Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.03.2013

07:52 Uhr

TV-Kritik Illner-Talk

„Trader sind weitaus egoistischer als Psychopathen“

VonChristian Bartels

Maybrit Illners ZDF-Talkshow behandelte wie zuletzt schon Günther Jauch das Thema „Managergehälter“. Den Vergleich gewann Illner – was an ihren Gästen lag. Für Erstaunen sorgten die Aussagen eines Schweizer Psychiaters.

Die Runde (v.l.): Patrick Döring, Hannelore Kraft, Maybrit Illner, Marina Weisband, Lencke Wischhusen und Jakob Augstein. Svea PietschmannZDF und Svea Pietschmann

Die Runde (v.l.): Patrick Döring, Hannelore Kraft, Maybrit Illner, Marina Weisband, Lencke Wischhusen und Jakob Augstein.

BerlinIm ZDF war Donnerstag großer Millionen-Themenabend: Auf „Rette die Million“ mit Jörg Pilawa folgte nach dem „heute-journal“ Maybrit Illners Talkshow mit dem Untertitel „Millionen für wenige, zu wenig für Millionen?“. Dabei ist es wohl allemal sinnvoller über den Armutsbericht der Bundesregierung zu diskutieren, als dem Studiopublikum bei einer Allerwelts-Quizshow einen Geldscheinstapel von einer Million Euro zu präsentieren.

Die bei Illner oft kritikwürdigen Einspielfilme überzeugten dieses Mal, weil sie konkret und einfach zeigten, welche Passagen aus dem Armutsbericht gestrichen worden waren. Im Gespräch mit FDP-Generalsekretär Patrick Döring erarbeitete die Moderatorin dazu die so originelle wie plausible Ansicht, dass solch „öffentliches Redigieren“ von Texten ja eigentlich das sei, was als „Transparenz“ zu den zentralen Anliegen der Piratenpartei gehört. Da wusste auch deren ehemalige politische Geschäftsführerin Marina Weisband nicht zu widersprechen.

Merkel zu Managergehältern : „Maßlosigkeit darf nicht sein“

Merkel zu Managergehältern

„Maßlosigkeit darf nicht sein“

Die Kanzlerin gibt in der Debatte über Managergehälter ihre Zurückhaltung auf. Noch vor einer Woche wurden Anti-Abzock-Initiativen für unrealistisch gehalten. Jetzt soll bis Sommer eine gesetzliche Regelung her.

„Der letzte sozialdemokratische Kanzler war Helmut Kohl“, postulierte kurz darauf Jakob Augstein. Der Verleger und inzwischen auch Chefredakteur der Wochenzeitung „Der Freitag“ sowie „Spiegel“-Mitgesellschafter erwies sich als der bekannte Kritiker der SPD von links und der Mann für die zugespitzten Thesen. Er war aber auch nur einer von zwei Männern in der sechsköpfigen Talkrunde – und zumindest die weibliche Überzahl erwies sich als Pluspunkt. Die Gäste kamen, obwohl sie sichtlich unterschiedliche Agenden verfolgten, öfter ins direkte Gespräch als in männlich dominierten Runden üblich.

Als Augstein kurz darauf mit dem Argument „So wie es eine Untergrenze des Anstandes gibt, gibt es auch eine Obergrenze“ eine solche für Managergehälter forderte, war die Runde dann exakt beim Thema „Den Managern ans Gehalt! Brauchen wir ein Gesetz gegen die Gier?“, das Günther Jauch am Sonntag in der ARD diskutiert und recht gründlich verpatzt hatte. Geradezu sorgsam wurden Aspekte, die in der Jauch-Diskussion gefehlt hatten, nachgetragen.

Welche Regeln es in Deutschland für Vorstandsgehälter gibt

Vorgaben des Aktienrechts

In Deutschland macht das Aktienrecht börsennotierten Unternehmen eher vage Vorschriften beim Gehalt der Vorstandsmitglieder. Deren Gesamtbezüge müssten zum Beispiel „in einem angemessenen Verhältnis zu den Aufgaben und Leistungen des Vorstandsmitglieds“ sowie zur Lage des Unternehmens stehen, heißt es.

