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03.09.2013

15:32 Uhr

TV-Duelle

Ein bisschen mehr Amerika

VonNils Rüdel

TV-Debatten können den Wahlkampf interessanter machen. Doch so, wie es bei Merkel und Steinbrück ablief, sollte es nicht sein: Überreguliert, leidenschaftslos, zäh. Deshalb: Wenn schon Vorbild USA, dann richtig.

Romney und Obama beim TV-Duell: Fast an die Gurgel gegangen. Reuters

Romney und Obama beim TV-Duell: Fast an die Gurgel gegangen.

DüsseldorfIm „Apollo“-Theater in Harlem, der Herzkammer der New Yorker Jazz- und Soul-Szene, ist die Stimmung wie immer bestens. Die Menschen klatschen, jubeln, pfeifen, sie tragen Fan-T-Shirts und -Buttons, trinken Bier. Auf der Bühne gibt es an diesem Abend jedoch keine Musiker, nur eine Leinwand. Darauf zu sehen ist das Idol des Publikums: Barack Obama. Der US-Präsident will wiedergewählt werden, also tritt er an diesem Abend im Oktober 2012 zum zweiten TV-Duell gegen seinen Herausforderer Mitt Romney an (hier das Video). Obamas Fans jubeln bei jedem Treffer, wie bei einem Boxkampf.

So geht es auch im TV-Studio zu, das zu einer so genannten „Town Hall“ umgebaut ist. Obama und Romney stehen vor einer Handvoll ausgewählter Zuschauer, mal laufen sie herum, mal umzirkeln, mal belauern sie sich. Ab und zu wirft die Moderatorin oder jemand im Publikum eine Frage ein, der Rest wird den Kontrahenten überlassen. Sie unterbrechen sich gegenseitig, fordern sich heraus, mal laut, mal höhnisch. Manchmal wirkt es, als fingen sie jeden Moment eine Prügelei an.

TV-Duelle wie dieses sind in amerikanischen Wahlkämpfen die Höhepunkte. Sie sind Mega-Ereignisse, werden live in die ganze Welt übertragen. Sie können sogar Stimmungen drehen. Auch in Deutschland hat man vor einigen Jahren beschlossen, dass der Wahlkampf einen solchen Schlagabtausch der großen Kontrahenten vor laufenden Kameras braucht. Allein: Im Vergleich zum großen Vorbild war die Debatte der hiesigen Spitzenkandidaten im besten Fall öde. So, wie der Aufeinandertreffen von Angela Merkel (CDU) und Peer Steinbrück (SPD) verlief, möchte man den Verantwortlichen zurufen: Macht es anders. Oder lasst es bleiben.

Es war ein Elend: Merkel, die ohnehin nicht für spontane öffentliche Gefühlsregungen bekannt ist, eingezwängt in ein aus Regeln fest verschnürtes Korsett. Steinbrück, dem man offenbar vorher gesagt hat, er möge sicherheitshalber sprechen wie ein Fakten-Automat. Kontrahenten, die stocksteif nebeneinanderstehen, als sei unter Strafe verboten, sich seinem Gegner zuzuwenden.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

03.09.2013, 16:45 Uhr

"Ein bisschen mehr Amerika" ist genau das, was wir NICHT brauchen: Viel Show, wenig Inhalt und das ganze auch noch völlig verlogen. Wahlkampf auf Bierzeltniveau.

Schauspieler und andere Marionetten als Präsidenten-Darsteller - Zwei-Parteien-System - erdrückender Einfluss der Waffenlobby ...

Die USA sind in keiner Weise Vorbild.

Scratchpatch

03.09.2013, 18:31 Uhr

Na toll, dann gewinnt der Politiker, der den größten Unterhaltungswert hat. Eine zurückhaltende Politikerin wie Merkel, deren Stärke nicht gerade öffentliche Auftritte sind, die aber sehr viele andere Stärken hat, würde nie gewählt werden. Stattdessen hätten wir Show-Typen wie Berlusconi. Da könnte sich wenigstens kein Journalist beschweren, dass ihm langweilig wäre.

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