Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.03.2013

07:33 Uhr

TV-Kritik

Jauchs Maschmeyer-Bashing reicht nicht

VonChristian Bartels

Geldgerede allein macht auch nicht glücklich: Trotz Provokationen gegen Carsten Maschmeyer („Wollt ihr die totale Provision?") verpuffte in der Gier-Debatte bei Günther Jauch eine Menge heiße Luft ziemlich effektlos.

Günther Jauch führte nicht gerade stringent durch die Sendung. dpa

Günther Jauch führte nicht gerade stringent durch die Sendung.

BerlinSpannend zu beobachten an Günther Jauchs Talkshow am Sonntagabend war, wie rasant aus der gut besetzten Gesprächsrunde zum Thema „Den Managern ans Gehalt! Brauchen wir ein Gesetz gegen die Gier?“ die Luft entwich. Bis zum Schluss offen blieb die Frage, ob das mit der Gier explizit als Vorwurf gemeint war; ganz am Schluss der zähen Sendung war sie immer noch offen. Recht unterhaltsam war die fürs öffentlich-rechtliche Hauptabendprogramm recht große Zahl deutscher Dialekte, mehr nicht.

Zum starken Start wurde ein Emdener VW-Arbeiter sowohl per Einspielfilm vorgeführt als auch live im Studiopublikum begrüßt, der in schönstem Norddeutsch den bestverdienenden deutschen Manager ins Spiel brachte – seinen eigenen Chef. „Was will Herr Winterkorn mit so viel Geld, das kann er ja gar nicht ausgeben“, sagte der seit 32 Jahren bei Volkswagen aktive Mann und sprach sich für nur ein bis zwei Millionen Euro Grundgehalt und dazu die tariflichen prozentualen Steigerungen für den VW-Boss aus. Was das mutige Emdener Original zur 7500-Euro-Prämie für VW-Arbeiter, von der später einmal kurz die Rede war, und ein paar weiteren Aspekten gesagt hätte, hätte man gern gehört. Doch nach den ersten Minuten ward es nicht mehr gesehen,

Nach Schweizer Volksinitiative: Managergehälter erhitzen die Gemüter

Nach Schweizer Volksinitiative

Managergehälter erhitzen die Gemüter

Der Ruf nach einer Deckelung der Managerbezüge in Deutschland wird vielstimmiger.

Fortan konzentrierte sich Jauch auf seine fünfköpfige Runde, die bewies, dass eine scheinbar gute Zusammenstellung interessanter Gäste allein noch keine gute Talkshow macht. Das parteipolitische Kuriosum, dass im anlaufenden Bundestags-Wahlkampf sowohl die Linke als auch die FDP die überraschend erfolgreiche schweizerische „Initiative gegen Abzockerei“ adaptieren möchten, war relativ flott geklärt: Für die Linke forderte Sahra Wagenknecht, Managergehälter auf das 20-Fache der unteren Einkommensgruppen zu begrenzen, und erklärte das zur Fortsetzung früherer Linken-Initiativen. Gewohnt zahlensicher brachte sie gewohnte Argumente vor, vor allem aus dem Finanzsektor, wo man Millionen dafür bezogen habe, „dass man die Gesellschaft schädigt“.

Gehälter ausgewählter Dax-Chefs 2012

Infineon - Reinhard Ploss / Peter Bauer

Zum Ende des Infineon-Geschäftsjahrs (30. September 2012) wechselte auch der Vorstandschef. Reinhard Ploss übernahm von Peter Bauer den Posten.

Bauer hatte 2011/12 insgesamt 2,9 Millionen Euro verdient und damit etwas deutlich weniger als 2011 (3,7 Millionen Euro).

Kurt Bock - BASF

Der Chef des Chemiekonzerns, Kurt Bock, verdiente mit 5,29 Millionen Euro im Jahr 2012 nahezu unverändert im Vergleich zum Vorjahr. Er hatte sein Amt im Mai 2011 angetreten.

Marijn Dekkers - Bayer

Marijn Dekkers, Niederländer an der Spitze des Chemie- und Pharmakonzerns Bayer, hat im Jahr 2012 insgesamt 5,06 Millionen Euro verdient, nach 4,49 Millionen Euro im Vorjahr.

Stefan Heidenreich - Beiersdorf

Ende April hatte Stefan Heidenreich beim Kosmetikkonzern Beiersdorf das Amt des Vorstandschefs übernommen. Im Jahr 2012 verdiente er 2,6 Millionen Euro.

