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23.02.2013

16:16 Uhr

Twitter-Follower

FDP will ihre Fans loswerden

VonJonas Jansen

Die FDP hat Tausende Twitter-Fans geschenkt bekommen – gekauft von der politischen Konkurrenz. Behauptet ein Verkaufsportal. Um die Liberalen im Netz zu diskreditieren? Die FDP sprach jedenfalls schon bei Twitter vor.

Die Twitter-Seite der FDP twitter.com

Die Twitter-Seite der FDP

DüsseldorfCDU oder die SPD, Grüne, Piraten oder die Linken? Wer wollte die FDP im Netz in Misskredit bringen? Wie am Freitag bekannt wurde, soll ein politischer Kontrahent der Liberalen für den sagenhaften Zuwachs von Tausenden Followern auf der offiziellen Twitter-Seite der FDP verantwortlich sein. Das Portal www.fandealer.de bestätigte, dass über die eigene Seite tatsächlich Follower für den FDP-Account eingekauft wurden.

Zugleich schreibt Geschäftsführer Mario Rönsch jedoch: „Die Freie Demokratische Partei (FDP) hat zu keinem Zeitpunkt den Kauf von Twitter Followern auf www.fandealer.de in Auftrag gegeben.“ Und weiter: „Das entsprechende Benutzerkonto wurde zweifelsfrei mit einer E-Mail Adresse einer anderen deutschen Partei eingerichtet.“ Insgesamt seien über „Fandealer“ 922 Profile für die FDP erworben worden.

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Der offizielle Twitter-Account der Partei war binnen weniger Tage von 6437 Followern (6. Februar) auf – Stand heute – 36893 Twitter-User hochgeschnellt. Was für Verwunderung, aber auch Spott sorgte: „Jetzt hat die FDP mehr Follower als Wähler“, schrieb Jelena Gregorczyk bei Twitter. Und Fabian Hamák von den Grünen der Bayern bemerkt: Der Zuwachs sei selbstverständlich „organisches Wachstum“ bei der FDP.

Dem Portal Pluragraph waren die plötzlich anschnellenden Freundeszahlen zuerst aufgefallen. Die Kurve ist schon einmal deshalb verräterisch, weil es kein Ereignis gab, das diesen plötzlichen Anstieg erklären könnte. Auch die Seite Twittercounter zeigt den enormen Freundeszuwachs an. Rund 82 Prozent der FDP-Follower bei Twitter sind laut der Auswertungsseite fakers.statuspeople.com gefälschte Profile.

Nur ein Bruchteil der Follower der FDP werden als "normale" Nutzer gewertet. Statuspeople.com

Nur ein Bruchteil der Follower der FDP werden als "normale" Nutzer gewertet.

Und warum das Ganze? Parteien stehen unseriös da, wenn sie den Anschein erwecken, sich ihre Fans kaufen zu müssen. Auch CDU und SPD wurden bereits einmal beschuldigt, sich zusätzliche Freunde gekauft zu haben.

Die FDP hat mittlerweile in Person von Generalsekretär Patrick Döring angekündigt, die geschenkten Fans wieder abzustoßen. Man habe Twitter gebeten, alle verdächtigen Follower zu löschen.

Außerdem läuft die Suche nach dem noch unbekannten Spender. Klaus Peukert aus dem Piraten-Bundesvorstand fragte schon mal in die Runde, ob jemand seiner Follower die 15 Euro für die FDP ausgegeben hätte. So günstig dürfte das Follower-Paket jedoch nicht gewesen sein. Das Blog Hyperland hat herausgefunden, dass dem FDP-Account auffällig viele Nutzer folgen, die auch dem Account @Huge_WebTraffic folgen. Dahinter steht eine Seite, die Follower verkauft. Für 30.000 neue Freunde verlangen sie rund 250 Dollar.

Kommentare (3)

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dirkkuehs

22.02.2013, 18:07 Uhr

War mal wieder klar. Kaum kommt das Thema "Likes kaufen" einmal in der Presse hoch - wir erinnern uns an die Artikel des Bild Magazins; Georgina & co - muss das Ganze natürlich direkt ausprobiert werden, um andere in ein schlechtes Licht zu stellen. Dennoch frage ich mich, wie das Ganze rechtlich aussieht. Ein bisschen Google-Recherche hat gezeigt, dass es außer fandealer noch zahlreiche andere Anbieter für das Kaufen solcher Dienstleistungen gibt. Mit ganz oben dabei scheint zum Beispiel social-sponsor.com zu sein. Die gehen noch einen Schritt weiter und verkaufen und vermitteln so ziemlich alles was man im Social Media Bereich machen kann. Kann mir mal jemand die Rechtslage dazu erklären?

ferdinandk

23.02.2013, 01:51 Uhr

Dieser Herr, Mario Rönsch, ist selbst MITGLIED der FDP, also nicht wirklich neutral und könnte alles Mögliche behaupten um Schaden von seiner Partei abzuwenden.
Einfach mal nach "Mario Rönsch FDP Thüringen" Googeln :)

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23.02.2013, 13:39 Uhr

Das war sicher "Die Partei" welche der "Spaßpartei" etwas unter die Arme greifen wollten :-)

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