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10.03.2014

07:40 Uhr

TV-Kritik

„Uli Hoeneß ist eine gespaltene Persönlichkeit“

VonChristian Bartels

Muss Uli Hoeneß ins Gefängnis? Diese Frage stellte Günther Jauch seinen Gästen. Von denen er vor Prozessbeginn keine eindeutigen Antworten zu hören bekam. Für den größten Überraschungsmoment sorgte daher ein Studiogast.

Edmund Stoiber, Bayerns früherer Ministerpräsident und Mitglied des Aufsichtsrates der FC Bayern München, verteidigt seinen Freund Uli Hoeneß. dpa

Edmund Stoiber, Bayerns früherer Ministerpräsident und Mitglied des Aufsichtsrates der FC Bayern München, verteidigt seinen Freund Uli Hoeneß.

Edmund Stoiber hatte die „Äh“-Phase der verhaspelten öffentlichen Auftritte, über die sich in seinen letzten Jahren in der Bundespolitik viele lustig gemacht hatten, eigentlich hinter sich. Bei jüngeren Talkshowauftritten zeigt er sich meist recht fokussiert. In Günther Jauchs Talkshow zum Thema „Der Prozess – Muss Uli Hoeneß ins Gefängnis?“ am Sonntagabend aber streute der ehemalige bayerische Ministerpräsident in seine langen Sätze wieder eine Menge „Ähs“ ein.

Von Jauch als „Bayern-Fan und Aufsichtsrat“ des FC Bayern München vorgestellt, verkörperte Stoiber den Freund des Managers, dessen Prozess wegen Steuerhinterziehung am heutigen Montag beginnt. Die Freundschaft setzte Stoiber auch nicht aufs Spiel.

So wollte er, ohne Verständnis für Steuerhinterziehung zu äußern, Verständnis für Hoeneß wecken und nannte ihn „eine gespaltene Persönlichkeit“, die „unendlich viel“ für soziale Zwecke gespendet habe und mit der Selbstanzeige „sich ehrlich machen“ wollte.

Im Wortlaut: Das ist die Anklageschrift gegen Ulrich Hoeneß

Im Wortlaut

Das ist die Anklageschrift gegen Ulrich Hoeneß

Beim Prozessauftakt gegen Bayern-Boss Uli Hoeneß hat die Staatsanwaltschaft die Anklageschrift gegen den 62-Jährigen verlesen. Nun steht fest, was „Ulrich H.“ zur Last gelegt wird.

Er wollte „nicht Kritik an den Medien üben“ (schließlich sitzt Stoiber auch einem Beratergremium der ProSiebenSat.1 AG vor), aber auf das „gefühlsmäßige Urteil“, das sich viele Mediennutzer schon gebildet hätten, aufmerksam machen.

Er wollte nicht den „effektiven Staat“ kritisieren, den Deutschland nach seinen Brüsseler Erfahrungen im Vergleich europäischer Verwaltungen habe, aber ein wenig den Trend des öffentlichen Auftretens der Staatsanwaltschaften. Stoiber fühlte sich sichtlich unwohl und bot im Verlauf der Sendung sogar für den zurückhaltenden Jauch dankbare Angriffsfläche.

Und doch hatte der Bayer in seinen komplizierten Äußerungen einige treffende Sätze versteckt. Zum Beispiel sagte er, er wolle „nicht das Gericht spielen“. Darum aber ging es in der Show eigentlich: schon mal das Gericht zu spielen, alle bekannten Fakten und Vermutungen zusammenzutragen und einzuschätzen.

Kommentare (10)

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10.03.2014, 07:59 Uhr

"Er war eine gespaltene Persönlichkeit
Heißt dies jetzt, alle großen Steuerhinterzieher haben eine gespaltene Persönlichkeit?
Herr Hoeneß glaubt sich unter dem Schutz seiner aller höchsten Gönner/Freunden sicher, er zeigte sich erst an, wegen der CD.
Herr Hoeneß und eine gespaltene Persönlichkeit, das ist das dümmste was ich je gehört habe.
Uli Hoeneß, muss von allen seinen Ämtern sofort zurücktreten, er schadet nur noch den Bayern.

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10.03.2014, 08:18 Uhr

"Wer viele Steuern zahlt, könne schließlich stolz sein."

Was ist das denn für eine müllige Aussage?
Das kann nur von einem Kirchenvertreter kommen, deren Club und Lokalfürstenmitglieder anständig aus dem Steuersäckel Jahr für Jahr finanziert werden.

Die Problematik der Steuern sehe ich eher im unteren wie im mittleren Einkommensbereich; Leute die zwischen 1200-2000 Euro netto verdienen. Von diesem Einkommen ( von dem man m.E.n. heutzutage nicht mehr anständig von leben kann) zahlen die Gehaltsempfänger per Zwangsabgabe noch ihren 15-20% Steuersatz, der dann grosszügig vom Staat für vielfach unsinnige Dinge ausgegeben wird.

Erst einmal kann ich es niemanden verdenken steuermindernd zu agieren; aber irgendwann ist einfach Schluss.
Personen wie Herr Hoeneß konnten einfach den Hals nicht genug vollbekommen; dabei spielt es bei ihm wahrscheinlich nicht wirklich eine Rolle ob eine Mille mehr oder weniger auf seinem Konto ist. Da nimmt er sich nichts mit Zumwinkel und Co.

Und zu den sozialen Spenden: mit Sicherheit wurden diese mit entsprechender anteiliger Rückerstattung bei seiner Steuererklärung abgesetzt; privat gibt es da m.W.n. 50% zurück und über seine Firma ist es dann sicherlich eine steuermindernde Betriebsausgabe.

Der andere Umstand ist einfach das Hr. Hoeneß vorher immer eine ziemlich laute Klappe über diesen Bereich riskiert hat; das ist aus heutiger Sicht mehr als peinlich und eigentlich ... sollte er sich ganz ganz ganz klein machen.

Ich bin gespannt über den Ausgang. Jeder andere mittlere und kleine Unternehmer würde mit Sicherheit in den Bau gehen.

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10.03.2014, 08:44 Uhr

Wie die Ausplünderung der Bevölkerung funktioniert wurde schon während der früheren Groko Merkel/Steinmeier offensichtlich. Den Dividendenempfängern die Kapitalertragsteuer halbieren und als Ausgleich den Sparen den Freibetrag halbieren. Das hat die dümmliche deutsche Melkkuh bis heute noch nicht begriffen.

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