Herbert Hainer - Adidas

Das Adidas-Ergebnis fiel 2012 vor allem wegen eines schwachen Geschäfts der Marke Reebok nicht so rosig aus. Adidas-Chef Herbert Hainer verdiente 2012 insgesamt 4,18 Millionen Euro und damit 28 Prozent weniger als 2011 (5,14 Millionen Euro).

Heinrich Hiesinger - Thyssen-Krupp

Bei Thyssen-Krupp kämpft Vorstandschef Heinrich Hiesinger mit der Aufarbeitung diverser Skandale und Fehlinvestitionen. Im Geschäftsjahr 2011/2012 (bis 30. September) verdiente er 3,85 Millionen Euro.

Karl-Ludwig Kley - Merck

Der Vorstandschef des Pharmakonzern verdiente 2012 insgesamt 5,52 Millionen Euro und damit fast ein Drittel mehr als 2011 (4,2 Millionen Euro).

Peter Löscher - Siemens

Der Österreicher verdiente im Geschäftsjahr 2011/2012 insgesamt 7,87 Millionen Euro, im Jahr zuvor waren es 8,74 Millionen Euro.

René Obermann - Deutsche Telekom

Ende 2013 gibt René Obermann sein Amt an den jetzigen Finanzvorstand Timotheus Höttges weiter. Obermann verdiente 2012 insgesamt 3,78 Millionen Euro und damit nahezu unverändert so viel wie 2011 (3,85 Millionen Euro).

Wolfgang Reitzle - Linde

Der Linde-Chef hat gesagt, kein Interesse an einer Vertragsverlängerung zu haben. Im Jahr 2012 verdiente er bei dem Industriegase-Spezialisten 6,9 Millionen Euro, fast genau so viel wie ein Jahr zuvor.

Kasper Rorsted - Henkel

Der dänische Chef des Konsumgüter- und Klebstoffkonzerns Henkel, Kasper Rorsted, hat im Jahr 2012 insgesamt 6,18 Millionen Euro verdient, ein sattes Plus von fast 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr (4,79 Millionen Euro).

Peter Terium – RWE

Zur Jahresmitte 2012 hatte Peter Terium den Spitzenposten beim Energiekonzern RWE angetreten. Er verdiente im Jahr 3,8 Millionen Euro, ein sinnvoller Vergleich zum Vorjahr ist nicht möglich.

Martin Winterkorn - Volkswagen

Der VW-Chef erhält rund 14,5 Millionen Euro für das abgelaufene Jahr (2012) und damit 5,5 Millionen weniger, als ihm nach den zuletzt gültigen Kriterien zugestanden hätten.

Damit will VW verhindern, erneut ins Zentrum einer Diskussion um hohe Managementbezüge zu geraten wie 2011, als Winterkorn mehr als 17 Millionen Euro verdiente.

Dieter Zetsche - Daimler

Der Daimler-Vorstandschef hat im vergangenen Jahr inklusive Aktienoptionen 8,15 Millionen Euro verdient. Das war etwas weniger als 2011 (8,65 Millionen Euro).

Quelle

Geschäftsberichte / Hostettler, Kramarsch & Partner

Für die FDP fand, trotz des Parteitags, dessen Star er ebenfalls war (sodass er zum Anfang der folgenden „Tagesthemen“ gleich schon wieder auf dem Bildschirm erschien), Rainer Brüderle Gelegenheit zu seinem ersten Talkshow-Auftritt seit dem bei Maybrit Illner drei Tage zuvor. Warum der schweizerische Volksentscheid „FDP pur“ sei, erklärte er damit, dass der deutsche Mitbestimmungs-Mechanismus nicht funktionieren würde: Die Funktionäre würden erst mit den Managern kungeln und hinterher dann „mit roten Fahnen herumlaufen“. Dass allein die Eigentümer darüber entscheiden, wie es die schweizerische Initiative vorsieht, entspräche dem Empfinden des Mittelstands und der von der FDP geforderten Stärkung der Eigentumsrechte.

Welche Regeln es in Deutschland für Vorstandsgehälter gibt

Vorgaben des Aktienrechts

In Deutschland macht das Aktienrecht börsennotierten Unternehmen eher vage Vorschriften beim Gehalt der Vorstandsmitglieder. Deren Gesamtbezüge müssten zum Beispiel „in einem angemessenen Verhältnis zu den Aufgaben und Leistungen des Vorstandsmitglieds“ sowie zur Lage des Unternehmens stehen, heißt es.

