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24.10.2014

07:35 Uhr

TV-Kritik Maybrit Illner

Unsinniger Polit-Krawall im Zweiten

VonChristian Bartels

Ein CSU-Mann zoffte sich mit einer SPD-Frau, ein Grüner mit einem Linken und Bernd Lucke mit allen: Maybrit Illners Talkshow zur rot-rot-grünen Regierungsbildung in Thüringen bot fröhlichen Fernsehwahlkampf.

Der jüngste Polittalk bei Maybrit Illner: Viel geredet, wenig rausgekommen dpa

Der jüngste Polittalk bei Maybrit Illner: Viel geredet, wenig rausgekommen

BerlinDas Vierteljahrhunderts-Jubiläum des Mauerfalls steht unmittelbar bevor. Da ist es eine legitime Frage, ob es einen "Tabubruch" darstellt, wenn erstmals ein Mitglied der Partei Die Linke Ministerpräsident eines Bundeslands wird.

Richtig beantwortet werden kann die Frage selbstverständlich erst, wenn Bodo Ramelow eine Zeitlang Thüringen regiert haben sollte - was noch gar nicht sicher ist. Vorher können bloß Meinungen dazu geäußert werden. Es war also von vornherein klar, dass in Maybrit Illners Sendung "Thüringer Wendehälse – Tabubruch für die Macht?" reiner Fernseh-Wahlkampf getrieben werden würde.

Auch wenn gerade keine Wahl bevorsteht, haben alle Parteien (außer den Grünen) hartgesottene Spitzen-Wahlkämpfer geschickt. Es ging wirklich hoch her am Donnerstagabend im ZDF, sogar mit Überlänge.

CSU-Haudegen Markus Söder, im Moment Finanzminister in Bayern, haute nach einer Dreiviertelstunde den Spruch "Konsens schützt nicht vor Nonsens" heraus, um das Bündnis von SPD und Grünen in Erfurt mit der "SED-Nachfolgepartei" zu charakterisieren.

Dass derselbe Spruch sich mindestens genauso gut auf große schwarz-rote Koalitionen anwenden lässt, hat der Bayer vielleicht mitbedacht. Ergänzt man, dass Dissens alleine ebenfalls nicht vor Nonsens schützt, traf Söders Diktum die Wahlkampf-Show gut.

Söder etwa giftete sich mit Yasmin Fahimi an, der Generalsekretärin der SPD, die in Berlin auch mit der CSU koaliert. Der Grüne Werner Schulz stritt heftigst mit Links-Politiker Dietmar Bartsch, obwohl ihre beiden Parteien wie gesagt die Thüringer Regierung bilden wollen.

Kommentare (30)

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Herr C. Falk

24.10.2014, 09:50 Uhr

Na ja, Wenn "Braune Suppe" Lucke neben Frau Fahimi sitzt, die diesen "Braune Suppe"-Begriff kreiert hat, Lucke Herrn Sarrazin ins Spiel bringt, von dem sich Frau Fahimi,- beide SPD- auf das Heftigste distanziert und ihn als Nazi-affin und ebenfalls als "Brauen Suppe"-Angenäherten einordnet, dieser besagte Sarrazin allerdings von Parteichef Gabriel einen freundlichen eigenhändig von demselben unterschriebenen Glückwunsch zu dessen 40-jähriger Parteimitgliedschaft bekommt - dann wirds lustig oder ist das schon eine "Entartung"?

Looool. "g"

Joachim v. Seibnitz

24.10.2014, 10:13 Uhr

Lucke ist genial. Alle verzweifelten Versuche ihn auf's Glatteis zu führen scheitern kläglich. Argumentativ ist ihm wie so oft keiner gewachsen.

Herr Thomas Albers

24.10.2014, 10:46 Uhr

" Alle verzweifelten Versuche ihn auf's Glatteis zu führen scheitern kläglich. Argumentativ ist ihm wie so oft keiner gewachsen."

Ich glaube, da gehört nicht viel dazu. Jakob Augstein zeigt es mal an einem für Lucke typischen Beispiel, wo Lucke seine Zuhörerschaft für dumm verkaufen möchte:

Die "Bild am Sonntag" hat ihn gefragt: "Was ist der Unterschied zwischen dem AfD-Wahlplakat 'Wir sind nicht das Weltsozialamt' zum NPD-Plakat 'Wir sind nicht das Sozialamt der Welt'?" Er hat geantwortet: "Keiner. ... Aber wenn der Slogan richtig ist, ist er nun mal richtig. Oder finden Sie, dass wir das Sozialamt der Welt sein sollten?" Die Logik sitzt. Da kann er nächstens auch plakatieren lassen: "Muslime sollen keine Kinder klauen." Das kann auch niemand wollen. Es zieht nur außer der NPD sonst keine Partei derart in den Wahlkampf.

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/afd-lucke-und-die-erinnerung-an-die-deutschnationalen-a-998806.html

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