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19.12.2014

07:52 Uhr

TV-Kritik Lanz

Whiskykauf ist keine Schnapsidee

VonChristian Bartels

Ex-Finanzminister Theo Waigel, Crash-Prophet Marc Friedrich und Lukas Podolski diskutierten bei Markus Lanz über das Finanzsystem, die Wiedervereinigung, die Fußball-Weltmeisterschaft und noch einiges andere.

Markus Lanz und Ex-Bundesfinanzminister Theo Waigel. Weitere Gäste waren Fußballprofi Lukas Podolski und der Autor Marc Friedrich.

Markus Lanz und Ex-Bundesfinanzminister Theo Waigel. Weitere Gäste waren Fußballprofi Lukas Podolski und der Autor Marc Friedrich.

Wie geht es Markus Lanz? Am vergangenen Samstag hat der Moderator die letzte große Show des deutschen Fernsehens routiniert abgewickelt, am Dienstag nahm er ebenso routiniert seine Regelbetrieb wieder auf. Seine Namens-Talkshow läuft weiterhin dreimal pro Woche spätabends im ZDF.

Dort sitzt stets eine heterogene Runde beisammen. Je weniger die Gäste miteinander verbindet, desto lieber scheint es Lanz zu sein. Gespräche, in denen es sowohl um die "Pegida"-Demonstrationen als auch um Gunther Sachs (und die Bedeutung, die die Astrologie für ihn hatte) als auch um den Tsunami vor zehn Jahren geht: Sofern sich alle Gäste darauf einlassen, weil sie alle ein Buch, ein Projekt oder ein Anliegen zu verkaufen haben, dann kann Lanz so etwas.

Am späten Donnerstagabend managte er eine Gesprächsrunde, in der es unter anderem um die deutsche Wiedervereinigung vor einem Vierteljahrhundert, um den Fußball-WM-Triumph im Sommer und um den bevorstehenden Crash des Währungssystems ging. Einer der Gäste war Marc Friedrich, der genau das in seinem Buch "Der Crash ist die Lösung" (und im Handelsblatt Online-Interview) vorhersagt. 

Los ging's mit dem bundesdeutschen Finanzminister von 1989 bis 1998. "Ich freu' mich wahnsinnig darauf zu erfahren, was in der Sauna wirklich los war", in der Helmut Kohl und der russische Staatschef Boris Jelzin, aber auch Theo Waigel, seinerzeit Modalitäten der deutschen Vereinigung ausgehandelt hatten (im Handelsblatt Online-Interview) - so hatte Lanz bereits im Werbetrailer sein Hauptinteresse umrissen.

So verschieden sind Ost und West

Wirtschaft

„Blühende Landschaften“ gibt es im Osten eher wenige. Die Wirtschaftskraft liegt ein Drittel unter dem Niveau der westdeutschen Länder. Und: Die Lücke schließt sich seit einiger Zeit kaum noch. (Quelle: dpa)

Verdienst

Ostdeutsche verdienen viel weniger. So betrug der mittlere Bruttomonatslohn im Westen zuletzt 3094 Euro, im Osten nur 2317 Euro.

Arbeitslose

Die Kluft zwischen Ost und West wird immer kleiner. In Ostdeutschland ist die Arbeitslosenquote auf dem tiefsten Stand seit 1991. Trotzdem beträgt sie noch 9,1 Prozent, im Westen 5,8 Prozent.

Rente

Wegen des früheren Berufseinstiegs in der DDR sind Renten im Osten meist höher. Zuletzt bekamen Männer im Schnitt 1096 Euro, Frauen 755 Euro. Im Westen: Männer 1003 Euro, Frauen 512 Euro.

Vermögen

Ostdeutsche besitzen nicht einmal halb so viel. Während Erwachsene im Westen im Schnitt über 94 000 Euro verfügen, sind es im Osten nur 41 000 Euro. Der Durchschnittswert selbst genutzter Immobilien liegt im Westen bei 151 000, im Osten bei 88 000 Euro.

Kinderwunsch

In Westdeutschland ist der Kinderwunsch deutlich ausgeprägter. Nach einer Forsa-Umfrage möchten 63 Prozent der jungen Erwachsenen hier auf jeden Fall Kinder, im Osten nur 47 Prozent.

