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07.07.2014

07:08 Uhr

TV-Kritik

Hillary Clinton windet sich bei Jauch in Floskeln

VonChristian Bartels

In einer kuriosen Sendung tastet sich Günther Jauch an den neuen Spionagefall heran. Die frühere US-Außenministerin Hillary Clinton weicht seinen Fragen aus – äußert sich aber zu Edward Snowden und zur Tötung Bin Ladens.

Die ehemalige US-Außenministerin Hillary Rodham Clinton bei Günther Jauch. dpa

Die ehemalige US-Außenministerin Hillary Rodham Clinton bei Günther Jauch.

Am Anfang seiner Talkshow kündigte Günther Jauch mit verschmitzter Eitelkeit die Anwesenheit der vielleicht bald "mächtigsten Frau der Welt" an:  Am Sonntag gastierte die ehemalige US-amerikanische Außenministerin und First Lady Hillary Rodham Clinton, die als potenzielle Präsidentschaftskandidatin der Demokraten bei der nächsten US-Wahl gilt, in der ARD. Am Ende der Sendung wurde über Kino und Fußball gewitzelt, und alle Gäste bekamen Blumensträuße überreicht. Außer Clinton waren zwei weitere Frauen zu Gast: Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen und die ehemalige Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche in Deutschland, Margot Käßmann. Was dazwischen abgelaufen war, war eine kuriose Sendung, die keine harten Informationen und kaum heiße Diskussionen bot - aber Gelegenheit, sich ein Bild von womöglich zwei künftigen Regierungschefinnen zu machen.

Jauchs erste Frage verstand zu verblüffen: "Was halten Sie von meinem Outfit?", fragte er Clinton. Er sollte ein bisschen daran arbeiten, riet sie. Seine zweite Frage klärte auf: Er hielt Clintons gerade auf deutsch erschienenes "900 Seiten starkes Buch" in die Kamera, dessen Bewerbung der Anlass ihres Deutschlandbesuchs ist. Darin geht's unter anderem um "doppelte Standards" bei der Beurteilung von Frauen und Männern. Frauen in der Politikwürden viel öfter an Äußerlichkeiten gemessen, lautet eine These. Die "gläserne Decke" für Frauen in Führungspositionen, von der Clinton gesprochen hatte, als sie 2008 mit Barack Obama um die Präsidentschaftskandidatur konkurrierte, übersetzte von der Leyen in eine im Deutschen gängigere Metapher: Angela Merkel habe in der Hinsicht ja schon "enormes Eis gebrochen".

Wie die NSA das Internet überwacht

Immer neue Enthüllungen

Seit Sommer 2013 kommen immer neue Details über Spionageaktivitäten von Geheimdiensten im Internet ans Licht. Sie basieren auf Dokumenten, die der ehemalige Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden an Journalisten übergab. Ein Überblick über die zentralen Erkenntnisse.

Prism

Prism: Der Name stand zunächst für die gesamte Affäre, umfasst aber nur einen Teil des Repertoires der NSA. Über Prism hat der Überwachungsdienst Zugriff auf Nutzerdaten großer US-Internetfirmen, darunter Google, Yahoo, Microsoft und Facebook. Ein Geheimgericht ordnet die Herausgabe der Informationen an. Das seien etwa Inhalte von Mails, Suchanfragen oder Chats, berichtete die britische Zeitung „Guardian“. Die Firmen sind zum Stillschweigen verpflichtet. Die Internetriesen streiten vor Gericht dafür, mehr Details veröffentlichen zu dürfen.

Tempora

Tempora hießt ein Programm des britischen Dienstes GCHQ. Der GCHQ arbeitet eng mit der NSA zusammen. Gemeinsam mit Australien, Neuseeland und Kanada bilden die Länder die Allianz der «Five Eyes», («Fünf Augen»), in der Informationen ausgetauscht werden. Unter dem Codenamen Tempora soll der GCHQ mehr als 200 Glasfaserkabel anzapfen, über die Daten um die Welt rasen. So habe der GCHQ Zugriff auf den Internetverkehr, der über die angezapften Kabel läuft.

