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12.12.2014

07:52 Uhr

TV-Kritik Maybritt Illner

„Einwanderungsgesellschaft ist was Anstrengendes“

VonChristian Bartels

„Pegida“-Diskussion bei Maybrit Illner: Der Grüne Cem Özdemir und die AfD-Vertreterin Frauke Petry schafften es immerhin gemeinsam, das Publikum ratlos zu machen. Und an Widersprüchen mangelte es auch nicht.

Talk-Runde bei Maybritt Illner. Der differenzierte Austausch war teilweise anstrengend, aber nötig.

Talk-Runde bei Maybritt Illner. Der differenzierte Austausch war teilweise anstrengend, aber nötig.

BerlinSind die Menschen, die in Dresden und weiteren deutschen Städten unter dem hochtrabenden Namen „Pegida“ („Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“) demonstrieren, „Neonazis in Nadelstreifen“? Wie es der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger sagte? Wertet es ihre Argumente unnötig auf, ausführlich darüber zu diskutieren? Oder treibt im Gegenteil, darüber nicht zu diskutieren, mehr Menschen in die Arme von eindeutig Rechtsradikalen? Darüber zumindest wird zurzeit eifrig diskutiert.

Maybrit Illner wählte einen Mittelweg. In ihrer Runde zum Thema „Aufstand für das Abendland - Wut auf die Politik oder Fremdenhass?“ saß kein „Pegida“-Vertreter, aber die sächsische AfD-Vorsitzende Frauke Petry, die keinen Hehl daraus machte, den Demonstranten nahezustehen („70 Prozent der Asylsuchenden sind keine politisch Verfolgten“). Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann indes machte klar, dass er AfD und Pegida so fern stehe, wie die Schwesterpartei CDU es gerade bekräftigt hatte. Doch er vertrat dennoch Petrys Forderung, „dass geltendes Asylrecht eingehalten werden muss“, knallhart.

Der Grünen-Parteivorsitzende Cem Özdemir fand, dass durch die „Wir sind das Volk“-Rufe auf „Pegida“-Demonstrationen die friedliche Revolution von 1989, „auf die wir stolz sein können als Deutsche“, missbraucht werde. Imran Ayata, Schriftsteller und Inhaber einer Agentur, konstatierte eine Neigung zur Unterteilung von „bereichernden und nicht bereichernden“ Migranten „bis in weite Teile der bürgerlichen Mitte“ hinein.

Und Olaf Sundermeyer, freier Journalist unter anderem für die „FAZ“, war auf vielen Demonstrationen unterwegs, in Dresden, aber auch in Kassel, Düsseldorf und auf der Kölner „Hogesa“-Demonstration. Inzwischen habe eine „dezentrale rechte Bürgerbewegung“, so meint er, „Anschluss an die Mitte der Gesellschaft gefunden“. Er habe Teilnehmer Parolen wie „Wir wollen keine Asylantenschweine“ rufen gehört.

Wer nimmt die meisten Flüchtlinge auf?

Anstieg der Flüchtlingszahlen

Aufgrund von internationalen Krisen rechnet das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge mit einem erneuten Anstieg der Flüchtlingszahlen in 2014. Im ersten Quartal 2014 haben rund 108.300 Flüchtlinge in einem der 28 EU-Staaten um Asyl angesucht. Doch kommen die meisten Asylsuchenden, die derzeit über das Mittelmeer nach Europa kommen, wirklich nach Deutschland?

Quelle: Eurostat/ Mediendienst Integration 2014

Platz 9

Griechenland: 2.440 Antragsteller

Platz 8

Ungarn: 2.735 Antragsteller

Platz 7

Österreich: 4.815 Antragsteller

Platz 6

Belgien: 5.065 Antragsteller

Platz 5

Großbritannien: 7.575 Antragsteller

Platz 4

Italien: 10.700 Antragsteller

Platz 3

Schweden: 12.945 Antragsteller

Platz 2

Frankreich: 15.885 Antragsteller

Platz 1

Deutschland: 36.890 Antragsteller

Nur für ein kurzes Einzelinterview befragt wurde der Direktor der Dresdener Landeszentrale für politische Bildung, Frank Richter. Unter den Demonstranten seien neben NPD-Mitgliedern und Hooligans auch „Transformationsverlierer“ und „im guten Sinne des Wortes besorgte Bürger“. Er riet, den „mühsamen, vielleicht vergeblichen Versuch“ zu unternehmen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

Mühsam war die Diskussion bei Illner auch, und vergeblich in dem Sinn, dass es Antworten nicht gab. Doch wurde im Studio recht differenziert argumentiert, wobei deutlich wurde, dass auch „differenziert“ ein Kampfbegriff sein kann. Insofern gelang es der Talkshow, sozusagen produktiv ratlos zu machen.

Kommentare (33)

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Herr Phillip Schneider

12.12.2014, 08:49 Uhr

Jaja...versucht es weiter tot zu reden. Versucht weiter alles ohne nachzudenken, ohne gesunden Menschenverstand alles in die rechte Ecke zu drängen was sich Sorgen um die Kultur des eigenen Landes macht. Die Leute haben schon lange genug von Überfremdung und die Asylanten kommen noch dazu. Zur Klarstellung: Ich rede hier nicht von den "richtigen" Asylanten, Menschen die vor Kriegen usw. fliehen. Sondern von dem möchtegern Pack.
WIe geisteskrank kann man nur sein, dass eigene Land so zu verraten? In 20 Jahren... ach was die Deutschen sind jetzt schon eine Minderheit im eigenen Land, auch wenn viele es nicht wahrhaben wollen. Das ist jetzt im Grunde die letzte Gelegenheit wieder Herr der Lage über die unkontrollierte Masseneinwanderung die wir dem linken Gesindel zu verdanken haben zu werden.

Herr Heinz Draheim

12.12.2014, 09:26 Uhr

kommentieren nicht möglich 9uhr24

Frau Monika Eichner

12.12.2014, 09:36 Uhr

Ob es den Oberen jetzt gefällt oder nicht. Das Asylgeschäft (und mehr ist es für viele auch nicht) MUSS reglementiert werden.
Gestern Nacht haben in der Nähe von Nürnberg (Vorra) eine Gaststätte und Nebengebäude gebrannt, die als Asylberwerberunterkünfte renoviert worden sind. So etwas darf nicht geschehen. Wir brauchen einen offenen Diskurs! Noch brennen nur die leeren Heime. Was ist wenn da erst Menschen wohnen? Daran mag ich gar nicht denken.

Bitte - so wie es ist, kann es nicht weitergehen. Wir brauchen die Kontrolle der Einwanderung und zwar in der Form, dass sich die deutsche Bevölkerung nicht zurückgesetzt und ausgegrenzt fühlt.

Wir können in der Tag nicht die halbe Welt bei uns aufnehmen.
Wir können noch nicht einmal weltweit alle aufnehmen denen es aus irgendwelchen Gründen nicht gut geht.

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