Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.03.2017

06:11 Uhr

TV-Kritik zur Saarland-Wahl

„Schulz-Zug“, Fußball-Floskeln und abgebrühte Generalsekretäre

VonChristian Bartels

In der TV-Berichterstattung zur Saarland-Wahl hatte sich die SPD-Prominenz frühzeitig vor den Kameras versammelt. Den flottesten Spruch äußerte aber ein CDU-Mann. Neu in der Arena: selbsternannte Populisten.

In der TV-Berichterstattung zur Saarland-Wahl wurde gerade auch der Schulz-Effekt viel diskutiert.

ARD-Berichterstattung

In der TV-Berichterstattung zur Saarland-Wahl wurde gerade auch der Schulz-Effekt viel diskutiert.

BerlinUnmittelbar, bevor um 18 Uhr die ersten Prognosen veröffentlicht wurden, scharrten schon eine Menge ARD- und ZDF-Reporter mit den Hufen und vertrieben die Zeit mit Vorabberichten von den bevorstehenden Wahlpartys. „Champagner und Sprudel stehen bereit“, hieß es etwa bei den Grünen. Lebensfreude zu demonstrieren, verstehen die Saarländer eben.

Kaum dass Jörg Schönenborn in der ARD den „gigantischen Erfolg“ der CDU verkündet hatte, war klar, dass Grund zum Feiern eigentlich nur eine Partei hatte. Das Stichwort der folgenden Stunde brachte Schönenborn aufs Tapet: „Schulz-Effekt“ lautete es. Zum „Schulz-Zug“ oder „Schulz-Hype“, wie Katja Kipping von der Linken lieber formulierte, mussten sich alle äußern, die durch die Wahlstudios der Sender in Saarbrücken und Berlin tingelten.

Frühzeitig stand vor allem SPD-Prominenz an Mikrofonen parat – offenkundig in der Erwartung, einen Erfolg kommentieren zu können. Beim ZDF war Talkshow-Haudegen Ralf Stegner zugeschaltet, der notgedrungen zum Erfolg erklärte, dass es weiterhin „ohne die SPD keine Regierung“ geben wird.

Aus dem Amtsbonus, der an der Saar gewirkt habe, zog er Hoffnungen für den Wahlkampf in seinem Heimat-Bundesland Schleswig-Holstein. Dort wird im Mai gewählt. Stegners „Wir haben schon auch aufgeholt in den letzten Monaten“ setzte sich dann als SPD-Linie durch: Da zum Zeitpunkt von Schulz' Antritt die Partei im Saarland noch niedrigere Umfragewerte verzeichnet hatte, habe der Schulz-Effekt schon auch gewirkt.

Zur selben Zeit vermutete der Bundesjustizminister und saarländische SPD-Politiker Heiko Maas vor ARD-Kameras auf Nachfrage, dass Martin Schulz „gut drauf“ sei, obwohl er zwar am Nachmittag, aber in den circa sieben Minuten seit Prognose-Bekanntgabe noch nicht mit ihm telefoniert hatte.

Gut drauf zeigte sich zunächst der AfD-Landesvorsitzende Josef Dörr, der die gestiegene Wahlbeteiligung als „Wirkung der AfD“ reklamierte und mit der Ansicht überraschte, dass es für eine Oppositionspartei, die ohnehin nicht in Koalitionen eingebunden werde und werden wolle, nicht so wichtig sei, ob sie nun sechs oder zehn Prozent der Stimmen bekam – unmittelbar, bevor im ZDF der umstrittene Spitzenkandidat Rolf Müller noch Hoffnungen äußerte, dass die AfD-Werte noch steigen würden. Schließlich würden AfD-Wähler Wahlforschern auf Fragen, wen sie denn gewählt haben, zurückhaltend reagieren.

Dass AfD-Vertreter es weiterhin verstehen, zu überraschen, zeigt dann auch Vizechef Alexander Gauland im Interview mit Thomas Baumann aus dem ARD-Hauptstadtstudio. „Wir als populistische Partei“, hob er an, um dann erklären zu wollen, wie schwierig die Konkurrenzsituation im Saarland mit Oskar Lafontaine als Spitzenkandidat der ebenfalls populistischen Linken gewesen sei. Diese Formulierung nahm CDU-Generalsekretär Peter Tauber gerne auf, als er in seiner Ansprache in der Parteizentrale von den besiegten „Populisten von links und von rechts“ sprach.

