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02.05.2016

18:02 Uhr

Übergriffe in Silvesternacht

Polizist spricht von versuchter Einflussnahme

Das NRW-Innenministerium hat bei der Kölner Polizei nach der Silvesternacht interveniert: Meldungen zu weiblichen Opfern sollten gestrichen werden, berichtet ein Kriminalhauptkommissar im Untersuchungsausschuss.

In der Kölner Silvesternacht kam es zu Übergriffen am Hauptbahnhof. Im „Untersuchungsausschuss Silvesternacht“ werden die Geschehnisse jetzt aufgearbeitet. dpa

Untersuchungsausschuss Silvesternacht

In der Kölner Silvesternacht kam es zu Übergriffen am Hauptbahnhof. Im „Untersuchungsausschuss Silvesternacht“ werden die Geschehnisse jetzt aufgearbeitet.

DüsseldorfIm „Untersuchungsausschuss Silvesternacht“ des NRW-Landtags hat ein Kölner Kriminalhauptkommissar von versuchter Einflussnahme berichtet – angeblich auf Wunsch des Innenministeriums. Dabei geht es um eine polizeiinterne sogenannte WE-Meldung über „wichtige Ereignisse“, in der auch von einer Vergewaltigung die Rede war.

Eine junge Frau habe nach der Silvesternacht angezeigt, ihr seien inmitten eines aus rund 50 ausländischen Männern bestehenden Pulks Finger in den Körper eingeführt worden. Nach der WE-Meldung habe am Neujahrstag ein Beamter der Leitstelle in der Kölner Kriminalwache angerufen, berichtete der Kommissar. In barschem Ton habe der Anrufer gesagt: „Das sind doch keine Vergewaltigungen. Das streicht ihr. Storniert die WE-Meldung.“ Als der Kommissar sich über den Ton und das Ansinnen beschwert habe, habe der Anrufer erwidert. „Ja, das sind Wünsche aus dem Ministerium. Ich gebe das jetzt auch nur so weiter.“

Missbrauch in der Silvesternacht

Was ist über die Täter bekannt?

Bisher erstaunlich wenig. Zeugen und Opfer berichten - laut Polizei übereinstimmend - von Männern, die „dem Aussehen nach aus dem arabischen oder nordafrikanischen Raum“ stammen. So hat es der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers auf der Pressekonferenz am Montag formuliert. Demnach soll eine Gruppe von Männern auf dem Domplatz gewesen sein, die meisten von ihnen zwischen 15 und 35. In kleineren Gruppen sollen sie Frauen umzingelt, sexuell belästigt und ausgeraubt haben, in einem Fall auch vergewaltigt. 90 Anzeigen gibt es bis Dienstagmittag. „Wir haben noch keine konkreten Täterhinweise“, sagt Heidemarie Wiehler von der Direktion Kriminalität.

Hatten sich die Männer vorab verabredet?

Die Polizei gibt auf diese Frage keine konkrete Antwort. Wenn aber so viele Taten nach einem so ähnlichem Muster verübt würden, liege die Vermutung nahe, dass die Täter in irgendeiner Form miteinander verbunden seien, sagt ein Polizeisprecher lediglich.

Wie war die Polizei aufgestellt?

Die Bundespolizei, die für den Bahnhof zuständig ist, war nach Angaben von Wolfgang Wurm, Präsident der Bundespolizeidirektion Sankt Augustin, mit 70 Kräften vor Ort. Die Kölner Polizei hatte im Bereich Hauptbahnhof und Dom rund 140 Beamte im Einsatz. Einige davon wurden aus anderen Teilen der Innenstadt zum Bahnhof geschickt, als dort die Lage eskalierte. „Für den Einsatz, den wir voraussehen konnten, waren wir sehr gut aufgestellt“, sagt Wurm. Wie sich der Einsatz dann tatsächlich entwickelt habe, sei eine „völlig neue Erfahrung“ und „für uns nicht absehbar“ gewesen: „Dafür hätten wir sicherlich ein wenig mehr Kräfte benötigt.“

Wie konnte es trotz Polizeipräsenz zu so vielen Straftaten kommen?

Von den sexuellen Übergriffen und Diebstählen erfuhr die Polizei Wurm zufolge größtenteils im Laufe der Silvesternacht durch die wachsende Zahl von Anzeigen. Die Taten selbst hätten die anwesenden Polizeibeamten nicht beobachtet, weil diese sich in einer riesigen und unübersichtlichen Menschenmenge abgespielt hätten. Festnahmen habe es keine gegeben, weil Zeugen und Opfer die Täter im Getümmel nicht wiedererkannt hätten.

Was will die Polizei künftig anders machen?

Vor allem im Hinblick auf den bevorstehenden Karneval kündigt die Polizei an, die Einsatzkräfte bei Großveranstaltungen weiter aufzustocken, auch mit Zivilbeamten. Polizeipräsident Albers zufolge soll auch geprüft werden, ob bestimmte Bereiche stärker mit Videokameras überwacht werden. Über weitere Maßnahmen wollen Polizei und Stadt gemeinsam nachdenken.

NRW-Polizeiinspekteur Bernd Heinen hatte im vergangenen Monat im Innenausschuss des Landtags ausgeschlossen, dass es am Neujahrstag ein Telefonat der Landesleitstelle mit dem Polizeipräsidium Köln gegeben habe. Der jetzige Zeuge sagte im Untersuchungsausschuss, den Namen des Anrufers habe er sich nicht notiert. Er sei dann auch weder bedrängt noch offiziell zu Korrekturen angewiesen worden.

Für ihn sei eine solche Intervention in seiner bisherigen Laufbahn einmalig, sagte der 52-Jährige. Dennoch werte er den Anruf nicht als Vertuschungsversuch. „Da hat jemand den Begriff Vergewaltigung nicht erkannt.“ Hunderte Frauen haben nach der Silvesternacht in Köln angezeigt, sie seien von ausländischen Männergruppen bedrängt, beraubt und begrapscht worden - bis hin zu Vergewaltigungen.

Von

dpa

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