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25.01.2016

15:43 Uhr

Übergriffe in der Silvesternacht

„Die Täter von Köln müssen hart bestraft werden“

VonMahmoud Serhan

Mahmoud Serhan ist entsetzt. Der palästinensische Journalist und Syrien-Kenner fordert eine harte Bestrafung der Täter von Köln und vertraut auf die deutsche Justiz – und warnt vor den Folgen der Silvesternacht.

Die Übergriffe von Köln sind entsetzlich. Doch Kolumnist Mahmoud Serhan fürchtet auch den Rassismus, dem sie neuen Nährboden geben. dpa

Polizei am Kölner Hauptbahnhof

Die Übergriffe von Köln sind entsetzlich. Doch Kolumnist Mahmoud Serhan fürchtet auch den Rassismus, dem sie neuen Nährboden geben.

BerlinDie sexuellen Belästigungen und Diebstähle in Köln haben in Deutschland eine hitzige Debatte über die Migrationspolitik der deutschen Regierung ausgelöst. Auch unter uns Flüchtlingen haben wir intensiv über die Vorfälle gesprochen. Wir verurteilen diese kriminellen Taten.

Wir haben sehr großen Respekt vor dem großen Wohlwollen und der Unterstützung, die wir von den Deutschen erfahren haben, als wir in dieses Land gekommen sind. Keiner von uns wird jemals vergessen, wie im vergangenen Herbst Frauen und Männer an die Bahnhöfe gekommen sind, um die Neuankömmlinge zu begrüßen, ihnen zu helfen und sie zu unterstützen. Deshalb werden wir nicht akzeptieren, dass diesen gütigen Menschen Leid zugefügt wird.

Die Chronologie der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof

21.00 Uhr

Auf dem Bahnhofsvorplatz und der Domtreppe kommen nach Polizeiabgaben 400 bis 500 augenscheinlich betrunkene Menschen zusammen, sie sind teilweise aggressiv. Unkontrolliert werden Böller und Raketen abgebrannt.

23.00 Uhr

Gedränge vor dem Hauptbahnhof, mittlerweile sind mehr als 1000 Menschen zusammengekommen. Es handelt sich „ausschließlich um junge Männer“, wie die Polizei später berichtet. Nach wie vor werden Raketen abgeschossen, einige davon absichtlich in die Menge. Polizeidirektor Michael Temme beschreibt die Stimmung im Nachhinein als „aggressiv“.

23.15 Uhr

Teile der Menge werden von einigen Menschen eingekreist. Mehrere Handys sollen dabei gestohlen worden sein. Weiterhin werden Raketen und Böller gezündet.

23.30 Uhr

Die Polizei räumt die Domtreppe und den Bahnhofsvorplatz, aus Sicherheitsgründen und um eine Panik zu vermeiden, wie es heißt. Nach ihren Angaben beruhigt sich die Situation.

00.30 Uhr

Nach Angaben des „Kölner Stadt-Anzeigers“ herrscht am Hauptbahnhof eine aggressive Stimmung: Mindestens 200 angetrunkene junge Männer mit ausländischem Hintergrund pöbeln in der überfüllten Bahnhofshalle Passanten an und belästigen zahlreiche Frauen.

00.45 Uhr

Die Lage beruhigt sich laut Polizei zunächst. Der Zugang zum Hauptbahnhof wird wieder freigegeben, der Platz füllt sich erneut. Erste Strafanzeigen von betroffenen Frauen wegen Diebstahls, einige von ihnen berichten laut Polizei von sexuellen Übergriffen aus den Gruppen heraus auf Passanten. Es werden alle Beamten vor dem Hauptbahnhof zusammengezogen, knapp 150 Polizisten sollen im Einsatz sein. Frauen ohne Begleitung werden angesprochen und zum Bahnhofseingang begleitet. Es soll aber auch im Bahnhof Übergriffe geben. Dort ist allerdings nicht die Kölner Polizei zuständig, sondern die Bundespolizei.

04.00 Uhr

Nach Einschätzung der Polizei beruhigt sich die Lage wieder.

08.57 Uhr

In einer Pressemitteilung schreibt die Polizei, die Silvesterfeier „auf den Rheinbrücken, in der Kölner Innenstadt und in Leverkusen [sei] friedlich“ verlaufen. Die Vorgänge am Dom werden nicht erwähnt.

02. Januar, 17.00 Uhr

Kölns Polizei informiert jetzt auch über die Übergriffe. Es seien Anzeigen von 30 Betroffenen erstattet worden, eine Ermittlungsgruppe wird eingerichtet.

Ich spreche für alle Flüchtlinge, die ich kenne, wenn ich sage, dass wir geschockt sind von den Vorkommnissen in Köln. Wir betrachten die Täter als Menschen mit sozialen und psychischen Problemen, die nicht für die Mehrheit der Flüchtlinge stehen.

Die Menschen, die diese Taten begangenen haben, müssen hart bestraft werden, genauso, wie es Bundeskanzlerin Angela Merkel und weitere Regierungsmitglieder gefordert haben. Sie müssen die sozialen und moralischen Regeln und Gesetze in Deutschland lernen und sie akzeptieren, damit sie gute Bürger dieser Gesellschaft werden können.

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Die deutsche Regierung hat stets davor gewarnt, Vorfälle wie die in Köln zu verallgemeinern und Migranten generell unter Verdacht zu stellen. Aber, wie wir befürchtet hatten, scheren sich Gruppen wie Pegida nicht um diese Warnungen. Gruppen, die ohnehin gegen Migranten sind, nutzen nun die Taten, die in Köln begangenen wurden, um die Integrationsbemühungen der Flüchtlinge, der Gesellschaft und der Regierung zu beschädigen.

Dabei ist es ihnen auch egal, dass unter den mutmaßlichen Tätern von Köln laut offizieller Polizeistatistik nicht nur „Nordafrikaner und Araber“, sondern auch Männer ohne Migrationshintergrund waren, darunter auch ein Amerikaner und zwei Deutsche.

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