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17.04.2015

09:33 Uhr

TV-Kritik Maybrit Illner

„Facebook ist wie 100.000 Stammtische“

VonChristian Bartels

Gehört Fremdenhass in Deutschland bundesweit zum Alltag? Dieser Frage ging Illners Talkrunde nach. Interessant wurde es aber erst, als ein Gast aus dem Publikum geholt wurde.

Eine zähe dreiviertel Stunde ließ der Netzkolumnist Sascha Lobo auf sich warten – oder ließ die Moderatorin Maybrit Illner ihn warten? Screenshot ZDF

Sascha Lobo und Maybrit Illner

Eine zähe dreiviertel Stunde ließ der Netzkolumnist Sascha Lobo auf sich warten – oder ließ die Moderatorin Maybrit Illner ihn warten?

Maybrit Illners Sendung „Angst, Wut, Hass - ist Tröglitz überall?“ gestern Abend dauerte mehr als 70 Minuten. Wirklich interessant waren aber nur die letzten 25 Minuten – ab genau dem Zeitpunkt, an dem die Moderatorin den Internetexperten und Blogger Sascha Lobo zum Einzelinterview bat und dann in ihre Runde holte. Warum sie den Mann mit der roten Irokesenfrisur zuvor im Publikum platziert hatte, blieb Illners Geheimnis. Bis zu Lobos Auftritt bestand ihre Show aus dem erwartungsgemäßen Austausch bekannter Argumente.

Fremdenfeindliche Einstellungen seien im deutschen Osten weiter verbreitet als im Westen: Diese Ansicht vertrat entschieden Olaf Sundermeyer, freier Journalist unter anderem für die „FAZ“, der als Beobachter vieler Pegida-Demonstrationen bereits in einigen Talkshows gastiert hat. Schon der in allen Medien beachtete Rücktritt des Tröglitzer Bürgermeisters sei „ein Erfolg für die Rechtsextremen“ gewesen und hätte sie weiter ermuntert, etwa zur Brandstiftung am Flüchtlingsheim-Bau.

Johann Schneider, evangelischer Regionalbischof im sachsen-anhaltinischen Sprengel Wittenberg-Halle, hat an den zuletzt ebenfalls weit beachteten Bürgerversammlungen in Tröglitz teilgenommen und beschrieb die Stimmung als „angstbesetzt“. In der Ortschaft fehle eine „Kultur des Miteinanderseins“, schon weil es dort eigentlich keinerlei öffentlichen Veranstaltungsorte, nicht einmal Kneipen mehr gebe.

Tröglitz sei aber auch in Franken und Baden, wenn dort Anschläge auf Flüchtlingsheime verübt würden, sagte Claudia Roth. Die Grünen-Politikerin erinnerte an die humanitäre Katastrophen mit Hunderten Toten, die sich im Mittelmeer abspielen, und forderte, die EU müsse mit ihrer „systematischen Flüchtlingsabwehrpolitik“ aufhören.

Tröglitz wäre dann bald überall, wenn die Politik ihre Flüchtlingspolitik nicht besser erklären würde. So formulierte es der baden-württembergische CDU-Politiker Thomas Strobl, der weitgehend im Vagen blieb und später etwa von „Verrohungstendenzen, die nicht in Ordnung sind“, von rechts wie von links sprach.

Thomas Körner: Tröglitz hat einen neuen Ortsbürgermeister

Thomas Körner

Tröglitz hat einen neuen Ortsbürgermeister

Thomas Körner heißt der neue Bürgermeister von Tröglitz. Der Ortschaftsrat hat ihn am Donnerstagabend gewählt. Er tritt die Nachfolge von Markus Nierth an, der von Rechtsextremen bedroht worden war.

Den vier Gästen, die sich weitgehend einig waren, gegenüber stand die sächsische AfD-Politikerin Frauke Petry, die auch deswegen zu den bekanntesten Gesichtern ihrer Partei gehört, weil sie das Mienenspiel in der Öffentlichkeit beherrscht. Auch gestern zeigten die ZDF-Kameras gern, wie sie gelassen Gegenargumente belächelte. Neben der auch gestisch-mimisch stets engagierten Roth bildete Petry einen visuell dankbaren Kontrast.

Petry wandte ein, der Tröglitzer Bürgermeister sei deshalb zurückgetreten, „weil er sich von der Verwaltung allein gelassen fühlte“. Flüchtlings-Probleme könnten nicht in den Kommunen, sondern müssten national gelöst werden. Die AfD habe ja nichts gegen Asylbewerber, bloß müssten die 70 Prozent, die „keinen Asylgrund haben“, zurückgeschickt werden.

Kommentare (13)

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Herr Max Nolte

17.04.2015, 10:03 Uhr

Es ist wieder mal das altbekannte Bild, dass immer versucht wird die Symptome zu bekämpfen, alles und jedes Argument welches auch nur in Ansätzen eine kritische Begutachtung der Asylpolitik widerspiegelt plattgetreten wird anstatt zu fragen warum die Bürger so reagiert haben wie sie eben reagiert haben.
Es wird einfach nur als hohle braune Dummköpfe abgetan und damit hat sich die Sache, der Kampf gegen Rechts muss verstärkt werden blablabla ich kann es nicht mehr hören.
Das Problem wird nicht an der Wurzel gepackt und keine der großen Parteien hat die Eier das zu tun. Lächerlich! Sollen am besten noch mehr solche Anschläge passieren damit die Politik endlich aufwacht!

btw. die Roth kann man doch echt nicht für voll nehmen, oder? Wann wird die bitteschön mal irgendwo eingewiesen?


Herr Edmund Stoiber

17.04.2015, 10:50 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Rudolf Ott

17.04.2015, 10:54 Uhr

Erinnern wir uns: Wieder sind einige hundert "boat-people" im Mittelmeer ertrunken. Und dafür haben diese Menschen sehr viel Geld an die Schleuserbanden bezahlt! Reaktion? Pflichtgemäße "Betroffenheit" der Nachrichtensprecher/innen, die in gleichem Atemzug vor zunehmendem Fremdenhass warnen. Doch warum hört man z. B. von Fr. Roth und anderen nicht folgenden Vorschlag:
Die EU chartert Kreuzfahrtschiffe und schickt diese in die Häfen Afrikas. Da gehen locker 5000 Menschen drauf! Mindesten jeden Monat könnte so ein Dampfer in EU-Häfen die Menschen in die "reiche Bundesrepublik" entlassen. Das wäre menschlich gehandelt! Frontex und Mare-Nostrum Kosten wären überflüssig Die Schleuserbanden könnte man finanziell austrocknen (übrigens was machen die mit dem Geld?) Bleibt noch eine Frage an z.B. Fr. Roth und andere: Stellen Sie bitte einen Plan vor, wie diese Menschen hier integriert werden sollen. Das sind die Fragen, vor denen sich unsere verantwortlichen Politiker drücken.

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