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22.06.2017

10:50 Uhr

Überwachungsgesetz im Bundestag

So soll der Staatstrojaner bei WhatsApp mitlesen

Bekommt Innenminister de Maizière seinen Willen? Der Bundestag stimmt heute über ein Überwachungsgesetz ab. Der Staat will auf Messenger zugreifen können: Wo die Daten abgegriffen werden – und welche Risiken bestehen.

Wie sicher ist die Kommunikation über Messenger-Dienste vor dem Staat? Imago

Thomas de Maizière am Smartphone

Wie sicher ist die Kommunikation über Messenger-Dienste vor dem Staat?

BerlinDer Bundestag will am Donnerstagnachmittag ein Gesetz zur Überwachung von Messenger-Diensten wie etwa WhatsApp verabschieden. Die Verschlüsselung soll dabei nicht angetastet werden. Fragen und Antworten.

Wie wollen die Ermittlungsbehörden die Kommunikation über Messenger-Dienste wie WhatsApp oder Telegramm überhaupt mitlesen, wo diese doch mit Komplett-Verschlüsselung werben?
Die Übermittlung zwischen Geräten der beteiligten Nutzer ist zwar so verschlüsselt, dass auch die Anbieter keinen Zugriff auf die Inhalte haben – aber die Nachrichten müssen ja auch von den Menschen geschrieben und gelesen werden. Dafür sind sie in entschlüsselter Form auf dem Bildschirm zu sehen – und genau hier wollen die Ermittler die Informationen abgreifen. Das nennt man Quellen-Telekommunikationsüberwachung („Quellen-TKÜ“).

Wie soll das funktionieren?
Mit einem Staatstrojaner, einer Software, die sich heimlich im Gerät einnistet und Daten an ihre Betreiber weitergibt. Technisch gesehen ist es die gleiche Vorgehensweise, zu der auch Online-Kriminelle greifen – nur eben in diesem Fall zur Aufklärung von Verbrechen.

Um welche Straftaten geht es dabei?
Nach einem Grundsatzurteil des Bundesverfassungsgerichts waren solche Eingriffe bisher auf Terrorismus-Ermittlungen beschränkt. Das neue Gesetz sieht eine deutliche breitere Liste mit Mord, Totschlag, Steuerdelikten, Computerbetrug, Hehlerei oder Verleitung zur missbräuchlichen Asylantragsstellung vor. Ähnlich wie bei klassischen Abhörmaßnahmen soll die Online-Überwachung nur auf richterlichen Beschluss möglich sein.

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Soll es dabei auch Hintertüren in der Verschlüsselung der Messenger-Dienste geben?
Nein, davon ist in Deutschland nicht die Rede. „Wir wollen, dass Messenger-Dienste eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung haben, damit die Kommunikation unbescholtener Bürger ungestört und sicher ist“, betonte Innenminister Thomas de Maizière jüngst in einem Gespräch mit dem „Tagesspiegel“.

Was sind die Risiken?
Um auf die Geräte zu kommen, müssen die Behörden Sicherheitslücken in ihrer Software kennen und ausnutzen können. IT-Sicherheitsexperten werden nicht müde, zu warnen, dass solche Schwachstellen, die man bewusst bestehen lässt, gefährlich sind, weil sie auch von Kriminellen entdeckt und missbraucht werden können.

Gibt es Beispiele dafür?
Gerade vor kurzem wurde eine ursprünglich von dem US-Abhördienst NSA entdeckte Sicherheitslücke im Windows-Betriebssystem für einen weltweiten Angriff mit dem Erpressungstrojaner „WannaCry“ ausgenutzt. Sie war nach einem Datenleck bei dem Geheimdienst öffentlich geworden.

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Wie stellt man sicher, dass die Ermittler nur wie vorgesehen die laufende Kommunikation mitlesen können?
Dass man die Zugriffsmöglichkeiten schlecht einengen kann, sobald der Trojaner erst einmal auf einem Gerät installiert wurde, ist einer der Einwände von Kritikern des Plans. „Der Richtervorbehalt ist völlig unzureichend, um die Reichweite der Software zu kontrollieren und sicherzustellen, dass diese auch wieder abgeschaltet wird. Einem Richter fehlen dazu die technische Sachkunde und eine unabhängige Expertise“, sagte etwa der Grünen-Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die Pläne ohne größere öffentliche Debatte in ein langes Gesetz „zur effektiveren und praxistauglicheren Ausgestaltung des Strafverfahrens“ gesteckt wurden.

Wie einfach ist es überhaupt, einen solchen Trojaner zu platzieren?
Wie man in PCs eindringt, führen Online-Kriminelle tagtäglich vor. Moderne Smartphones wurden mit einer deutlich stärkeren Architektur versehen. Geräte mit dem meistgenutzten Mobil-System Android gelten unter Fachleuten als etwas leichter zu hacken, weil noch viele ältere Versionen der Software im Umlauf sind und die Telefone von vielen verschiedenen Herstellern gebaut werden, während Apple bei seinem iPhone Hardware und Software selbst unter Kontrolle hat. Sicherheitslücken tauchten aber in der Vergangenheit in beiden Betriebssystemen auf. Es gibt einen Markt für solche Schwachstellen, auf den auch Behörden zugreifen.

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Von

dpa

Kommentare (15)

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Herr Günther Schemutat

22.06.2017, 11:18 Uhr

Nach reiflicher Überlegung muss man sagen, die immer weiter ausufernde Überwachung macht stutzig. Zum einem ist eine GROKO mit Mehrheit um das GG zu ändern und keine Opposition weit und breit gefährlich für die Demokratie. Zum zweiten kommt mittlerweile der Verdacht auf, dass die Regierung sich den Terrorismus zu eigen macht und immer neue Überwachungsmittel einsetzt , während Gefährder mit Polizisten spazieren gehen bis sie sagen Tschüss.. heute habe ich was vor. Persönlich wünsche ich mir , dass GG Änderungen als letztes vom GGG überprüft werden.

Das ausspionieren von Handys etc der Bürger und all die anderen Mittel sind
gefährlich wenn sie eines Tages in die Hände von Regierungen fallen, die
schlimmer sind als Merkel,Gabriel und Co. Oder schlimmer in 30 Jahren
einer Islamische Regierung . Man muss an die Zukunft denken , auch wenn es so aussieht, die sieht düster aus.

Herr Grutte Pier

22.06.2017, 12:49 Uhr

die feuchten Träume von Erich Mielke werden wahr.....

Frau Annette Bollmohr

22.06.2017, 12:55 Uhr

Die ganze Macht in den Händen einiger weniger, das ist hier das Problem.

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