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05.04.2013

07:01 Uhr

TV-Kritik zu Illner-Talk

Die unergründliche Angst des Sparers

VonJakob Struller

Vorsicht, Enteignung, warnte Maybrit Illner und diskutierte über Einlagensicherheit und zukünftige Rettungs-Pakete. Die Angst der Sparer wurde dabei zwar beschwichtigt, aber nur unzureichend ergründet.

Zu den Gästen bei Maybrit Illner gehörte Sahra Wagenknecht (ganz links) und der Finanzstaatssekretär Steffen Kampeter (2. v.links).

Zu den Gästen bei Maybrit Illner gehörte Sahra Wagenknecht (ganz links) und der Finanzstaatssekretär Steffen Kampeter (2. v.links).

Viel hat Nils Nauhauser in der Sendung von Maybrit Illner nicht gesagt. Aber eine seiner wenigen Äußerungen nahm der reißerischen These der Sendung gehörig den Wind aus den Segeln: „Der Sparer kann aus der Zypern-Rettung lernen, dass die Einlagensicherung bis 100.000 Euro auch dann noch verlässlich ist, wenn ein Land am Rand der Existenz steht“, sagte der Finanzexperte von der Verbraucherzentrale.

Diese Aussage wurde nicht diskutiert. Dabei sollte in der Sendung am Donnerstagabend im ZDF eigentlich genau darüber gesprochen werden: „Die große Angst der kleinen Sparer“ war die Runde überschrieben und es sollte die Frage geklärt werden, ob die Deutschen jetzt um ihr mühsam Erspartes bangen müssen.

Nils Nauhauser schien diese Frage nach etwa 20 Sendeminuten beantwortet zu haben, jedenfalls wurde im weiteren Verlauf der Sendung nicht mehr daran gezweifelt, dass niemand, der weniger als 100.000 Euro auf dem Konto hat, jemals um dieses Guthaben fürchten muss.

Welche Strafen Steuertricksern drohen

10.000 Euro hinterzogen

Hier wird in der Regel eine Geldstrafe verhängt, die in etwa einem Jahresnettoeinkommen des Steuerpflichtigen entspricht.

Tagessätze

Die Strafverfolgungsbehörden ermitteln die Geldstrafe nach so genannten Tagessätzen. Der Geldbetrag für einen Tagessatz soll dem Tagesnettoeinkommen entsprechen.

Berechnung des Tagesatzes

Hat jemand ein Jahreseinkommen von 50.000 Euro brutto und Abzüge von 20.000 Euro für Steuern, Versicherungen und ähnlichem, so wäre der Tagessatz 82 Euro (gerechnet: 30.000:365).

Anzahl der Tagessätze

Bei einer Hinterziehung von 10.000 Euro werden in der Regel 365 Tagessätze verhängt. Das bedeutet im Beispielsfall 365x82 = 29.930 Euro. Die Geldstrafe läge also bei rund 30.000 Euro.

Verhältnis zur hinterzogenen Steuer

Bei hohen Einkommen kann laut Experten die Strafe durchaus höher als die hinterzogene Steuer sein. Schließlich soll sich Steuerhinterziehung ja nicht lohnen.

20.000 Euro hinterzogen

Bei 20.000 Euro kommt man zu rund 440 Tagessätzen. Die Strafe läge im Beispielsfall dann 36.080 Euro.

Regionale Unterschiede

Es ist bekannt, dass in den verschiedenen Bundesländern unterschiedlich streng bestraft wird. Eine interne Tabelle weist dies nach. Insofern gelten die hier genannten Strafrahmen nicht absolut, sondern sind lediglich Faustregeln.

Schwere Vergehen

Nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofes (Az. 1 StR 525/11) ist die Chance, auch bei schweren Steuervergehen um eine Haftstrafe herumzukommen, deutlich gesunken. Die Karlsruher Richter haben mit ihrer Entscheidung ein Urteil des Landgerichts Augsburg kassiert, das einen Unternehmer wegen 1,1 Millionen Euro hinterzogener Steuern nur zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt hatte. Dieses Strafmaß sei zu gering, entschied der BGH. Das Urteil liegt im Trend, glaubt Martin Wulf von der auf Steuerstrafrecht spezialisierten Kanzlei Streck Mack Schwedhelm: „In der Tendenz ziehen die Sanktionen an“, sagt der Jurist.

Vorher hatte Illner das Gespräch, bedingt durch die Berichterstattung des Tages, zunächst  auf die veröffentlichten Steuerdokumente gelenkt und jeder Teilnehmer durfte kurz seinen Standpunkt zu Steueroasen und den dort investierenden Steuersündern zum Besten geben.

Der CDU-Staatssekretär Steffen Kampeter sagte, man brauche mehr internationale Abkommen um zu einem transparenteren und gerechteren Steuerverfahren zu kommen. Der Präsident des Sparkassenverbandes Georg Fahrenschon pflichtete ihm bei: Eine ähnliche Harmonisierung wie mit der Bankenunion wünsche er sich auch in Sachen Steuergesetzgebung.

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Bei Zyperns Rettung wurden erstmals die Sparer geschröpft. Dieser Fall könnte Schule machen. Denn wenn es darum geht, die Bürger an der Euro-Rettung zu beteiligen, sind noch längst nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft.

Kommentare (79)

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Sparer

05.04.2013, 07:33 Uhr

Die 100000€ waren in Zypern doch nur sicher da ein Hilfskredit über 10 Mrd gewährt wurde. WEnn sich die Krise so fortentwickelt und Italien und Frankreich ins Straucheln geraten ist auch die 100000€ Grenze Makulatur.WEr sollte Deutschland helfen können? Einzig die Finanzierung durch neue Schulden wäre vorstellbar mit mitgelieferter Inflation.

Account gelöscht!

05.04.2013, 07:34 Uhr

Die Partei Die Linke hat doch gesunde Ansichten, gesündere als die CDU unter Merkel/Schäuble!

Republikaner

05.04.2013, 07:47 Uhr

Leider wurden zwei wichtige Punkt ausgeblendet: die fortschreitende Geldentwertung und über die größten Geldspartöpfe Bausparer und Lebensversicherung wurde gar nicht gesprochen. Da ist doch der Hund begraben!

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