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22.04.2013

06:42 Uhr

TV-Kritik Günther Jauch

Spekulations-TV um Uli Hoeneß

VonChristian Bartels

In Abwesenheit des Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß und belastbarer Fakten wurde bei Günther Jauch sensationell nichtssagend über die Steueraffäre getalkt.

Schwierige Gesetzeslage

Uli Hoeneß und das Steuerrecht

Schwierige Gesetzeslage: Uli Hoeneß und das Steuerrecht

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DüsseldorfAusgerechnet auf dem absoluten Höhepunkt der Bundesliga-Dominanz des FC Bayern München wird die polarisierendste Personifizierung des Vereins, der langjähriger Spieler, Manager und Präsident Uli Hoeneß, als Steuerhinterzieher bekannt. Klar, dass Günter Jauch dieses aktuelle Thema in seiner Sonntagssendung mitnimmt. Derart substanzlos bis an den Rand der Hilflosigkeit allerdings dürfte er kaum je eine Talkshow bestritten haben.

Mit einem Mini-Ausschnitt aus einer Jauch-Show des vorigen Jahres, in der Hoeneß selbst gegen Steuerpläne der Linkspartei gepoltert hatte, hatte die ARD bereits ihr redaktionelles Pulver verschossen. Jauch begann mit einer Rundfrage in die ausschließlich männliche und auch in puncto grimmiger Blicke einheitliche Runde, was die Gäste empfunden hatten, als am Samstagmittag die „Focus“-Vorabmeldung bekannt wurde.

Der ehemalige Leiter des „ZDF-Sport-Studio“ Dieter Kürten, der Sekunden zuvor mit der Aussage vorgestellt worden war, er sei wegen der Meldung „völlig von den Socken“, präzisierte, er sei „erschüttert, sehr überrascht und ein bisschen traurig“. Dieses Niveau der mehr oder weniger fundierten, vor allem redundanten Privatmeinung zu einem Fall, über den zu wenig bekannt ist, um sich darüber seriös öffentlich zu äußern, behielt die Sendung konsequent bei.

Steueraffäre um Hoeneß: „Mir liegt viel auf der Zunge“

Steueraffäre um Hoeneß

„Mir liegt viel auf der Zunge“

Die Steuer-Affäre des Bayern-Präsidenten sorgt fünf Monate vor der bayerischen Landtags- und der Bundestagswahl auch für politischen Zündstoff. Hoeneß selbst schließt unterdessen einen Rücktritt vorerst aus.

Zwar wurde kräftig spekuliert, etwa ob Hoeneß ins Gefängnis müsse, wie viel Strafe er in dem Fall hätte bezahlen müssen, dass das gescheiterte deutsch-schweizerische Steuerabkommen in Kraft getreten wäre (auf das er angeblich gehofft hatte), und ob er Bayern München-Präsident bleiben könnte. Antworten gab es kaum einmal in vage-spekulativer Form, weil Jauch so fahrig agierte, als sei er mit Beginn der Sendung vom Thema überrascht worden.

Die besten Zitate von und über Uli Hoeneß

Hoeneß 2005

„Ich weiß, dass das doof ist. Aber ich zahle volle Steuern.“ (Uli Hoeneß 2005 in einem Interview der „Bild“-Zeitung)

Hoeneß 2009

„Wenn die Unternehmer alle in die Schweiz gehen, ist auch keinem geholfen. Mit einer Reichensteuer geht es dem kleinen Mann kein Stück besser.“ (Hoeneß 2009 in der ZDF-Talkshow „Maybrit Illner“)

Hoeneß 2011

„Wenn früher eine Mark in der Kasse meiner Eltern fehlte, haben wir sie auf dem Boden gesucht. Die Stimmung beim Weihnachtsfest hing entscheidend davon ab, wie gut wir vorher verkauft hatten.“ (Hoeneß im Februar 2011 im „Hamburger Abendblatt“)

„Natürlich will ich Erfolg, aber nicht um jeden Preis. Wenn es um Geld geht, muss man auch mal zufrieden sein.“ (Hoeneß 2011 im Magazin „Brand Eins“)

„Die Finanzwelt zeigt keine Bereitschaft, zur Volkswirtschaft beizutragen. Eine Krankenschwester trägt mehr zur Volkswirtschaft bei als ein Spekulant. Wenn ich sehe, dass Optionsscheine für Reis steigen, sage ich zu meiner Frau: 'Das bedeutet, dass Menschen hungern müssen, weil sie sich keinen Reis mehr kaufen können.'“ (Hoeneß 2011 im Magazin „Brand Eins“)

Hoeneß 2012

„In den vergangenen 20 Jahren sind in der Finanzwelt Menschen am Werk gewesen, die einen katastrophalen Job gemacht haben. Uns wurde vorgegaukelt, dass viele Finanzprodukte so unglaublich wichtig seien. Dabei hatten diese nur ein Ziel: die Taschen gewisser Leute voll zu machen.“ (Hoeneß 2012 in der Zeitung „Die Welt“)

„Unsere Spieler kicken schon jetzt eine Halbzeit fürs Finanzamt, da kommen wir nicht weiter, wenn man 60 oder 70 Prozent nimmt.“ (Hoeneß 2012 in der ARD-Talkshow „Günther Jauch“)

