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26.08.2013

07:06 Uhr

TV-Kritik Günther Jauch

Rumgeeier und andere verdiente Enttäuschungen

VonChristian Bartels

Die durchaus mutige Idee, eine Woche vor dem großen Kanzler-Duell statt über den Wahlkampf über den Trend zum Nichtwählen zu diskutieren, scheiterte bei Günther Jauch an Günther Jauch.

Moderator Günther Jauch weicht dem Euro-Thema in seiner Talkshow aus. dpa

Moderator Günther Jauch weicht dem Euro-Thema in seiner Talkshow aus.

Ungewohnter, durchaus mutiger Einstieg für Günther Jauch nach seiner Sommerpause und eine Woche vor dem Höhepunkt des Fernsehwahlkampfes, dem gemeinsamen Merkel-Steinbrück-„TV-Duell“ der vier großen Fernsehsender: Der Sonntags-Talker saß zunächst in seinem Studiopublikum inmitten von vier Neu-Nichtwählern, die kämpferisch erklärten, weshalb sie an der Bundestagswahl nicht teilnehmen wollen. Sowohl, weil es keine Charismatiker vom Schlage Franz-Josef Strauß' mehr gäbe, aber auch, weil sie selbst schon als Talkshowgäste mit aktiven Politikern diskutiert hatten und von denen gründlich enttäuscht waren.

Jauchs Vorstellung der Gäste deutete dann aber bereits das Problem der folgenden Sendung zum Thema „Denkzettel statt Stimmzettel – wozu noch wählen?“ an: Drei Parteien- und Wahlskeptikern, die angekündigtermaßen nicht oder voraussichtlich nicht zur Wahl schreiten würden, saßen zwei Veteranen der (Noch-)Volksparteien CDU und SPD gegenüber. Warum Jauchs Redaktion zu dem unorthodoxen Thema nicht auch Basis-Wahlkämpfer eingeladen hatte, oder Vertreter junger Parteien, die mit neuen Positionen vielleicht noch auf Überraschungserfolg hoffen, wie der Piraten oder auch der AfD, blieb rätselhaft.

Die CDU vertrat Thomas de Maizière. Der Knacks, den der Bundesverteidigungsminister in seiner Staatsmännischkeit durch die Drohnen-Affäre erlitten haben könnte, zeigte sich nur kurz. Die Fähigkeit, schlichtes Pathos wirkungsvoll zu vermitteln, hat er sich bewahrt, und nutzte sie immer wieder, um Sätze etwa vom Wählen als „stolzen Recht in einer Demokratie“ zu formulieren.

Der andere Wahl-Befürworter im Studio war Egon Bahr (SPD), der mit seinen 91 Jahren vor allem an historische Zusammenhänge erinnerte: an seine erste freie Wahl anno 1946 in Berlin, aber auch an Erfahrungen aus der Weimarer Republik, die nicht vergessen werden dürften.

Gern über die Kanzler-Zeit Helmut Kohls sprach Unternehmer Walter Kohl als Sohn des Altkanzlers. Er sei zu keinem Zeitpunkt CDU-Mitglied gewesen, erzählte er, habe aber seinen Vater, solange der aktiv war, immer gewählt. Nun, 2013, könne es sein, dass er nicht wählen geht, unter anderem deshalb, weil gleich drei sozialdemokratisch geprägte Parteien zur Wahl stünden: neben der SPD die Grünen und die CDU. Diese Äußerung hatte Jauch irgendwie nicht mitbekommen. Er fragte ihn später noch einmal exakt danach.

Während Kohl vor allem eine beherzte „Leute, so geht's nicht“-Haltung vertrat, bot „Handelsblatt“-Herausgeber Gabor Steingart, der vor der Bundestagswahl 2009 das Buch „Die Machtfrage/Ansichten eines Nichtwählers“ veröffentlicht hatte und weiterhin Nichtwählen als „Notwehrmaßnahme“ gegen die Parteien empfiehlt, pointiertere Parteien-Kritik. Bundeskanzlerin Angela Merkel spreche gar nicht „über das Zentralthema dieser Wahl“, die Dimensionen der Euro-Rettungs-Programme, lautete eine seiner Thesen.

Kommentare (64)

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JEB

26.08.2013, 07:40 Uhr

Kohl und Weingart sprachen mir sehr aus der Seele und gewiß nicht nur mir.

An irgendeinem Punkt kam eine Bemerkung (bin nicht sicher, ob sie von Bahr kam), der Wählen und Demokratie quasi als ein und das selbe darstellte, zumindest nahm ich das so wahr.

Dabei ist es in einer Demokratie das Recht jedes Wahlberechtigten, nicht zur Wahl zu gehen, was ja nun auch eine Wahl ist (nämlich nicht zu wählen).

Der Geschäftsführer des Meinungsforschungsinstituts Infratest, Richard Hilmer, machte es sich mit den Nichtwählern zu einfach.

Für ihn sind die Nichtwähler lediglich gleichgültig gegenüber politische Prozessen, was durchaus für einige zutrifft, aber sicher nicht für alle.

Waehler

26.08.2013, 07:50 Uhr

Ist doch klar, dass dem Handelsblatt besonders sein Herausgeber gefällt. Wie peinlich

HofmannM

26.08.2013, 07:53 Uhr

Es fehlt weiterhin das ganz gorße Thema...Die diktierte Energiewende einer Kanzlerin auf Basis eines Ethikrat und einer asozialen und perfiden EEG Zwangsgesetz.
Diese Energiewende wird über uns Deutsche noch sehr viel Sozialleistungs- und Wohlstandsverlust bringen.
Durch die politisch verkünstliche EEG-Verteuerung der Wohlstandsbasis "Strom/Energie" wird eine ganze Industriegesellschaft aus Deutschland verjagt. Innovation und Fortschritt wird es dadurch in Deutschland nicht mehr geben. Deutschland wird ein Dienstleistungs- und Agraland mit sehr schlecht bezahlter Arbeit. Sehr gut bis gut bezahlte Industrie- und Handwerksarbeitsplätze werden in Deutschland auf Grund der künstlichen Zwangsverteuerung von Strom durch das EEG-Energiewendegesetz vernichtet. Die subventionierten Erneuerbaren Energiearbeitsplätze werden ALLE in der Insolvenz landen. Die Folge davon wird eine zunehmend hohe Arbeitslosigkeit in Deutschlande sein. Die Lebenshaltungskosten werden massiv gegenüber den Löhnen und Gehältern ansteigen. Beamte bekommen weiterhin üppige Pension, die in keinen Haushalt einberechnet worden sind. Die nächste Steuererhöhung ist da nur eine Frage der Zeit.
EEG und ESM sind die Totengräber der deutschen sozialen Wohlstandsgesellschaft. Wer das nicht sieht und immer noch die Euroschulden Länder Rettung und die erzwunge Energieweden mitträgt, der hat weder Vernunft noch Verstand und ist ein Verräter an der deutschen Wertegesellschaft.
Das EEG, der ESM und die politische Verteufelung des lebensnotwendigen CO2 haben KEINE Werte! Das sind Ideologien einer Politik, die gegen das Volk gerichtet ist!

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