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06.03.2017

16:09 Uhr

Übernahme durch PSA

Politik segnet Opel-Deal ab

VonKlaus Stratmann

Der französische PSA-Konzern kauft den Autobauer Opel. Die deutsche Politik bewertet die Entwicklung positiv. Allerdings wollen Bund und Länder den Vertragspartnern weiter genau auf die Finger schauen.

PSA-Übernahme

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BerlinWas die Bundeswirtschaftsministerin und die Ministerpräsidenten mit Opel-Standorten zu verkünden haben, klingt geradezu feierlich: „Das heutige Signing ist ein erster Schritt, um in Europa einen europäischen Global Player durch den Zusammenschluss von Opel/Vauxhall und PSA auf den Weg zu bringen. Es ist gut, dass es die Zusage gibt, die bestehenden Verträge über Standorte, Beschäftigung und Investitionen zu erhalten und Opel/Vauxhall als eigenständige Marke mit einem eigenständigen Management fortzuführen“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD), der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und deren Amtskollegen aus Hessen und Thüringen, Volker Bouffier (CDU) und Bodo Ramelow (Linke).

Doch dem Beifall folgt eine eindeutige Mahnung. Es stünden noch entscheidende Schritte an, schreiben die Politiker weiter. „Die Verträge müssen intensiv geprüft werden, insbesondere von den Vertretern der Arbeitnehmer. In dem nun folgenden Prozess muss Transparenz sichergestellt werden. Es muss gewährleistet sein, dass das europäische Management von Opel/Vauxhall, der Gesamtbetriebsrat und der europäische Betriebsrat von Opel/Vauxhall in vollem Umfang in die weiteren Gespräche einbezogen werden. Ihr Wissen muss zum Wohle des Konzerns in die Beratungen einfließen", heißt es in der Erklärung weiter.

Peugeot und Opel im Vergleich

Opel - Ergebnis

Der deutsche Autobauer kam auch 2016 nicht aus den roten Zahlen. 257 Millionen Dollar Jahresverlust verbuchte die US-Mutter General Motors in ihrem Europa-Geschäft, was einer Verbesserung von rund 600 Millionen Dollar gegenüber 2015 entspricht. Opel wies bei der Vorlage der Zahlen darauf hin, dass ohne das Brexit-Votum und den Absturz des britischen Pfunds ein positives Jahresergebnis erreicht worden wäre. Der Umsatz des Opel/Vauxhall-Geschäfts betrug im vergangenen Jahr 17,7 Milliarden Euro.

PSA Group - Ergebnis

Dank radikaler Sanierung verdoppelte der französische Autobauer seinen Nettogewinn 2016 fast auf 1,7 Milliarden Euro. Gespart wurde bei Einkauf, Produktion und Verwaltung, auch höhere Preise trugen zum Anstieg bei. Der Umsatz verringerte sich im vergangenen Jahr um ein Prozent auf 54 Milliarden Euro.

Opel - Absatz

Die Marke mit dem Blitz verkauft im Jahr rund eine Million Autos. 2016 erzielte der Hersteller mit einem Absatz von fast 997.000 Fahrzeugen einen Marktanteil von 6,6 Prozent in Westeuropa. Opel befindet sich nach eigenen Angaben in der größten Modelloffensive seiner Geschichte: Die Rüsselsheimer wollen bis 2020 insgesamt 29 neue Fahrzeuge und 17 neue Motoren auf den Markt bringen.

PSA - Absatz

Die Franzosen verkauften 2016 weltweit mehr als drei Millionen Fahrzeuge ihrer drei Marken Peugeot, Citroen und DS. In Westeuropa, wo sie mit fast 1,5 Millionen Autos rund die Hälfte ihres Absatzes erzielen, hat der Konzern einen Marktanteil von 9,7 Prozent. Damit lagen sie 2016 hinter Platzhirsch Volkswagen mit 24,1 Prozent und dem französischen Konkurrenten Renault mit 10,1 Prozent auf dem dritten Platz. Zusammen mit Opel will PSA den zweitgrößten Autobauer in Europa nach dem VW-Konzern schmieden und auf einen Marktanteil von 17 Prozent kommen. Peugeot hat angekündigt, in Europa 28 neue Modelle bis 2021 auf den Markt zu bringen.

