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26.09.2014

17:31 Uhr

Ukraine-Berichterstattung

Grüne attackieren ZDF-Chefredakteur

VonDietmar Neuerer

ExklusivDie Kritik am ZDF wegen seiner Ukraine-Berichterstattung wächst. Nachdem der Chefredakteur des Senders im Fernsehrat kritische Nachfragen der Linken abblockte, melden sich nun die Grünen zu Wort.

Peter Frey, Chefredakteur des ZDF: Keine Antworten auf kritische Nachfragen. dpa

Peter Frey, Chefredakteur des ZDF: Keine Antworten auf kritische Nachfragen.

BerlinDass der ZDF-Chefredakteur Peter Frey im Fernsehrat des Senders kritische Fragen der Linksfraktion-Abgeordneten Gesine Lötzsch zu einem Ukraine-Beitrag in einer „Heute“-Sendung nicht beantworten wollte, stößt auf Kritik bei den Grünen. „Dass kritische Fragen unbeantwortet bleiben, weil der Unterton nicht passt – zumal auch andere Medien, wie die „Jüdische Allgemeine“ das Thema behandelt haben – ist sicherlich nicht förderlich für die Arbeit dieses Gremiums“, sagte die medienpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Tabea Rößner, dem Handelsblatt (Online-Ausgabe).

„Wenn die Arbeit wegen Befindlichkeiten zum Stocken kommt, ist es an dem Vorsitzenden des Fernsehrates, einzugreifen, so dass Themen vollständig diskutiert und Fragen beantwortet werden.“ Vorsitzender des Fernsehrats ist der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Ruprecht Polenz.

Rößner wies darauf hin, dass das ZDF Zuschauern einen „objektiven Überblick“ über das Weltgeschehen geben und insbesondere ein „umfassendes Bild“ der deutschen Wirklichkeit vermitteln und die individuelle und öffentliche Meinungsbildung fördern solle. „Der Fernsehrat ist dementsprechend dazu da die Sendungen des ZDF auf Anspruch und Wirklichkeit hin zu überprüfen“, sagte die Grünen-Politikerin und fügte hinzu: „Dazu gehört es, dass Fernsehratsmitglieder auch kritische Fragen stellen dürfen.“

Streitpunkte im Ukraine-Konflikt

Kämpfe im Donbass

Fast täglich berichten Militär und prorussische Separatisten von zahlreichen Toten. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen verloren in dem Konflikt mehr als 2000 Menschen ihr Leben.

Humanitäre Krise

Hunderttausenden Menschen in der Ostukraine fehlt seit Wochen das Nötigste. Moskau schickte in einem umstrittenen Konvoi gut 2000 Tonnen Hilfsgüter. Auch die Ukraine entsandte daraufhin Hilfe ins Krisengebiet.

Hilfskonvois

Moskaus einseitig durchgeboxte Hilfsaktion ohne Zustimmung Kiews löste massive internationale Kritik aus. Die Ukraine brandmarkte die Einfahrt des Konvois als „Invasion“. Am Montag kündigte die Führung in Moskau einen zweiten Hilfskonvoi an.

Militär

Russland hat Zehntausende Soldaten an der Grenze zur Ukraine zusammengezogen. Kiew verdächtigt Russland, die Separatisten heimlich mit Waffen und Kämpfern auszustatten. Russland weist dies zurück und kritisiert die Stationierung von Nato-Einheiten in Osteuropa.

Gasstreit

Wegen unbezahlter Rechnungen hat Russland der Ukraine im Juni das Gas abgedreht. Kiew droht Moskau mit einer Unterbrechung des Öl- und Gastransits nach Westeuropa.

Freihandelsabkommen

Russland sieht in einem Freihandelsabkommen der Ukraine und der EU eine Gefährdung seines eigenen Handels. Der Kreml will dies nun von russischen und ukrainischen Experten prüfen lassen.

Krim

Nachdem prorussische Bewaffnete auf der Krim strategisch wichtige Gebäude besetzt hatten, spaltete sich die Halbinsel im März in einem umstrittenen Referendum von der Ukraine ab. Moskau gliederte die Krim in die Russische Föderation ein; Kiew erkennt dies nicht an.

Hintergrund ist, dass Frey in der Fernsehrat-Sitzung am vergangenen Freitag kritische Nachfragen der Linkspartei-Politikerin Lötzsch zu einem Bericht über die Ost-Ukraine, in dem Kämpfer mit Hakenkreuz und SS-Rune am Stahlhelm gezeigt werden, nicht beantworten wollte. Das geht aus einem Brief von Lötzsch an Frey hervor, der dem Handelsblatt (Online-Ausgabe) vorliegt.

Frey war demnach vom „Unterton“ der Fragen von Lötzsch befremdet. „Mit diesem allgemeinen Vorwurf kann ich nichts anfangen“, schreibt die Bundestagsabgeordnete in ihrem Brief. „Besonders ärgerlich ist es, wenn Sie Fragen eines Fernsehratsmitgliedes kritisieren, um sie nicht beantworten zu müssen.“ Lötzsch forderte Frey auf, ihre Fragen schriftlich zu beantworten.

Kommentare (7)

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Herr Paul Müller

26.09.2014, 18:28 Uhr

Man fragte sich, was Herrn Kleber so umtreibt, bei seinem arroganten und überheblichem Interview von Herrn Kaeser. Wie kann sich ein ZDF Mitarbeiter im Jahr 2014 wie Roland Freisler aufführen? Demagogie vom feinsten. Wo kommt das her? Nun wissen wir es. Der Fisch fängt vom Kopf an zu stinken. Und der Gestank ist mittlerweile unerträglich widerlich!

Herr walter danielis

26.09.2014, 18:51 Uhr

Der mündige und aufgeklärte Bürger hat die Bilder gesehen und kann sie einordnen. Er braucht dazu keinen Kommentar der ihm die Bilder erklärt und auslegt. Im ZDF wird bei den Nachrichten viel zuviel kommentiert, keinesfalls zu wenig.

Sergio Puntila

26.09.2014, 19:31 Uhr

Die Grünen sind im Begriff der FDP den Rang ablaufen zu wollen.
Wer sich das da ausgedacht hatte wird ggf selbst am Besten wissen, wie sich die Grünen aus dem BT selbst rauskicken werden vmtl.
Man sollte sich mal anhören, was die Grünen im BT so alles absondern, ohne dass das hohe Haus in Gelächter verfällt...

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