Landtagswahl im Saarland: Kramp-Karrenbauer bremst den Schulz-Zug

Landtagswahl im Saarland

Kramp-Karrenbauer bremst den Schulz-Zug

An der Saar gibt es keinen Machtwechsel. Die CDU hat die Landtagswahlen im Saarland klar gewonnen. Das Ergebnis ist ein deutlicher Dämpfer für Martin Schulz und die SPD.

18.39 Uhr war es dann, als, zuerst bei Phoenix, Martin Schulz persönlich vor die Kameras trat. Er habe gehofft, „dass wir gleichauf“ oder „vielleicht sogar vorne“ liegen würden, bekundete er, ohne sich vom schließlich deutlichen Rückstand lange verdrießen zu lassen. Das Ergebnis habe „positive und negative Seiten“. Schulz gab als neue Lösung aus, die er - wie alle seine Losungen im Lauf des Abends - gerne wiederholte (und kurz darauf im ZDF gleich zur Fußball-Floskel „Spiele dauern 90 Minuten“ variierte): Die Bundestagswahl zu gewinnen, sei „ein Langstreckenlauf und kein Sprint“.

Bei Phoenix war Schulz' Auftritt im Berliner Willy-Brandt-Haus früher und auch länger zu sehen gewesen als in der ARD. Dort wurde er ausgeblendet, als Kanzleramtsminister Peter Altmaier vor den Kameras erschien. Mit „je länger wir regieren, desto besser ist es für Deutschland insgesamt“ gestattete sich das von der Saar stammende Schwergewicht den flottesten Spruch des Wahlabends. Je mehr Minuten seit Wahlergebnis-Bekanntgabe vergangen sind, desto größer werden jedenfalls die Worte.

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Novi Prinz

27.03.2017, 09:07 Uhr

Dem Gipfelstürmer der S P D, Dr. Martin Schulz, ist der IKARUS Effekt in die Parade gefahren, aber das macht ihn nur stärker !!

Frau Lana Ebsel

27.03.2017, 10:17 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Account gelöscht!

27.03.2017, 10:35 Uhr

Die CDU hat mit diesen Wahlsieg einen pyrrhussieg errungen. Dieser Sieg an der Saar wird in der CDU ja nicht der Saar CDU gutgeschrieben sondern als Sieg für Merkel CDU umgemünzt. Eine Merkel die die konservative CDU Werte an eine Grün-Sozialistische Ideologie verraten hat. Der Freiheitliche Konservative Aufbruch (FKA) der CDU hat somit schon sein Ende gefunden bevor dieser überhaupt erst richtig anfangen konnte. Merkel und ihre Funktionärseliten inkl. der Seehofer CSU wollen den Weg der Grün-Sozialistsichen Ideologien (Energiewende, CO2 Verbot, illegale Einwanderung, EU und EURO, Nullzinspolitik, eine Verschuldungspoltiik auf Kosten der deutschen Steuerzahler und Sparer, eine Gender-Gaga Politik statt Bildungspolitik usw.) weiterführen. Somit wundert es eben auch nicht, warum die Grünen keiner mehr wählt, wenn er die Grünen bei der Merkel CDU antrifft oder wenn die SPD überflüssig wird, weil Merkel ihr die Sozialen Themen abgeräumt hat bzw. die Linke immer und jederzeit für Soziale Themen bereit steht.
Und die FDP....naja, wie gesagt, diese Merkel Union braucht weder eine Konservative noch eine freiheitliche Partei mehr. Die einzigste Opposition, die einzigste Konservative, freiheitliche und patriotische Partei in Deutschland, die es mit der Merkel Union noch aufnehmen kann und auch wird, ist und bleibt die AfD. Ziel, für die AfD ist es, in alle Landtage und in den Bundestag Einzug zu halten und von dort aus mit guter und ehrlicher Oppositionsarbeit sich immer mehr das Vertrauen der Deutschen Wähler zu erarbeiten. Die Ära von Merkel und Schulz geht den Ende zu, der Zenit dieser beiden Politker ist schon überschritten...der Aufstieg der AfD hat hingegen erst angefangen. So wird man in den nächsten Jahren sehen, dass der Fall der einstigen Volksparteien von CDU und SPD mit dem Aufstieg der AfD zur Volkspartei einhergehen wird.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×