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04.04.2014

06:59 Uhr

TV-Talk mit Reinhold Beckmann

„Machen Sie Ihre Steuererklärung eigentlich selbst?“

VonChristian Bartels

Beckmann plauderte mit Finanzminister Schäuble über Staatsverschuldung, Griechenland und Brigitte Bardot. Doch minutenlang bewegte sich die Show an der Grenze zur Beleidigung aller Zuschauer mit etwas Allgemeinbildung.

„Wen bevorteilt, wen benachteiligt unser Steuersystem?“. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. dpa

„Wen bevorteilt, wen benachteiligt unser Steuersystem?“. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble.

BerlinIm November 2012 hatten sich Reinhold Beckmann, der ARD-Talker, und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble zuletzt für eine Talkrunde zu zweit getroffen, am Donnerstag taten sie es erneut. Beide konnten ihre Stärken ausspielen: Schäuble platzierte souverän seine Botschaften: wie positiv die Entwicklungen in Griechenland verlaufe, dass das Finanzsystem „insgesamt sehr viel krisenresistenter geworden“ sei und dass er Wladimir Putins Politik sogar ganz ausdrücklich nicht mit derjenigen Hitlers verglichen habe. Beckmann wiederum zeigte, wie virtuos er von weichen Themen wie Fußball und Jugenderinnerungen zu harten Themen umschalten kann, und wie schnell zu wieder ganz anderen, sobald es kompliziert zu werden droht.

Mit dem Scherz, Schäuble sei es „egal, wer unter ihm Kanzler ist“, leitete Beckmann das Eingangsgeplänkel ein. Schließlich ist Schäuble als Bundestagsabgeordneter seit 1972 inzwischen Rekordhalter. „Was können die Jungen von den Alten im Parlament lernen?“, lautete eine typische Beckmann-Frage. „Ach, die Alten können auch viel von den Jungen lernen“, eine typische Schäuble-Antwort. Gelernt hat der Minister etwa längst, wie viele Informationen man jederzeit googeln kann.

Das wäre ein guter Anlass gewesen, über den gerade gestarteten NSA-Untersuchungsausschuss zu reden, und über das Ausspähen der Bundesregierung durch die USA. Hat ein Bundesfinanzminister keine Angst, dass seine Google-Anfragen gespeichert werden? Doch solche Themen stand offenkundig nicht auf Beckmanns Agenda. Um Google sollte es später noch einmal in einem kurzen Gesprächsabschnitt über Steuervermeidung international agierender Konzerne gehen. Beckmann brach das Thema ab und ging über zu Griechenland.

Schäuble äußerte mindestens viermal seinen „Reschpekt“ (konsequent badische Sprachfärbung trägt zu seiner authentischer Wirkung bei) gegenüber den Leistungen der Griechen. Das Land habe 2013 „die erfolgreichste Tourismussaison seit vielen Jahrzehnten“ erlebt, sei „noch nicht über den Berg“, aber auf einem guten Weg. Immerhin zu einer bemerkenswert konkreten Aussage verleitete ihn Beckmann dann. 2012 hatte Schäuble zum selben Thema den Satz „Wir fahren auf Sicht“ geäußert. Wie sei denn die Sichtweite, fragte Beckmann nun. 2012 seien die Europäer etwa auf 35 Meter Sicht gefahren, heute dagegen auf 100 bis 150 Meter, antwortete der Minister.

Kommentare (28)

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04.04.2014, 08:12 Uhr

"Machen Sie eigentlich Ihre Steuererklärung selbst?“ Jawohl, macht er, er ist ja gelernter Steuerbeamter."

Hier hätte die Frage kommen müssen, ob die denn auch richtig wäre und bei welcher Schweizer Bank er sein Geld für den deutschen Krisenfall hinterlegt hat.

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04.04.2014, 08:32 Uhr

Für mich sind die Begriffe "Beckmann" und "virtuos" schon ein Widerspruch in sich. Wenn es gestattet wäre, würden die Attribute
"selbstverliebt" und "arrogant" eher passen. Oder sind das jetzt schon Majestätsbeleidigungen und zum Veröffentlichen ungeeignet?

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04.04.2014, 09:15 Uhr

Artige Hofberichterstattung a la Beckmann. Dafür zahlen wir doch gern an die Schutzgelderpressungszentrale.

Viel interessanter wäre doch gewesen, ob Schäuble sein Schwarzgeld nachversteuert hat. Wir erinnern uns: er hatte einen Fakelaki vom Waffenschieber "vergessen".

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