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13.03.2013

07:36 Uhr

TV-Kritik Guttenberg-Film

Hoppla, deutsches Fernsehen kann ja doch Satire

VonChristian Bartels

Der Privatsender Sat1 wagte sich an einen Film über Aufstieg und Fall von Karl-Theodor zu Guttenberg. „Der Minister“ bot viel Diskussionsstoff auf unterschiedlichen Niveaus – und funktionerte als flottes TV-Ereignis.

Der Schauspieler Kai Schumann in der Rolle des Karl-Theodor zu Guttenberg und Katharina Thalbach als Kanzlerin Murkel. dpa

Der Schauspieler Kai Schumann in der Rolle des Karl-Theodor zu Guttenberg und Katharina Thalbach als Kanzlerin Murkel.

BerlinAm Dienstagabend mussten viele Fernsehzuschauer vermutlich zunächst suchen, wo auf ihrer Fernbedienung Sat.1 noch mal gespeichert war: Um 20.15 Uhr zeigte der Privatsender, der seit dem Verlust der Fußball-Champions League-Rechte kaum noch Fernseh-Ereignisse bietet, die Filmsatire „Der Minister“. Die getreue Nachinszenierung der Aufstiegs- und Fall-Story des ehemaligen Wirtschafts- und Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) bot eine Menge Anknüpfungspunkte an den Hype, dem von 2009 bis 2011 kaum ein deutscher Medienkonsument entgangen war – und funktionierte zumindest so flott, wie man das von heimischen Komödien kaum gewohnt ist.

Um die Guttenberg-Story in Spielfilmform zu bringen, gestatteten sich Regisseur Uwe Janson und Drehbuchautorin Dorothee Schön die Einführung eines Ich-Erzählers neben dem in Franz Ferdinand von und zu Donnersberg umbenannten Aufsteiger (gespielt von Kai Schumann) als fiktionalen Kniff: Sein ältester Freund Max Drexel (Johann von Bülow) schrieb im Filmplot schon als Schulkind in „Donnis“ Namen und wurde später sein Wahlkampfstratege und Büroleiter; mit seinem Ausstieg begann Donnersbergs Abstieg. Auch die ominöse Doktorarbeit hat, der Filmhandlung zufolge, dieser Drexel zusammenkopiert – und am Ende dadurch, dass er den Blick der Öffentlichkeit darauf lenkte, Donnersbergs Absturz ausgelöst.

Dass Drexel am Rande des Films mit seiner Frau eine gefühlige Liebesgeschichte erlebt, ohne die bei Sat.1 kaum ein Film auskommt (wie die Programmtrailer in den Werbepausen ausgiebig bewies), war allerdings herzlich überflüssig.

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Die eigentliche Story begann damit, dass der sehr unbedarfte junge Donnersberg die Idee seines Vaters, ihn „in irgendeinem Aufsichtsrat unterzubringen“, langweilig fand, daher in die Politik strebte und im Bundestag landete. Auf einer Party in Berlin lernte er über die Ähnlichkeit ihrer gegelte Frisuren und sonstigen Erscheinungen – inklusive begleitender Gattinnen – den Chefredakteur Breitmann des „Blitz-Kuriers“ kennen. In dieser Rolle anverwandelte sich Thomas Heinze großartig die jovial-schleimige Gefährlichkeit, die Kritiker der „Bild“-Zeitung mit dem Vorbild dieser Figur, Chefredakteur Kai Diekmann, verbinden. Auf Empfehlung des aus seinem Eisenbahnkeller heraus telefonierenden bayrischen Parteichefs (Donnersberg habe „von Wirtschaft definitiv keine Ahnung, aber gute Manieren“), ernannte die Bundeskanzlerin Donnersberg bald darauf zum Wirtschaftsminister.

Die Kanzlerin des Films hieß Murkel, der Autokonzern, dessen staatlicher Rettung sich Donnersberg verweigert, hieß Forpel statt Opel. Und der Fernsehmoderator, der mit dem zum Verteidigungsminister beförderten Donnersberg nach Afghanistan flog, um ihn dort zu interviewen – was mit dem echten Guttenberg bekanntlich der damalige Sat.1-Moderator Johannes B. Kerner tat –, hieß Hannes C. Kernmann. Solche schlichten Namenswitze konnten am Sat.1-Film durchaus nerven.

Kommentare (14)

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Michael

13.03.2013, 07:53 Uhr

Ja, der Theo verkauft sich sogar im TV. Wichtige Themen satirisch behandelt, oder überhaupt Aufbereitet, findet man allerdings nur in den GEZ Sendern. So ziemlich das einzige wozu diese gut sind.

Badengegangen

13.03.2013, 08:35 Uhr

Das soll der beste Film des Jahres gewesen sein?! Am Anfang ein paar pfiffige Umsetzungen und bissige Lacher, dann zieht sich alles wie Kaugummi und man merkt in jeder einzelnen Minute das Sat 1 Niveau! Obwohl ich mich damals über "Guttis" Rücktritt gefreut habe, bin ich im letzten Drittel dieser "Satire" vor Langeweile beinahe eingeschlafen. Und was sollte diese peinliche Pärchengeschichte mit dem Ghostwriter?!

Account gelöscht!

13.03.2013, 09:01 Uhr

Na endlich :) aber ich muss zustimmen. Sat1 hat sonst meiner Meinung nichts, aber auch gar nichts mehr zu bieten.

Wer grundsätzich an TV-Kritik interessiert ist, die offensichtlich weder von den Öffentlich-Rechtlichen Sendern noch von den Privaten beeinflusst wird, dem sei Fernsehkritk empfohlen.

Einfach mal "Fernsehkritik" googlen.

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