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22.11.2013

08:10 Uhr

TV-Kritik Illner

„Die Welt wird davon nicht untergehen“

VonChristian Bartels

Die Koalitionsverhandlungen laufen immer noch, und bei Maybrit Illner wurde darüber getalkt. Erst der späte Auftritt eines „Wirtschaftsweisen“ brachte Fokus in die Sendung.

Peter Altmaier (CDU) hat keine Angst vor dem Mindestlohn.

Peter Altmaier (CDU) hat keine Angst vor dem Mindestlohn.

„Nichts zu erzählen, trotzdem müssen sie reden“, hieß es spöttisch im Bericht des heute-journals über die Pressekonferenz, auf der Hermann Gröhe, Alexander Dobrindt und Andrea Nahles gestern überhaupt nicht darüber informiert hatten, auf welche Ziele der nächsten Bundesregierung sich ihre Parteien geeinigt haben, sondern flaue Fußball-Witze rissen.

Unausgesprochen unter einem ähnlichen Motto stand Maybrit Illners anschließende Sendung, die sich leider auch das gleiche Thema gewählt hatte: „Mini-Erwartungen, Mega-Kosten – verspielt Schwarz-Rot den Aufschwung?“ Die Moderatorin besitzt natürlich Routine genug, um über die problematische Prämisse, dass über diese Koalition immer noch intern verhandelt wird, flott hinweg zu plaudern. Wenn Schwarz und Rot alle ihre Wünsche unter einen Hut kriegen wollen, kommt dann die Wirtschaft unter die Räder? In diesem Sinne ging es los.

Wo sich Schwarz und Rot einig sind (Teil 1)

Mietpreisbremse

Die Länder können – vorerst für fünf Jahre – Mieterhöhungen begrenzen, etwa in begehrten Großstadtvierteln. Wenn Vermieter einen Makler einschalten, müssen sie ihn auch bezahlen.

Mindestlohn

Er wird kommen. Höhe, Beginn und Ausnahmen etwa für den Osten sind ungeklärt. Der Stundenlohn soll jährlich von einer Kommission mit Arbeitgebern und Gewerkschaften festgelegt werden.

Rente

Auch Mütter von vor 1992 geborenen Kindern sollen mehr Rente bekommen, ebenso Geringverdiener und erwerbsgeminderte Beschäftigte. Angestrebt wird die Rente nach 45 Beitragsjahren schon mit 63 ohne Abschläge. Offen ist, was davon bezahlbar ist.

Energiewende

Der Anstieg der Strompreise soll gebremst, die Ökostrom-Förderung reduziert, Industrie-Rabatte reduziert und weniger Windparks gebaut werden.

Europa

Die Vergemeinschaftung von Staatsschulden wird weiter abgelehnt. Die EU soll mehr für Wachstum und gegen Jugendarbeitslosigkeit tun.

Europa

Die Vergemeinschaftung von Staatsschulden wird weiter abgelehnt. Die EU soll mehr für Wachstum und gegen Jugendarbeitslosigkeit tun.

Das Rot im SPD-Sinne vertrat Leni Breymaier, die in Baden-Württemberg sowohl stellvertretende SPD-Vorsitzende als auch ver.di-Funktionärin ist, in knallgelber Lederjacke. Schwarz vertrat der beliebte Talkshow-Gast Peter Altmaier, dessen magentafarbener Schlips ebenfalls einen Farbtupfer setzte. Der amtierende Bundesumweltminister brachte das beschämende Kunststück fertig, kein Wort über die brisante Weltklimakonferenz in Warschau zu verlieren, auf der er am Mittwoch noch geweilt hatte. Dafür erfüllte er die Erwartung, zu jedem angesprochenen Thema bekannte CDU-Positionen zu referieren. SPD-Frau Breymaier vertrat jeweils so gegnerische Positionen, dass alle, die immer noch glauben, es könnte doch nicht mit Schwarz-Rot klappen, auf ihre Kosten kamen. Martin Richenhagen, Chef des amerikanischen Landmaschinen-Herstellers Agco und Illnershow-Veteran, äußerte die Vermutung.

Zunächst allerdings ließ Illner ihre Gäste in die fernere Zukunft schauen. Weil Die Linke-Gallionsfigur Gregor Gysi im Studio saß, ging es um die Frage, ob die SPD wegen ihres Parteitagsbeschlusses nach der nächsten Bundestagswahl 2017 eine rot-rot-grüne Koalition bilden könnte. Überraschungen waren beim Meinungsaustausch dazu nicht im geringsten zu verzeichnen. 

Kommentare (20)

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Matthes

22.11.2013, 08:38 Uhr

Unser Herr Altmaier.
Redet immer und überall und hat von Nichts eine Ahnung!

Rene

22.11.2013, 08:50 Uhr

"Gysi erinnerte daran, dass zu Helmut Kohls Kanzlerzeiten auch niemand am Spitzensteuersatz von 53 Prozent zugrunde gegangen sei"

Wieder einmal schließen die Linken die Augen vor der Realität. Der Spitzensteuersatz von 53% war doch erst das Problem, weshalb Jahre später die Agenda2010 notwendig wurde. Die Linken werden es nie raffen.

Account gelöscht!

22.11.2013, 08:52 Uhr

Nach 10 Minuten konnte man die Sendung gestern bei Illner abschalten, es war wieder ein Karussel-Gespräch wo die gleichen Themen wie immer durchgekaut worden sind.

Bis heute ist keine politische Sendung im Deutschen Fernsehen so spannend, dass man gebannt zuschaut.
Bei Bremers Duell ist es schon so schlimm,dass man sich fragt wie wären die Gladiatoren Kämpfe ausgegangen wenn Bremer der Organisator gewesen wäre.

Das liegt daran das man die Langweiler alle einladen kann und die brauechen keine Angst vor Überraschungen haben. Sie werden von Illner und Co gepflegt.

Anstatt mal den Normalbürger, den Obdachlosen,die Alleinerziehende Mutter und Vater und den Hartz IV Empfänger einzuladen.

Nein es kommt immer die gerade gebügelte sogenannte politische Elite oder mal ein Unternehmer.

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