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15.06.2015

07:39 Uhr

TV-Kritik Günther Jauch

„Stellen Sie sich vor, Athen geht aus der Euro-Zone und keiner merkt's“

VonChristian Bartels

Bei Günther Jauch diskutierten die üblichen Verdächtigen kontrovers über die Folgen eines möglichen Exit Griechenlands - und darüber, wie „futsch“ die Milliardenkredite für Athen schon sind.

Günther Jauch und seine Gäste talken zum Thema Grexit.

Günther Jauch und seine Gäste

Günther Jauch und seine Gäste talken zum Thema Grexit.

BerlinEin Erkenntnisgewinn unmittelbar während einer Talkshow ereignet sich eher selten. Aber am Sonntagabend bei Günther Jauch geschah es. In den nächsten zwei Wochen stehe wirklich „das Finale“ bevor, leitete der Gastgeber spannungschürend seine Sendung mit dem Titel „Grexit – Katastrophe oder Chance für den Neuanfang?“ ein. Schließlich war erst wenige Stunden zuvor ein Vermittlungsversuch des EU-Kommissionschefs Jean-Claude Juncker gescheitert.

Nein, Thema und Problem würden „uns erhalten bleiben“, auch wenn bis Ende Juni eine Einigung der Kreditgeber-Institutionen mit der griechischen Regierung zustande kommt, lautete am Ende Jauchs Fazit - schon, weil es bereits im Juli und August um noch größere Summen als im Juni gehen wird.

Zwischendurch gab es eine zeitweise intensive Diskussion. Viele Argumente waren schon oft ähnlich zu hören gewesen – darunter von zwei der üblichsten Verdächtigen, dem SPD-Politiker und Präsidenten des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, und CDU-Politiker Wolfgang Bosbach, dem Vorsitzenden des Bundestags-Innenausschusses. Beide hatten schon oft in Talkshows über Griechenland diskutiert. Beide betonten aber selbst, um was für eine unendliche Geschichte es sich handelt, und so wurde es doch interessant.

Wie reagiert der IWF auf einen Zahlungsverzug?

Zahlungsverzug tritt sofort ein

Zahlungsaufforderung durch Stab des Internationalen Währungsfonds (IWF); betreffender Staat hat keinen Zugriff mehr auf IWF-Mittel.

Quelle: IMF Financial Operations 2014, S. 139

Zwei Wochen nach Zahlungsverzug

IWF-Leitung kontaktiert zuständigen IWF-Gouverneur, drängt auf sofortige Zahlung.

Ein Monat nach Zahlungsverzug

IWF-Direktor setzt Exekutivausschuss von Zahlungsverzug in Kenntnis.

Sechs Wochen nach Zahlungsverzug

IWF-Direktor benachrichtigt betreffenden Staat, dass ohne sofortige Zahlung eine Beschwerde beim Exekutivausschuss eingereicht wird.

Zwei Monate nach Zahlungsverzug

IWF-Direktor leitet Beschwerde an Exekutivausschuss.

Drei Monate nach Zahlungsverzug

Beschwerde wird im Exekutivausschuss behandelt; Zugriff des betreffenden Staates auf allgemeine Mittel des IWF wird beschränkt. Bei Verzug von Verpflichtungen bezgl. Sonderziehungsrechten (SZR) wird Recht auf Nutzung von SZR ausgesetzt.

Zunächst formulierte Schulz, wie er es gerne tut, Appelle - sehr allgemeine für mehr Wachstum und spezielle an den vermutlich nicht zuschauenden Ministerpräsident Tsipras, die ausgestreckte Hand doch endlich anzunehmen. Es war nicht ganz eine halbe Stunde vergangen, da brachte Schulz die Situation aber tatsächlich auf den Punkt: „Es kann sein, dass der Grexit verpufft, es kann sein, dass er eine ökonomische Katastrophe auslöst“, sagte er. Niemand wisse im Moment, welche Folgen der Austritt eines Landes aus der Eurozone nach sich ziehen würde.