Hoeneß als Wurstfabrikant

„Ich habe für mein Schweinefleisch fünf verschiedene Lieferanten. Ich rufe an, lasse mir die Preise geben und kaufe dann. Für was aber brauchen Banker Schweinebäuche?“ (Wurstfabrikant Hoeneß über Spekulationsgeschäfte von Banken)

Hoeneß vor seinem 60. Geburtstag

„Es ist vielleicht langweilig, aber es soll uns nie schlechter gehen als jetzt. Das ist mein Wunsch. Ich muss nicht nach Hawaii oder auf die Malediven. Wenn ich irgendwann mal Lust dazu habe, werde ich das machen. Aber das ist nicht mein Lebenstraum.“ (Hoeneß Anfang 2012 vor seinem 60. Geburtstag)

Hoeneß vor der Politik

„Ich bin kein Besserwisser, sondern ein Bessermacher.“ (Hoeneß 2010 vor einem Auftritt als Gastredner bei der CSU-Vorstandsklausur)

„Ich habe mit meiner Meinung noch nie hinter dem Berg gehalten. Und bei der Gelegenheit habe ich festgestellt, dass man damit bei der Bundeskanzlerin landen kann. Sie will Leute, die querdenken. Sie will Leute, die ihr nicht nach dem Mund reden. Deswegen bin ich Fan von Merkel!“ (Hoeneß über Gespräche mit Bundeskanzlerin Angela Merkel)

Rummenigge

„Uli ist der Vater Teresa vom Tegernsee, der Nelson Mandela von der Säbener Straße und die Mutter aller Manager.“ (Vorstandschef Rummenigge in seiner Festrede zum 60. Geburtstag von Hoeneß)

„Franz Beckenbauer hat einmal gesagt, wir alle müssen dem FC Bayern dienen. Uli Hoeneß war immer der größte Diener des FC Bayern.“ (Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge 2009 über Hoeneß)

Beckenbauer

„Er ist, glaub ich, schon als Manager auf die Welt gekommen.“ (Franz Beckenbauer 2009 über Uli Hoeneß)

„Wenn die Zahlen stimmen, geht am Gefängnis kein Weg vorbei“, sagte mit seiner faszinierend tiefen Stimme der ehemalige Vorsitzende der Deutschen Steuergewerkschaft, Dieter Ondracek, zur Gefängnisfrage. In der ARD-Sendung kursierten, genau wie am Wochenende in den Medien, sowohl dreistellige Millionensummen als auch drei Millionen Euro. Jörg Quoos, Chefredakteur des Magazins „Focus“, das die Hoeneß-Meldung als erstes vermeldete, konnte oder wollte keine Zahlen nennen, weil in seinem Heft keine stehen. Die Frage nach der „Focus“-Quelle für die Hoeneß-Information blockte er selbstverständlich ab. Ansonsten blieb er für einen Chefredakteur bemerkenswert wortkarg - was dem „Focus“ wenig Werbewirkung verschafft haben dürfte, aber immerhin seriös anmutete.

Kommentare (47)

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dibbeldidu

22.04.2013, 07:04 Uhr

Sollen die Fachleute und Richter ein Urteil fällen.
Und der Rest der Nation soll sich um seine eigene Steuererklärung kümmern.

Account gelöscht!

22.04.2013, 07:15 Uhr

So kam es mir auch vor, endlich mal wieder etwas zu "betalken".
Der Mann hat sich selbst angezeigt, haben viele andere auch getan, warum lädt man einen von diesen Leuten nicht ein?
Kein Wunder das man sich fragt ob man in so einem Land überhaupt noch Steuern zahlen soll, und nicht gleich seinen Wohnsitz verlegt, und/oder sich gleich eine andere Staatsbürgerschaft aussucht.

grafvadder

22.04.2013, 07:39 Uhr

auf jeden fall so nichtsagend,daß ich als zuschauer nun weiß,daß die story mit der selbstanzeige die halbe wahrheit ist und die addidas louis dreyfus darlehensgeschichte den schluß zuläßt,daß hoeneß sich immer noch schmieren läßt

das darlehen stand schließlich in keiner seiner steuererklärungen.

sicher addieren sich auch die zinsen jährich auf und müssen irgendwann in einer unbestimmten zukunft mit dem darlehen zurückgeführt werden.

übrigens eine beliebte nummmer.

die sendung zeigt deutlich auf,hoeneß ist korrupt

freund louis dreyfuß hin ,freund her

warum sich christian bartels hier aufspielt bleibt mir rätselhaft,denn selbst ein selbsternanntes fachblatt wie das handelsblatt kann keine hintergründe liefern kann sondern in diesem fall nur nebelstochern und im speziellen em boulevard eben.

da war die JAUCH runde besser,da die truppe auch die doppelte moral unsrer selbsternannten eliten klar herausdiskutiert hat.überhören kann man natürlich,daß der habgierige gutmensch hoeneß für sich in anspruch nimmt nach gutdünken und belieben seine abgaben und gute werke zuzuteilen und deshalb eben kein steuersünder sondern ein steuerkrimineller ist

herr bartels machen sie sich auf und suchen den im januar im stern angeführten milliardenschweren weiteren steuerkriminellen

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