Der Aufsichtsrat

Festgelegt werden die Vorstandsgehälter in Deutschland vom Aufsichtsrat. Die Aktionäre können laut einer Gesetzesänderung 2009 über das Vergütungssystem auf der Hauptversammlung abstimmen, der Beschluss begründet aber „weder Rechte noch Pflichten“.

Corporate Governance Kodex

Etwas umfassender sind die Vorschläge der Regierungskommission zur guten Unternehmensführung im sogenannten „Corporate Governance Kodex“. Die Unternehmen sind gesetzlich verpflichtet, öffentlich zu machen, ob sie diesen Empfehlungen gefolgt sind oder nicht.

Kriterium für die Gehälter sollte demnach auch „die Üblichkeit der Vergütung unter Berücksichtigung des Vergleichsumfelds und der Vergütungsstruktur, die ansonsten in der Gesellschaft gilt“, sein. Falls ein Manager vorzeitig geht, sollen Abfindungszahlungen auf maximal zwei Jahresvergütungen beschränkt werden.



Kodex-Verschärfung

Dieser Kodex soll nun aber verschärft werden, bis hin zur Empfehlung einer Deckelung der Gehälter. Die Höchstgrenzen müsste dann der jeweilige Aufsichtsrat festlegen. Dazu gibt es Änderungsvorschläge, zu denen jeder Bürger per E-Mail an den Vorsitzenden der Regierungskommission, Commerzbank-Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller, bis zum 15. März Stellung nehmen kann.



Transparenz

Seit einigen Jahren veröffentlichen große börsennotierte Konzerne gemäß den Empfehlungen des Kodex' die Gehälter des Top-Managements im Geschäftsbericht, früher war dies nicht üblich. Seither wird über die Millionengehälter der Dax-Vorstände auch lebhaft diskutiert. Die Hauptversammlung kann mit einer Dreiviertelmehrheit die Veröffentlichung verhindern.

Einen Gesprächspartner für seine Thesen gegen die Mitbestimmung fand Brüderle bei Jauch ebensowenig wie Wagenknecht für ihre Argumente, für die sie im weiteren Verlauf noch einige Belege aus „der seriösen Managementliteratur“ anführte. Dass sie keine Gesprächspartner fanden, verdross Wagenknecht und Brüderle erwartungsgemäß überhaupt nicht, schließlich führten beide Wahlkampf, und das für ihre jeweiligen Zielgruppen auch nicht übel.

Kommentare (24)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Joker1

11.03.2013, 08:08 Uhr

Maschmeyer ist ein korrupter Betrüger, ein Ganove, der
normalerweise nur in einer Zwangsjacke und in Fußfesseln an so einer Diskussion hätte teilnehmen dürfen.

Jauch selber und die anderen Millionäre zeigen doch, wie
weit sie sich vom "Pöbel" entfernt haben.
Schade dass nicht mehr Politmillionäre anwesend waren !
Pfui Teufel!

HoKi

11.03.2013, 08:19 Uhr

Nahezu keine der letzten Sendungen hat er souverän moderiert, und strukturiert zu irgendeinem zufriedenstellenden Ergebnis gebracht. Ich tue mir das auch nicht mehr an. Es reicht, am nächsten Tag die Kommentare zu lesen. Sorry, aber dieser Mann ist vollkommen überbewertet.

Uli

11.03.2013, 08:22 Uhr

Mir ist die Unverfrorenheit von Jauch ein Rätsel: Dieser Mann lebt als bestbezahlter Fernsehmann dieses Landes in seiner fetten Villa am Heiligen See in Potsdam und er verdient sein völlig überzogenens Gehalt ( je Sendung mehr als der ohnehin schon super gut verdienende VW Mitarbeiter im Jahr ) nicht einmal mit dem Segen von Aktionären sondern er wird aus einer absolut inakzeptablen Zwangsabgabe bezahlt ( den zwangsweise eingetriebenen Rundfunkgebühren, die auch deshalb so hoch sind, weil eben das öffentlich rechtliche Fernsehen für Jauch und für Fußballübertragungen so astronomische Summen ausgibt ). Ich schaue weder Jauch noch Fußball, und muß ihn dennoch bezahlen, das ist der Skandal, und da hat dieser Mensch noch den Mut mit Fingern auf andere Leute zu zeigen, die auf wesentlich redlichere Art auch gut verdienen??? Schäm Dich Jauch!
Eine schöne Woche wünscht Ihnen Uli Henkl

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×