Opel - Mitarbeiter

Opel beschäftigt gut 38.000 Mitarbeiter. Mehr als 19.000 davon arbeiten in Deutschland, vor allem in Rüsselsheim, Kaiserslautern und Eisenach.

PSA - Mitarbeiter

Die PSA Group ist mit weltweit 184.000 Mitarbeiter deutlich größer als Opel.

Quelle: Unternehmensangaben/Reuters

Der französische Autobauer PSA übernimmt von General Motors für einen Kaufpreis von 1,3 Milliarden Euro die europäischen Automarken Opel und Vauxhall. Zu dem Geschäft gehört auch ein Joint Venture mit der Bank BNP Paribas, so dass sich ein Gesamtvolumen von 2,2 Milliarden Euro ergibt. Betroffen sind rund 40.000 Angestellte in zwölf Fabriken. Sollten die Kartellbehörden zustimmen, entstünde der nach Volkswagen zweitgrößte europäische Autokonzern. Die Produktion könnte bei fünf Millionen Autos pro Jahr liegen. Das Geschäft soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein.

Die Druckmittel der Politik in Deutschland sind allerdings begrenzt. Offenbar setzt man hierzulande aber auf Unterstützung aus Paris: „Wir haben die Chance, den guten Gesprächsfaden mit der der französischen Regierung zu erhalten und zu nutzen“, hieß es in deutschen Regierungskreisen. Der französische Staat hält 14 Prozent am PSA-Konzern und sitzt daher mit am Verhandlungstisch.

Es gehe darum, den Opel-Betriebsrat in den kommenden Monaten zu unterstützen, hieß es in den Kreisen weiter. Die Arbeitnehmervertreter müssten im nächsten Schritt die Möglichkeit erhalten, die Verträge zu prüfen. Bislang hätten sie diese nur in Auszügen zu sehen bekommen. „Wir werden dafür Sorge tragen, dass Zusagen eingehalten werden“, hieß es in den Kreisen weiter.

Der Koordinator von Bund und Ländern in den Verhandlungen zwischen PSA und GM, Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Machnig, bewertete positiv, dass es nun ein einheitliches Unternehmen „Opel gibt – im Unterschied zu den gestückelten Unternehmensformen im bisherigen GM-Verbund“. Das stärke die Arbeitnehmervertretung und deren Mitbestimmungsrechte, aber auch das deutsche Management.

Was bedeutet der Verkauf für die Zukunft von Opel?

Positiv ist Machnig auch für das Entwicklungszentrum von Opel in Rüsselsheim gestimmt. Es sei „ein Kernelement“ von Opel. „Da der Markenwert von Opel höher ist, als der von PSA, hat PSA ein Interesse daran, von diesem Wert zu profitieren“, sagte Machnig. Das sei auch ein Hinweis darauf, dass man Opel mittelfristig zu einem starken Partner machen wolle.

Kommentare (1)

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Herr Günther Schemutat

06.03.2017, 11:39 Uhr

Diese Satire kann ich mir nicht verkneifen .

Die Übernahmebedingungen zwischen PSG und Opel wurde im Eisenbahnwagen von Compiegne beschlossen.

Gerne hätte ich auch als damaliger Opel Fahrer gesehen, dass man Opel nach Haus holt durch einen Deutschen Autobauer. Das VW gescheitert ist Opel zu kaufen
ist mir unbegreiflich. Opel auf dem Weltmarkt und nicht nur in Europa hat eine gute Chance , hoffen wir das die Franzosen Opel nicht als Denkfabrik nutzen für ihre Autos.

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