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07.03.2014

12:46 Uhr

Über dem EU-Schnitt

Immer mehr deutsche Frauen sind berufstätig

Immer mehr Frauen in Deutschland haben einen Job. Inzwischen sind mehr als sieben von zehn Frauen berufstätig – mehr als im EU-Schnitt. Die IG Metall meint jedoch: Frauen werden am Arbeitsmarkt immer noch benachteiligt.

Immer mehr Frauen in Deutschland sind berufstätig. obs

Immer mehr Frauen in Deutschland sind berufstätig.

Wiesbaden/FrankfurtIn Deutschland sind deutlich mehr Frauen berufstätig als in den meisten anderen EU-Ländern. Wie das Statistische Bundesamt am Freitag anlässlich des Internationalen Frauentages (8. März) mitteilte, waren 2012 in Deutschland 17,7 Millionen Frauen im Alter von 20 bis 64 Jahren erwerbstätig. Das seien 71,5 Prozent dieser Altersgruppe.

Höher war der Anteil erwerbstätiger Frauen nur in den Niederlanden (71,9 Prozent), Dänemark (72,2), Finnland (72,5) und Schweden (76,8). Der EU-Durchschnitt lag bei 62,3 Prozent. In Griechenland (45,2) und Malta (46,8) hatte nicht einmal jede zweite Frau einen Job.

Fragen und Antworten zur Frauenquote

Ein Drittel Frauen in Aufsichtsräten ab 2016. Ist das ein Durchbruch?

Ja und Nein. Es hat auf jeden Fall einen symbolischen Wert nach dem jahrelangen, teils erbitterten Streit. Allein die Union stritt sich intern vehement, die Frauenquote war unter anderem ein Anlass für das Zerwürfnis der CDU-Ministerinnen Ursula von der Leyen und Kristina Schröder. Leyen wollte eine feste Quote für Aufsichtsrat und Vorstände. Schröder brachte eine Flexi-Quote für Unternehmen ins Spiel, deren gesetzliche Verankerung scheiterte allerdings an der FDP. Gestaltungsmacht in Unternehmen haben allerdings vor allem Vorstände - und hier darf sich auch nach dem Kompromiss jedes Unternehmen eigene Zielgrößen geben.

Wer konnte sich nun durchsetzen - Union oder SPD?

Die SPD hatte zuletzt vorgeschlagen, in Aufsichtsräten den Anteil weiblicher Führungskräfte stufenweise auf bis zu 40 Prozent im Jahr 2021 zu erhöhen und favorisierte für Vorstände eine feste Quote. Die Union wollte eine 30-Prozent-Quote für Aufsichtsräte erst 2020. Die SPD kann den früheren Zeitpunkt für sich verbuchen, die Union wiederum, eine feste Quote für Vorstände verhindert zu haben. CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe sagte, der Beschluss trage „in wesentlichen Punkten die Handschrift der Union“. SPD-Parteivize Manuela Schwesig reklamierte dies auch für die SPD. So laufen Koalitionsverhandlungen.

Wie ist der Stand heute in den Wirtschaftsetagen?

Die Zahl der Frauen in den Führungsetagen der 160 börsennotierten Top-Unternehmen in Deutschland wächst nur sehr langsam. Zwölf Jahre nach der Selbstverpflichtung der Wirtschaft, mehr Frauen in Aufsichtsräte und Vorstände zu berufen, liegt ihr Anteil nach Angaben der Initiative Frauen in die Aufsichtsräte (FidAR) bei 11,7 Prozent (Stand 15. September 2013). In den Aufsichtsräten beträgt danach der Frauenanteil 17,4 Prozent, bei den Vorständen 6,1 Prozent. 37 der 160 Unternehmen haben seit Januar 2011 erstmals in ihrer Geschichte eine Frau in die Kontrollgremien berufen, einige auch in die Chefetage. Bei 31 dieser Top-Unternehmen gibt es allerdings in der Führungsetage noch immer keine einzige Frau.

Wie reagieren die Unternehmen?

Nach außen gelassen: Beim Autobauer Daimler beispielsweise sind bereits fünf von 20 Aufsichtsratsmitgliedern Frauen. Drei davon sitzen auf der Seite der zehn Arbeitgebervertreter: „Das entspricht dort bereits dem Anteil von 30 Prozent“, sagte eine Sprecherin am Montag. „Wir erfüllen die Quote also momentan schon nahezu.“ Europas größter Autobauer Volkswagen müsste den Frauenanteil in seinem Aufsichtsrat dagegen spürbar erhöhen. Von den insgesamt 20 Mitgliedern in dem Kontrollgremium sind bisher erst drei weiblich; zwei auf Kapital- und eines auf der Arbeitnehmerseite.

Aus Sicht von IG-Metall-Vorstandsmitglied Christiane Benner ist dieser hohe Beschäftigungsgrad der Frauen in Deutschland irreführend: „Die nackte Zahl an berufstätigen Frauen sagt nichts über die Qualität der Jobs aus. Es ist kein Zufall, dass zwei Drittel der insgesamt über sieben Millionen Minijobber weiblich sind.“ In Deutschland habe noch immer die Hälfte der Bevölkerung nur wegen ihres Geschlechtes eingeschränkte Berufsoptionen, schlechtere Entwicklungschancen, weniger Einkommen und weniger Rente.

Das sehen nach einer Forsa-Umfrage im Auftrag der IG Metall auch die meisten Deutschen so. Die Meinung, dass Frauen in allen Bereichen den Männern „voll und ganz gleichgestellt“ seien, vertraten demnach nur 19 Prozent der Befragten. 78 Prozent waren der Meinung, dass Frauen in bestimmten Bereichen benachteiligt würden.

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