Xkeyscore

Die gewaltigen Datenmengen, die die NSA sammelt, müssen irgendwie ausgewertet werden. Dazu dient die Software XKeyscore. Damit können NSA-Analysten wie Snowden die Datenberge nach Verdächtigen durchsuchen. Der deutsche Bundesnachrichtendienst setze ebenfalls eine Version von XKeyscore ein, berichtete „Der Spiegel“.

Verschlüsselung aushebeln

Wenn Daten verschlüsselt durchs Netz geschickt werden, können Geheimdienste nicht einfach so mitlesen. Doch NSA und GCHQ können Medienberichten zufolge mehrere gängige Verschlüsselungstechniken knacken oder aushebeln, darunter die oft eingesetzt SSL-Technologie. Es ist allerdings unklar, welche Techniken genau in welchem Maße für die Dienste zugänglich sind.

Anonymität aufheben

Auch das Anonymisierungsnetzwerk Tor, mit dem Nutzer ihre Spuren im Netz verwischen können, war Spionageziel der NSA. Der Geheimdienst schaffte es allerdings wohl nicht, das Netzwerk direkt zu knacken.

Überwachung ausländischer Staatschefs

Nicht nur Angela Merkels Handy geriet offenbar ins Visier der NSA. Der „Guardian“ berichtete, der Nachrichtendienst habe Telefone von 35 Spitzenpolitikern überwacht. Auch die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff und ihr mexikanischer Kollege Enrique Peña Nieto seien ausgespäht worden.

Angriff auf Google und Yahoo

Die NSA konnte laut der „Washington Post“ den Datenverkehr zwischen den Rechenzentren der beiden Internet-Riesen abgreifen. In den Rechenzentren werden Informationen aus E-Mail-Diensten, Suchanfragen oder Dokumente der Nutzer gespeichert. Inzwischen sollen die Daten auch zwischen den Rechenzentren verschlüsselt unterwegs sein.

Clinton nickte beifällig, wie ohnehin oft während der Sendung. Als Käßmann darauf hinwies, dass es außer gläsernen Decken nach oben auch Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen gäbe, wechselte Jauch das Thema und fragte nach Obama. Sie seien Freunde geblieben, erzählte Clinton gern, die 2013 als Außenministerin aus seinem Kabinett ausgeschieden war.

Immerhin, über die Themen Freundschaft und Vertrauen tastete Jauch sich an das heiße Eisen der durch die Vielzahl von Ausspähaffären belasteten deutsch-amerikanischen Beziehungen heran. "Warum werden wir Deutschen so massiv von der NSA ausgespäht?", lautete seine schärfste Frage. Clinton antwortete mit diplomatischen Floskeln: Die 2001 nach dem Anschlag vom 11. September erlassenen US-Gesetze müssten überprüft werden, lautete ihre präziseste Antwort. Ob sie als Außenministerin wirklich nichts vom Abhören der Bundeskanzlerin durch US-Geheimdienste gewusst habe - die Nachfrage wagte Jauch. Nein, habe sie nicht, sie habe sich bei Merkel entschuldigt so wie Obama auch. Clinton zündete ein kleines Feuerwerk diplomatischer Floskeln, das die Simultandolmetscherin mitunter zu überfordern schien: Im "Dialog zwischen den Regierungen auf hoher Ebene" müssten "einige Basisregeln" aufgestellt werden, "wie wir zusammenarbeiten".

Kommentare (6)

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Sergio Puntila

07.07.2014, 08:30 Uhr

Solche "Perlen der Fernsehunterhaltung" kann man erst richtig geniessen, wenn man über eine vernünftige Portion angelsächsischen Humorverständnisses verfügt.

Frau Pia Paff

07.07.2014, 11:18 Uhr

Typisches Emanzen Geplappere. Offensichtlich frustrierte Beziehungen.

Account gelöscht!

07.07.2014, 11:19 Uhr

Die ganze Sendereihe ist nichts anderes als ein Floskel-Format. Vorformulierte Fragen und Antworten ... die Macher der AK lassen grüßen, lol.

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