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04.07.2011

08:59 Uhr

TV-Kritik Anne Will

Die Blender-Talkshow - wie weit kommt fade?

VonChristian Bartels

Es sollte ein Kreuzverhör für den des Plagiats verdächtigten FDP-Politiker Chatzimarkakis und eine spannende Abrechnung mit den Blendern dieser Republik werden. Doch dann kam bei der Talkshow Anne Will alles anders.

Anne Will (2.v.re.) mit Anke Domscheit-Berg, Michael Spreng und Jorgo Chatzimarkakis (FDP) (v.li.). Quelle: Screenshot ARD

Anne Will (2.v.re.) mit Anke Domscheit-Berg, Michael Spreng und Jorgo Chatzimarkakis (FDP) (v.li.).

BerlinEs gibt in der Flut der Talkshows Sendungen, in denen über scheinbar langweilige Themen dann doch recht interessante Diskussionen geführt werden. Und es gibt das Gegenteil. Anne Will hat in ihrer vorletzten Sonntagstalkshow für letzteres ein Paradebeispiel hingelegt.

Die Ausgabe gestern hatte unter dem Titel "Die Blender-Republik – wie weit kommt frech?" den FDP-Europaparlamentarier Jorgo Chatzimarkakis ins Kreuzfeuer geladen, der für seine Doktorarbeit aus dem Jahr 2000 seit ein paar Wochen von der Internet-Plattform "VroniPlag" des Plagiats bezichtigt wird. Mitte Juli will die Uni Bonn ihr Urteil über seinen Titel fällen, in der ARD setze der eloquente Deutsch-Grieche nun zu einer offensiven Verteidigung an: Lediglich eine "Methodenschwäche" seiner Arbeit gab er zu und blieb ansonsten bei seiner Strategie, sich beim Studium in Oxford für eine flottere Zitierweise als das in Deutschland übliche, komplizierte Zitieren mit Einrücken und An- und Abführung begeistert zu haben. Ans Prinzip "keine Stelle ohne Quelle" habe er sich aber gehalten. "Ein Zitat ist erst dann eines, wenn es einen Anfang und ein Ende hat", sagte dagegen Anke Domscheit-Berg, die ehemalige Microsoft-Managerin und "überzeugte Internetanhängerin" (Will).

Damit waren die Positionen abgesteckt. Und damit war leider der Erkenntniswert der Show schon ausgeschöpft.

Von nun an hagelte es Zitate, die oft von dritter oder ohnehin anonymer Seite kamen. Zwar schien Domscheit-Berg als "VroniPlag"-Sympathisantin ("Menschen, die den Wissenschaftsstandort Deutschland verteidigen") über Insiderinformationen zu den grundsätzlich namenlosen Machern zu verfügen, doch stellte deren Abwesenheit ein Kernproblem der Sendung dar. Es wurde ferner ein wenig ein Autor der FAZ zitiert, der sich von Chatzimarkakis geschädigt fühlt und sich nicht nur kürzlich wütend in der FAZ dazu geäußert, sondern auch am Wochenende noch den gestrigen Talkshowgast Michael Spreng angeschrieben hatte (und dabei von "Täter" und "Opfer" sprach). Bei "VroniPlag" wiederum hätte jemand Politiker als "Krankheitserreger" bezeichnete, behauptete der FDP-Mann nebulös. Um noch mehr Öl ins bewährte Feuer der Fernsehdebatte rund um Internetthemen zu gießen, schickte Will einen Einspieler zur Guttenberg-Causa hinterher, für den böse Zeitungskommentare und anonyme Guttenberg-Beschimpfungen in Facebook und Youtube-Kommentaren abgefilmt wurden. "Im Netz fallen alle Hemmungen", behauptete der Off-Sprecher.

Kommentare (7)

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Stillfried

04.07.2011, 12:39 Uhr

Diese TV- Quasselbuden, in denen immer die gleichen Gäste ihre sattsam bekannten, inhaltsleeren, und weichgespülten Stanzsätze loslassen, werden auch noch über Gebühren finanziert. Auch Frau Will ist in diesen Kreisen von Nichtssagern, intellektuelle völlig abgestiegen, und sie kann einem nur noch leid tun, was sie da für verbale Nullnummern aushalten muss. Sie sollte endlich abtreten, bevor ihr persönliches Image total weg ist.

VISITOR

04.07.2011, 12:47 Uhr

Chatzimarkakis präsentiert sich ais Opfer, windet sich um jede Antwort auf konkrete Fragen, ignoriert Fakten und Sachverhalte und hält die übrige Welt für blöd ("ich war in Oxford!")! Extrem inkompetent der pseudoadelige Bertrand Quadt, der wohl so etwas wie einen Joker darstellen sollte und vermutlich gar nicht kapiert hat, worum es ging!

Account gelöscht!

04.07.2011, 12:56 Uhr

Danke für diesen Kommentar, die Sendung war an Banalität und überflüssigem Geschwafel der Protagonisten kaum noch zu übertreffen. Interessanter schon die Frage, warum eine anonyme Internetplatform, die nichts anderes tut als Zitationen zu prüfen dann nicht als generelle Referenz für die Vergabe von Doktortiteln herhält, da kann man die Universitäten, die ja in Deutschland für Innovationen und Kreatives stehen gleich allesamt schließen ... Selbsternannte Instanzen können ja nicht darüber hiwegtäuschen, dass alle bisher öffentlich diffamierten Personen gemäß der Referenz einer deutschen Universität einen Doktortitel anerkannt bekommen haben. Insofern wäre diese Diskussion eher mit den Universitäten denn mit den Doktoranten zu führen. Vrinoplag und andere werden sich dem Vorwurf nicht entziehen können, Handlanger der Boulevardpresse zu sein - nicht mehr und nicht weniger.

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