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06.03.2014

07:22 Uhr

TV-Kritik Anne Will

„Wenn was stinkt, dann ist es faul“

VonPatrick Schwarz

Mehr Kamingespräch als hitzige Diskussion war die Talkrunde bei Anne Will zur Krim-Krise. Auch wenn lange im Nebel gestochert und eine heimliche Expertin verschenkt wurde: Die Show regte zum Weiterdenken an.

Moderatorin Anne Will und Russland-Kenner John Kornblum: Talk zum Thema Krim-Krise. Kornblum war US-Botschafter in Deutschland während des Kalten Krieges. ARD Pressestelle

Moderatorin Anne Will und Russland-Kenner John Kornblum: Talk zum Thema Krim-Krise. Kornblum war US-Botschafter in Deutschland während des Kalten Krieges.

DüsseldorfMit einer Gegenfrage begann Anne Wills Talkshow am Mittwochabend und damit reichlich undankbar für eine Moderatorin. Als der einleitende Beitrag über die russischen Muskelspiele verklungen war, wollte Will wissen, wie düster das Bild der westlichen Staaten wirklich ist. „Ist das Bild düster?“, entgegnete Anna Rose, Deutschlandkorrespondentin einer russischen Zeitung. Es ist die Kernfrage, die in der Talk-Runde der ARD mit dem Titel „Putins Kampf um die Krim – Wie hilflos ist der Westen?“ letztlich unbeantwortet blieb, aber trotzdem zu einem erkenntnisreichen Meinungsaustausch führte.

Im ersten Teil der Sendung versuchten die Gäste einzuordnen, was da eigentlich in den vergangenen Tagen auf der Halbinsel im Schwarzen Meer genau passiert ist. Da würden Ukrainer in selbst gekauften Uniformen stecken und versuchen ihre Ländereien zu verteidigen, meinte Rose. Das seien ganz klar russische Truppen, sagte Fritz Pleitgen. „Und alles andere ist eine Beleidigung unserer Intelligenz“, fügte der langjährige ARD-Auslandskorrespondent hinzu. Der Russland-Experte Alexander Rahr, der mehrere Bücher über Putin geschrieben hat, konnte dies nur als Halbwahrheiten abtun und verwies auf die unklare Faktenlage.

Wladimir Putin über...

... mögliche Militäraktionen in der Ukraine:

„Russland erwägt keinen Anschluss der Krim.“

„Was den Einsatz von Streitkräften angeht: Bisher gibt es eine solche Notwendigkeit nicht.“

„Russland behält sich das Recht vor, alle vorhandenen Mittel zu nutzen, sollte es in östlichen Regionen der Ukraine zu Willkür kommen.“

„Meine Entscheidung über einen Militäreinsatz in der Ukraine wird völkerrechtlich legitim sein.“

„Russland hat keine Absicht, Krieg gegen das ukrainische Volk zu führen.“

... Sanktionsforderungen

„Drohungen an die Adresse Russlands sind kontraproduktiv und schädlich.“

... den G8-Gipfel in Sotschi:

„Wenn die anderen nicht anreisen wollen, müssen sie das nicht tun.“

... über den Sturz Janukowitschs:

„Janukowitsch bleibt gesetzmäßiger Präsident der Ukraine. Er wurde in einem ungesetzlichen Verfahren seines Amtes enthoben.“

„In der Ukraine hat es einen verfassungswidrigen Umsturz und eine bewaffnete Machtergreifung gegeben.“

„Ich denke, er hat keine politische Zukunft mehr.“

„Janukowitsch ist wohlauf und wird sich noch bei der Beerdigung derjenigen erkälten, die ihm jetzt Böses wünschen.“

(Putin über Medienberichte, der entmachtete ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch sei tot)

... die US-amerikanische Ukraine-Politik:

„Ich habe manchmal den Eindruck, dass hinter dem großen Teich eine Art Laborant in Amerika sitzt und Experimente macht, wie mit Ratten, ohne die Folgen seines Handelns zu begreifen.“

Mehr Licht ins Dunkle der Krimfrage konnte zwar auch nicht Elmar Brok (CDU) bringen. Aber der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Europäischen Parlaments versuchte immer wieder durch seine Augenzeugenberichte von den Demonstrationen auf dem Maidan-Platz in Kiew mitzureißen. „Das war wie in einem Hollywoodfilm. Da wurden wehrlose Demonstranten von Snipern erschossen“, erzählte Brok. Die emotionalen Bilder der selbsternannten ukrainischen Stimme am Talk-Show-Tisch regten die Diskussion immer wieder an, störten wegen ihrer Häufung und Nachdrücklichkeit aber auch interessante Gedankengänge. Der CDU-Politiker wurde so zum kleinen Störenfried des Abends.

Wie also die Diskussion auf hohes Niveau katapultieren? Anne Will versuchte es mit einem echten Hochkaräter unter den Russland-Kennern: John Kornblum, US-Botschafter in Deutschland während des Kalten Krieges, hatte in der ersten Hälfte der Sendung zwar außerordentlich wenig Redeanteil. Doch wenn er etwas zu sagen hatte, hörten die Gäste bei den pointierten Formulierungen genau hin.

Kommentare (14)

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06.03.2014, 08:21 Uhr

"Die Ziele der EU und der Nato seien durchweg freundschaftlicher Natur und das werde von dem größten Land der Welt so mit Füßen getreten. "
genau, und deshalb wurden Milliarden ausgegeben um die Ukraine zu destabilieren, wie viele andern Länder vorher auch!

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06.03.2014, 09:35 Uhr

Irgendwie erinnert mich das alles an Cuba-Krise 2.0, nur das sich jetzt der Amerikaner vor Russlands Haustür breitmacht! Naja, bisher hat Herr Putin mehr als souverän reagiert, wenn man bedenkt, das der Amerikaner damals fast nen Weltkrieg angefangen hätte.

Account gelöscht!

06.03.2014, 09:42 Uhr

Woher nehmen Sie die Information, dass die EU und/oder die NATO die Ukraine gezielt destabilisiert haben? Und welchem Zweck sollte das Ihrer Meinung nach dienen?

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