Kinderbetreuung

In der DDR gehörte die Krippe zum Alltag, das wirkt bis heute nach. 2013 war die Betreuungsquote im Osten mit 49,8 Prozent noch mehr als doppelt so hoch wie in den westdeutschen Ländern mit 24,2 Prozent.

Verkehrstote

Ostdeutsche Straßen sind gefährlicher - und besonders gefährlich sind die in Brandenburg. Bei Verkehrsunfällen starben 2013 dort 69 Menschen pro eine Million Einwohner, in Sachsen-Anhalt 61. Im Bundesdurchschnitt waren es gerade mal 41.

Musik

Ob Helene Fischer oder Tim Bendzko: Musik mit deutschem Text ist im ganzen Land beliebt, nach einer Umfrage im Osten (84 Prozent) aber noch deutlich stärker als im Westen (74 Prozent).

Sterbehilfe

Rund 82 Prozent der Ostdeutschen wünschen sich einer Forsa-Umfrage zufolge bei einer schweren Erkrankung Sterbehilfe. In Westdeutschland sind es nur 67 Prozent.

Studenten

Sie können sich im Osten wegen niedrigerer Mieten mehr leisten. Laut Umfrage zahlt jeder zweite weniger als 300 Euro Miete, im Westen nur jeder dritte. Für Ausgehen oder Hobbys geben Studenten im Osten im Schnitt 178 Euro aus, 16 Euro mehr als die Kommilitonen im Westen.

Kirche

Die historisch gewachsene Kluft bleibt groß: 2011 waren noch 25 Prozent der Menschen im Osten Mitglied der katholischen oder evangelischen Kirche, im Westen 70 Prozent.

Stimmung

Nach einer Umfrage von Infratest dimap bewerten etwa 75 Prozent der Ostdeutschen die Wiedervereinigung positiv. In Westdeutschland sieht dagegen nur rund die Hälfte der Befragten (48 Prozent) mehr Vor- als Nachteile.

Aus solchen Nähkästchen erzählte Waigel gerne, anekdotisch ("Kommunismus zu reformieren, das ist, wie wenn man Schneebälle rösten möchte"), aber auch ernsthaft, etwa über den ökonomischen und gar ökologischen Zusammenbruch der DDR. Anknüpfungspunkte an die Gegenwart, die er - im Gegensatz zur Politik der Bundesregierung und von Waigels CSU - mit der Forderung setzte, der Westen müsse Russland jetzt ein ähnliches "Stabilisierungsprogramm anbieten", wie er selbst es 1990 getan hatte, wurden nicht präzisiert. Lanz wollte lieber mehr aus der Sauna hören. Helmut Kohl "war ja dem Alkohol nicht völlig abgeneigt", sagte Waigel. "Ist das sehr freundlich formuliert?", hakte der Moderator nach. 

Kommentare (3)

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Herr Alias: curiosus_

19.12.2014, 08:34 Uhr

Das Waigel-Friedrich Thema hätte mich brennend interessiert, war aber zu spät. Im Nachhinein scheine ich da nichts verpasst zu haben – „Raus mit Markus Lanz aus meinem Rundfunkbeitrag“ scheint weiterhin seine Berechtigung zu haben.

Eine der überflüssigsten Sendungen in D, zum Zeit totschlagen für Schlafgestörte.

Frau Margrit Steer

19.12.2014, 13:55 Uhr

Diee Sendung ist was für Dumme

Herr julian bart

19.12.2014, 19:58 Uhr

Ich fand den Auftritt von Herrn Friedrich richtig gut und gelungen. Wie immer überzeugend, verständlich und sympathisch. Diesmal hatte ich sogar den Eindruck, daß Lanz tatsächlich das Buch gelesen und verstanden hat. Er war sehr gut im Thema drin und scheint es auch so zu sehen.

Waigel hatte Friedrich die ganze Zeit im Blick und suchte ständig dessen Bestätigung und Augenkontakt.

Eine Diskussion zum Euro wäre spannend gewesen aber ist nicht im Sinne dieses Formats.

Aber man sollte die beiden mal in eine andere Sendung einladen und aufeinander loslassen - Hart aber Fair oder so.

Bin mir sicher Waigel würde untergehen so wie Hellmeyer bei "3 nach 9" gegen Weik und Friedrich.

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