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01.12.2014

07:16 Uhr

TV-Kritik Günther Jauch

„Ja, wer sind denn hier die Bösen?“

VonChristian Bartels

Sekt- und Bartsteuer, Regionalflughäfen, der Soli und die „schwarze Null“: Prominente Fernseh-Haudegen richteten bei Günther Jauch einen großen und leider sehr allgemeinen Steuer-Eintopf an.

Günther Jauch (m.) mit Talkgästen: Keine Priosierung, am Ende landet alles in einem Topf.

Günther Jauch (m.) mit Talkgästen: Keine Priosierung, am Ende landet alles in einem Topf.

BerlinZwischenzeitlich hatte es vorige Woche so ausgesehen, als könnte die ARD nach ihrem Wladimir-Putin-Interview, das vor zwei Wochen in Günther Jauchs Show gesendet und diskutiert wurde (und vor einer Woche gleich nochmals), in gleichem Rahmen eines mit dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko senden. Sie tat es dann jedoch nicht in Jauchs Sendung, sondern eher kurz in den anschließenden „Tagesthemen“.

Bei Jauch wurde stattdessen über ein Thema diskutiert, das immer geht – Steuern. Leider wurde es auch genau so diskutiert, wie jederzeit darüber diskutiert werden könnte – vor einem Jahr oder in einem Jahr so wie am Sonntagabend.

Was der Staat an Steuern einnimmt, „warum reicht es anscheinend nie?“, fragte Jauch einleitend. „Eher legt sich der Hund einen Wurstvorrat zu“ als dass der Staat auf eine eingeführte Steuer verzichtet, antwortete Hans-Ulrich Jörges. Der „Stern“-Journalist hatte gleich noch eine Hundemetapher dabei: „Kaltschnäuzig“ seien die Parteien in einer „Monsterkoalition“ auf „gemeinsamem Beutezug“. Tatsächlich ist die Große Koalition sich zwar noch nicht über die Form einig. Aber beibehalten werden soll der Solidaritätszuschlag jedenfalls über 2019 hinaus. „Betrug“, findet Jörges.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) wies darauf hin, dass genau das bereits im Bundestagswahlkampf gesagt worden ist. Und die Aufgaben, die zusätzlich aus Steuern finanziert werden müssten, würdeneben  weiter wachsen; etwa die Kinderbetreuung und der Investitionsbedarf in die Infrastruktur. Dass „zehntausend Brücken in Deutschland dringend saniert werden müssen“, sei doch bekannt.

Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) wies erst mal darauf hin, dass es in seinem Bundesland keine maroden Brücken mehr gäbe, aber seit elf Jahren einen ausgeglichenen Haushalt. Beharrlich warf er fortan seine Top-Stichworte „kalte Progression“, „Länderfinanzausgleich“ und „Digitalisierung“ in die Runde.

Zwar versäumte er nicht, Kraft zu kritisieren (Man sehe „an der Emotion von Frau Kraft, dass sie mit dem Rücken zur Wand steht“). Was das aktuelle Talkthema betraf, war er freilich einer Meinung mit ihr. Der Soli müsse bestehen bleiben. Schließlich ist die „schwarze Null“ des Bundesfinanzministers, deren Sinn und Berechnungsgrundlagen gerade ebenfalls diskutiert werden, auch darauf aufgebaut.

Vierter Gast war der Präsident des Bundes der Steuerzahler. Der Soli sei zwar eine „Erfolgsgeschichte“, aber von dem Zeitpunkt an, an dem er ursprünglich auslaufen sollte, „steuermoralisch nicht mehr vertretbar“, sagte Reiner Holznagel und forderte den „Einstieg in den Ausstieg“ zum Jahr 2020. „Geld ist genügend da. Sie setzen keine Prioritäten!“, lautete sein Vorwurf an Kraft. „Am Ende wird alles in einen großen Topf gesteckt“.

Kommentare (7)

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Herr Wolfgang Trantow

01.12.2014, 08:11 Uhr

Die Bösen stehen doch fest. Es sind unsere führenden Politiker. Allen voran: Frau Merkel und Hr. Schäuble, sowie Hr. Gauck! Was machen Sie für Deutschland, außer Deutschland vorsätzlich gegen den Amtseid zu schädigen. Eben gewissenlos!!

Herr Jürgen Bertram

01.12.2014, 09:01 Uhr

Für die Infrastruktur brauchen wir keinen Soli.
Die wird ja bereits über die KFZ-Steuer und die Mineralölsteuer finanziert...

Oder habe ich da was verpasst?

Herr Paule 50

01.12.2014, 09:41 Uhr

@Wolfgang Trantow 8:11

Die von Ihnen genannten "bösen" Politiker haben zumindest im Ausland einen hervorragenden Ruf.
Vielleicht sollten Sie nach Frankreich oder Italien auswandern. Danach nehmen Sie Ihren ätzenden Kommentar sicher zurück!!

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