Der Aufsichtsrat

Festgelegt werden die Vorstandsgehälter in Deutschland vom Aufsichtsrat. Die Aktionäre können laut einer Gesetzesänderung 2009 über das Vergütungssystem auf der Hauptversammlung abstimmen, der Beschluss begründet aber „weder Rechte noch Pflichten“.

Corporate Governance Kodex

Etwas umfassender sind die Vorschläge der Regierungskommission zur guten Unternehmensführung im sogenannten „Corporate Governance Kodex“. Die Unternehmen sind gesetzlich verpflichtet, öffentlich zu machen, ob sie diesen Empfehlungen gefolgt sind oder nicht.

Kriterium für die Gehälter sollte demnach auch „die Üblichkeit der Vergütung unter Berücksichtigung des Vergleichsumfelds und der Vergütungsstruktur, die ansonsten in der Gesellschaft gilt“, sein. Falls ein Manager vorzeitig geht, sollen Abfindungszahlungen auf maximal zwei Jahresvergütungen beschränkt werden.



Kodex-Verschärfung

Dieser Kodex soll nun aber verschärft werden, bis hin zur Empfehlung einer Deckelung der Gehälter. Die Höchstgrenzen müsste dann der jeweilige Aufsichtsrat festlegen. Dazu gibt es Änderungsvorschläge, zu denen jeder Bürger per E-Mail an den Vorsitzenden der Regierungskommission, Commerzbank-Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller, bis zum 15. März Stellung nehmen kann.



Transparenz

Seit einigen Jahren veröffentlichen große börsennotierte Konzerne gemäß den Empfehlungen des Kodex' die Gehälter des Top-Managements im Geschäftsbericht, früher war dies nicht üblich. Seither wird über die Millionengehälter der Dax-Vorstände auch lebhaft diskutiert. Die Hauptversammlung kann mit einer Dreiviertelmehrheit die Veröffentlichung verhindern.

Die Bundesvorsitzende des Verbandes „Die Jungen Unternehmer“, Lencke Wischhusen, forderte etwa „das Prinzip von Risiko und Haftung“ wie in Familienunternehmen ein. FDP-Mann Döring hatte vorab das Gesamteinkommen der DAX-Konzern-Vorstände mit demjenigen der Kader der Fußball-Bundesligaclubs verglichen, was wenig zielführend war, aber in einem Streit mit der nordrhein-westfälischen Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) über Absetzbarkeit von Betriebsausgaben mündete. Wenn unterschiedliche Parteipositionen statt in Wahlkampfslogans anhand konkreter Details deutlich werden, ist das schließlich auch etwas wert.

Kommentare (54)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Heidi

15.03.2013, 08:18 Uhr

Ja ja die bösen Trader... Und das aus dem Mund von Frau Illner die bei ihrem öffentl.rechtl. ZDF von der Rundfunkzwangssteuer lebt, die auch ich bezahlen muß, die nicht einmal ein TV-Gerät besitzt.
Gier liegt natürlich nur dann vor wenn es um Leute geht die etwas noch nicht haben. Mit fremdfinanziertem sicheren Job... ist man natürlich nicht gierig.

Account gelöscht!

15.03.2013, 08:40 Uhr

verdammt warum gibts hier keinen LIKE-Button....Daumen hoch!

Account gelöscht!

15.03.2013, 08:45 Uhr

Heidi,
genau meine Meinung; es ist einfach nur noch zum K... in D!

Zunächst sollte man auch erst einmal Trader definieren. Sind Trader auch die, die von einer Bank zur anderen wechseln, weil sie für ihre 10.000 EUR 0,1 v.H. mehr Zinsen bekommen?

Und wie würde ein Vergleich zwischen Kriminellen und Politikern/Beamten ausfallen?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×