen. Die FDP passt weder im Landtag noch im Bundestag in das politische Rahmengefüge.

Bleibt zu hoffen, dass sich CDU-Wähler auf nicht auf den Zweitstimmendeal zugunsten der FDP einlassen. Zu schwer wiegt die Bundespolitik und deren Blockadehaltung gegenüber der CDU. Die FDP hat sich auch in Niedersachsen verbraucht und keine weitere Regierungslegitimation und wird somit hoffentlich an der 5% Hürde scheitern.

Nordmann

11.01.2013, 09:20 Uhr

Wieder hängt es an der FDP, die einfach nicht wahrhaben will, wo in Korruptistan politisch erforderliche Handlungsstränge liegen.

Ich habe da einen klaren Vorschlag, mit dem sich sofort und ohne Verzug politisch punkten liesse, sofern es die FDP Ernst meint:

Nach den dauerhaften Bürger-hinter-die-Fichte-Verfahren (Stuttgart21, BER, Elbphilharmonie, ...) gehört sofort ein Gesetzgebungsverfahren zur Etablierung einer verschärften Amtshaftung, zur Einführung des Straftatbestandes "Steuerverschwendung" mit empfindlichen Strafen bis zur Enteignung der überführten Beschuldigten und für ein hochtransparentes und für alle Steuerzahler einsehbares Vergabeverfahren für alle Aufträge der öffentlichen Hand gestartet und konsequent umgesetzt.

CDU-Mann

11.01.2013, 09:31 Uhr

@Nordmann

Sie glauben doch nicht im Ernst, dass die FDP mit so einem Vorschlag glaubwürdiger würde. Die FDP hat es ja nicht einmal geschafft, die Steuergesetzgebung zu vereinfachen. Ich erinnere an die Aussage Westerwelles, der den Koalitionsvertrag nicht unterschreiben wollte.

Die FDP kann vorschlagen so viel sie will - sie ist und bleibt unglaubwürdig, inkompetent und nicht regierungsfähig. Der FDP seine Stimme zu geben, ist reine Verschwendung! Geben Sie Ihre Stimme und Zweitstimme einer Partei, die Zukunft oder Fortbestand hat, damit kann ja wohl nicht mehr die FDP gemeint sein!

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