Dazu gelang Schulz seine gern eingenommene präsidiale Pose recht überzeugend. Auch wenn Deutschland einen griechischen Euro-Austritt zunächst ohne große Schäden überstehen würde, wären Frankreich und Italien „sofort unmittelbar betroffen“. Die Folgen für die EU- und G7-Partner würden dann zurückwirken. Daher müssten Politiker in den Parlamenten eine „Güterabwägung vornehmen“.

Als er dabei Bosbach für den Bundestag ansprach, rutschte ihm ein „Du“ raus, obwohl die beiden sich sonst öffentlich siezten. Dennoch und trotz der großen Koalitionen, die seine und Schulz' Partei im Europäischen Parlament wie auch im Bundestag verbindet, widersprach Bosbach tatsächlich zusehends deutlicher. „Jeder der Kritik äußert, wird sofort in die antieuropäische Ecke gestellt“, klagte er, und Deutschland würde schon seit Jahren „in eine Rettungsgemeinschaft gepresst, mit verheerenden Folgen für die Sparerinnen und Sparer“. Wenn in den kommenden Monaten weitere Milliardenzahlungen beschlossen würden, sei „der Weg in die Transferunion nicht mehr zu bremsen“, obwohl seine Partei im Wahlkampf das Gegenteil versprochen habe.

Kommentare (35)

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Herr Wilfried Runft

15.06.2015, 08:14 Uhr

Ich halte es da mit Otte, der Grexit wird kommen und er sollte möglichst bald kommen, denn mit jedem weiteren Tag verteuert sich die Geschichte. Die Gefahr sozialer Unruhen sehe ich zunächst nicht, denn die Griechen haben einige Euro unter der Matratze und im Ausland gebunkert. Fakt ist, dass mit jedem weiteren Euro an Hilfe lediglich die Oberschicht Griechenlands gesponsert wird, die sich bestens auskennt mit Kapitalflucht und Steuerhinterziehung. Fakt ist auch, dass nach einem Grexit weitere europäische Hilfen fließen müssen, aber die wäre billiger und würde unten ankommen

Herr Paul Rimmele

15.06.2015, 08:16 Uhr

habe die Diskussion leider nicht gesehen, aber was ich hier lese, bestätigt meine Meinung die
ich schon sehr lange Zeit hier vertrete voll und ganz:

Griehenland ist ein Faß ohne Boden und muss dauerhaft alimetiert werden.
Das ist auch das ganze Bestreben der griechischen Entscheideer; diese Kommunisten wollen
sich weiter aushalten lassen und das ohne durchgreifende Reformen.

Die EZB finanziert über Umwege die griechischen Banken, zu Lasten der übrigen Euroüpäer.
Wenn jetzt nicht bald Schluß ist mit dieser ganzen Hinhalterei und Zockerei, dann wird es sehr
schwer dam Deutschen Bürger und Steuerzahler zu erklären, welchen Sinn die Eurozone
eigentlich noch hat. Außer zahlen zu dürfen und in Brüssel gute Miene zu bösen Spiel zu
machen, ist doch nichts.
Die Eurozone muss rückabgewickelt werden, je schneller, desto besser für alle.
Ein Insolvenrecht für Staaten, das W. Schäuble jetzt vorschlägt, so kurz vor seinem ausscheiden
in den Ruhestand,, ist längst überfällig. Der Euro ist Tod, rettet die EU!

Frau Andrea Daniel

15.06.2015, 08:18 Uhr

Zitat aus dem Artikel: "Ulrike Herrmann, die Wirtschaftskorrespondentin der „taz“, hält einen Grexit für die teuerste Variante für die deutschen Steuerzahler. Dann werde der Euro "von innen gesprengt". Und da französische und deutsche Banken als bereitwillige Kreditgeber sowie Bundesbank und EZB als Aufsichtsbehörden „gepennt“ hätten, handele es sich um ein gesamteuropäisches, nicht nur ein griechisches Problem."

Ich kann Frau Herrmann nur Recht geben.

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