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16.12.2013

06:43 Uhr

TV-Kritik

„Ich habe nicht gedient“

VonChristian Bartels

Frauen-Power bei Günther Jauch: Ursula von der Leyen und Andrea Nahles waren die politischen Stars beim Talk. Doch die Show blieb aus. Größte Erkenntnis: Jugendliche verstünden unter „Groko“ gerne „großes Kotzen“.

Groko

So sieht Merkels Mannschaft aus

Groko: So sieht Merkels Mannschaft aus

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Eigentlich hätte am gestrigen Sonntag der aus Jugendschutzgründen auf 22 Uhr programmierte, nun in den Januar verschobene WDR-„Tatort“ laufen sollen. Stattdessen durfte Günther Jauch ran – und in seiner letzten Talkshow des Jahres 2013 die ersten Minister der neuen Bundesregierung begrüßen: Die designierte Überraschungs-Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und deren Nachfolgerin im Arbeitsministerium, die Neu-Ministerin Andrea Nahles (SPD).

Die Koalitionärinnen demonstrierten zupackend ihre Entschlossenheit zum Regieren. Nahles strahlte sichtlich und lobte immer wieder den intensiv und gut verhandelten Koalitionsvertrag. Auch von der Leyen bewies ihre bekannten Qualitäten. Leider war Jauch in besonders schlechter Form. Er legte gleich mit Fragen los wie der, ob die SPD nicht mehr erreicht hat als nach ihrem schlechten Wahlergebnis zu erwarten war, und der, ob die Unionsparteien der SPD nicht sehr viele Zugeständnisse gemacht hätten – Fragen also, die in den vergangenen drei Monaten schon x-mal gestellt worden waren, darunter in vielen Talkshows. Zum Lohn bekam er die bekannten Antworten.

Das künftige schwarz-rote Kabinett

Neuer Kanzleramtschef

Die CDU stellt mit Angela Merkel die Bundeskanzlerin, die SPD mit Sigmar Gabriel den Vizekanzler. Chef des Bundeskanzleramtes soll der bisherige Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) werden.

Die CDU-Minister

Innen: Thomas de Maizière (59) – Finanzen: Wolfgang Schäuble (71) – Verteidigung: Ursula von der Leyen (55) – Gesundheit: Hermann Gröhe (52) – Bildung und Forschung: Johanna Wanka (62).

Die CSU-Minister

Verkehr/digitale Infrastruktur: Alexander Dobrindt (43) – Ernährung/Landwirtschaft (CSU): Hans-Peter Friedrich (56) – Wirtschaftliche Zusammenarbeit/Entwicklung (CSU): Gerd Müller (58).

Die SPD-Minister

Wirtschaft und Energie: Sigmar Gabriel (54) – Auswärtiges Amt: Frank-Walter Steinmeier (57) – Arbeit und Soziales: Andrea Nahles (43) – Justiz und Verbraucherschutz: Heiko Maas (47) – Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Manuela Schwesig (39) – Umwelt, Naturschutz, Bau, Reaktorsicherheit: Barbara Hendricks (61).

Staatsminister im Kanzleramt

Kultur und Medien (CDU): voraussichtlich Monika Grütters (51) – Staatsminister bei der Bundeskanzlerin (CDU): noch offen – Migration, Flüchtlinge und Integration (SPD): Aydan Özoguz (46).

Auch die drei weiteren Gäste brachten die Ministerinnen kaum in Zugzwang. Linken-Fraktionsvorsitzender Gregor Gysi, den Jauch als „Oppositionsführer“ im Bundestag vorstellte, hat in dieser Funktion in letzter Zeit schon in allerhand Talkshows gesessen, und wiederholte seine Argumente. Elisabeth Niejahr, Journalistin der Wochenzeitung „Die Zeit“, hätte mit ein paar fundierten Kurzanalysen Substanz in die Sendung bringen können, wenn jemand darauf eingegangen wäre. Ein echter Überraschungsgast in der ARD-Talkshow war Ingo Zamperoni – der Moderator der ARD-„Tagesthemen“, der demnächst als Korrespondent nach Washington geht.

Merkels Überraschungscoup: Von der Leyen ins Verteidigungsministerium

Merkels Überraschungscoup

Von der Leyen ins Verteidigungsministerium

Das hat es noch nie gegeben: Mit Ursula von der Leyen soll erstmals eine Frau Verteidigungsminister werden. Es wäre eine echte Sensation. Die CDU-Politikerin könnte die große Gewinnerin der Regierungsbildung werden.

So zurückhaltend-neutral, wie es als Nachrichtenmoderator angemessen sein mag, gab er Pseudo-flapsiges („Posten-Bingo“; Jugendliche würden „Groko“ als „großes Kotzen“ verstehen) und etwas gewundene Binsenweisheiten (der SPD-Mitgliederentscheid sei ein „ausgefuchstes Damoklesschwert“ gewesen) zum Besten. Die Frage, was genau er in einer Talkshow-Gästerunde zu suchen hatte, blieb offen.

Leidlich interessant war die Gesprächspassage zu der Frage, wie es zur am Sonntag erst bekannt gewordenen Verteilung der Ressorts gekommen ist. Von der Leyen enthüllte, dass sie das Verteidigungsministerium erst am Donnerstagabend angeboten bekommen hat, die Bundeskanzlerin aber schon „längerfristig an diesem Plan gearbeitet“ habe.

Kommentare (25)

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Account gelöscht!

16.12.2013, 08:33 Uhr

GROKO heißt nicht nur für Jugendliche "großes Kotzen" - auch für mich ist das DER treffende Begriff für dieses Schauspiel. Man soll ja nicht alles gleich niedermachen, bevor ein Handschlag getan ist, daher werde ich mir das alles erstmal anschauen, aber ich bin sehr pessimistisch, ob die Groko im Sinne des Bürgers ist. Es wird noch mehr Gängelung geben, man wird den Bürger noch mehr auspressen - und das alles mit einer übermächtigen Regierung, ohne Opposition. Eine Opposition hat es ja vorher schon nicht gegeben, abgesehen von kleineren, oftmals gespielten, Differenzen, haben alle alles am Ende doch abgenickt. Egal ob Grün oder Rot. Mit der Groko wurden alle noch bestehenden Hürden aus dem Weg geräumt - und jetzt kommt EU total.

Freidenker

16.12.2013, 09:05 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Account gelöscht!

16.12.2013, 09:37 Uhr

So könnte es laufen, oder auch ganz anders. Wir werden sehen.

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