Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.09.2011

09:18 Uhr

TV-Kritik

Annes Wills Freakshow-Desaster

VonChristian Bartels

Wer die neueste Ausgabe der Talkshow unter der Moderation von Anne Will nicht gesehen hat, hat was verpasst. Nämlich eine Mischung aus Freakshow, FDP-Wahlkampf und nie enden wollender Durststrecke.

Talkshow-Moderatorin Anne Will. Screenshot ARD

Talkshow-Moderatorin Anne Will.

Wer gestern Abend Anne Wills Sendung zum Thema Reichensteuer "Euer Geld möchte ich haben!" verpasst hat, muss sich ärgern. Denn eine derart eklatant misslungene Talkshow gab es lange nicht zu sehen. Es sollte so etwas aber auch lange nicht mehr zu sehen geben - sofern die ARD-Verantwortlichen den Eindruck vermeiden wollen, dass ihnen ihre neue Talkshowschwemme schon jetzt über den Kopf gewachsen ist.

Das Einzelgespräch, mit dem die Show beginnt, seit sie vom Sonntag auf den Mittwoch verlegt wurde, führte die Moderatorin mit Marianne Baronin Brandstetter. Warum sich eine 75-jährige, durchaus freundliche ("Alle Leute sind important") Schweizer Millionärin mit Wohnsitzen in Monaco und Miami zur Frage äußern soll, ob Reiche in Deutschland angesichts der aktuellen Finanzkrisen mehr Steuern zahlen sollten, wurde zwar nicht im Gespräch deutlich. Denn das kreiste um Fragen wie die, ob die Baronin eine "ganz kleine Millionärin" ist (wie sie selber sagte) oder ihr Vermögen eher "auf 100 Millionen Euro geschätzt" werden kann, wie der Einspielfilm behauptete.

Dafür wurde anderes deutlich: dass die betagte Dame ein extravagantes Hütchen trug, das auch bei der nächsten Royality-Hochzeits-Übertragung in ARD und ZDF gut zur Geltung käme, dass sie einen knallig pinkfarbenen Lippenstifts trug und viele Klunker, die die bewegliche Kamera gern in Szene setzte. Der Talkshow-Einstieg wurde so als freundliche Freakshow inszeniert, als ginge es vor allem darum, das Publikum der Superreichen-Reportagen auf RTL-"Exklusiv"-Niveau anzusprechen.

Konsequenterweise war einer der beiden als nächster hinzukommenden Talkgäste gleich noch ein Wahl-Monegasse: der Luxusimmobilien-Unternehmer Alexander V. G. Kraft mit immerhin "achtstelligem Vermögen", wie Will betonte. Ihm muss eingeredet worden sein, bei der Sendung handele es sich um eine Castingshow, in der noch herausgehobenere Managerposten vergeben würden, als er sie schon bekleidet - derart detailliert berichtete Kraft von seinen Karriereschritten, seiner harten Arbeit und seinen internationalen Geschäften.

Kommentare (28)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Klauspaul

08.09.2011, 10:10 Uhr

Ich empfehle ein Praktikum bei Plasberg zu absolvieren.
Die selbstverliebte Will kann und konnte es noch nie.

"Will, aber kann nicht"

Da sehnt man sich ja schon fast nach der unerträglichen CDU-Frau Christiansen. Und wie der Weichspüler Jauch eine polittalkshow bestreiten möchte wird noch spannend werden....wenn er aus versehen dem vorlautesten (wahrscheinlich FDP) Politiker am Schluss eine Million überreicht :-)

Account gelöscht!

08.09.2011, 10:22 Uhr

Will, Slomka, Illner die 3 habe ich schon lange satt.

Vielen Dank, ARD, dass Will endlich vom Sonntag-Abend verschwunden ist und ihr permanent süffisant-ironisches Grinsen und die ständigen Unterbrechungen der Redner nicht mehr ertragen muss.

Gysi hatte ja auch schon ein Dauer-Eintritts-Karte bei ihr. Ätzend link ist Will (in doppeltem Sinne).

Account gelöscht!

08.09.2011, 10:38 Uhr

Auch so sieht Propagnada aus: Nebel aus unwichtige Details, politisch nicht relavanten oder zur Politoligarchie gehörende Personen, in die Irre führende Thematisierungen: Die Zuschauer sollen systematisch für dumm verkauft werden, Ablenkung, Klamauk, Präsentation von Profilneurosen. Alles zusammen Desinformation, Desorientierung im Dienste derer, die die Menschen daran hindern wollen, ihr ureigensten Dinge selbst in die Hand zu nehmen! Und ganz nebenbei wird "Frauenquote" erfüllt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×