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27.09.2014

17:51 Uhr

Ukraine-Berichterstattung

Vorsitzender des Fernsehrats nimmt ZDF in Schutz

VonDietmar Neuerer

Das ZDF steht wegen seiner Ukraine-Berichterstattung in der Kritik – auch, weil der Chefredakteur kritische Fragen im Fernsehrat abblockte. Der Vorsitzende des Gremiums hält die Aufregung für unangemessen.

ZDF-Fernsehrat-Vorsitzende Ruprecht Polenz (r.) mit Intendant Thomas Bellut: „Die Gremien haben die Berichterstattung  ausdrücklich gelobt.“ dpa

ZDF-Fernsehrat-Vorsitzende Ruprecht Polenz (r.) mit Intendant Thomas Bellut: „Die Gremien haben die Berichterstattung ausdrücklich gelobt.“

BerlinDer Vorsitzende des ZDF-Fernsehrats, Ruprecht Polenz (CDU), hat Kritik aus der Linkspartei an der Ukraine-Berichterstattung des Senders deutlich zurückgewiesen. „Die ZDF-Gremien haben die Ukraine-Berichterstattung des ZDF ausdrücklich gelobt und anerkannt“, schreibt Polenz auf seiner Facebook-Pinnwand. Lediglich die von der Linkspartei in den Fernsehrat entsandte Bundestagsabgeordnete Gesine Lötzsch sei anderer Meinung.

Lötzsch hatte in der Fernsehratssitzung am 19. September den ZDF-Chefredakteur Peter Frey mit kritischen Nachfragen konfrontiert, die dieser nicht beantworten wollte. Das geht aus einem Brief von Lötzsch an Frey hervor. Das Schreiben liegt dem Handelsblatt vor. Die Fragen von Lötzsch galten einem Bericht in der „heute“-Nachrichtensendung vom 8. September über die Ost-Ukraine. In dem Beitrag wurden kommentarlos Kämpfer des rechtsextremen ukrainischen Asow-Bataillons mit Hakenkreuz und SS-Rune am Stahlhelm gezeigt. Lötzsch forderte Frey in dem Schreiben auf, ihre Fragen schriftlich zu beantworten.

Streitpunkte im Ukraine-Konflikt

Kämpfe im Donbass

Fast täglich berichten Militär und prorussische Separatisten von zahlreichen Toten. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen verloren in dem Konflikt mehr als 2000 Menschen ihr Leben.

Humanitäre Krise

Hunderttausenden Menschen in der Ostukraine fehlt seit Wochen das Nötigste. Moskau schickte in einem umstrittenen Konvoi gut 2000 Tonnen Hilfsgüter. Auch die Ukraine entsandte daraufhin Hilfe ins Krisengebiet.

Hilfskonvois

Moskaus einseitig durchgeboxte Hilfsaktion ohne Zustimmung Kiews löste massive internationale Kritik aus. Die Ukraine brandmarkte die Einfahrt des Konvois als „Invasion“. Am Montag kündigte die Führung in Moskau einen zweiten Hilfskonvoi an.

Militär

Russland hat Zehntausende Soldaten an der Grenze zur Ukraine zusammengezogen. Kiew verdächtigt Russland, die Separatisten heimlich mit Waffen und Kämpfern auszustatten. Russland weist dies zurück und kritisiert die Stationierung von Nato-Einheiten in Osteuropa.

Gasstreit

Wegen unbezahlter Rechnungen hat Russland der Ukraine im Juni das Gas abgedreht. Kiew droht Moskau mit einer Unterbrechung des Öl- und Gastransits nach Westeuropa.

Freihandelsabkommen

Russland sieht in einem Freihandelsabkommen der Ukraine und der EU eine Gefährdung seines eigenen Handels. Der Kreml will dies nun von russischen und ukrainischen Experten prüfen lassen.

Krim

Nachdem prorussische Bewaffnete auf der Krim strategisch wichtige Gebäude besetzt hatten, spaltete sich die Halbinsel im März in einem umstrittenen Referendum von der Ukraine ab. Moskau gliederte die Krim in die Russische Föderation ein; Kiew erkennt dies nicht an.

Polenz erklärte, der zuständige Programmausschuss Chefredaktion habe sich in seiner Sitzung am 05. September mit der Krisenberichterstattung des ZDF in der Russland-Ukraine-Krise und im Gaza-Krieg befasst. Der Fernsehrat habe das am 19. September getan. „In der anschließenden Pressekonferenz habe ich ausführlich über die positive Bewertung der Ukraine-Berichterstattung des ZDF durch die ZDF-Gremien berichtet - nicht zuletzt deshalb, weil der ARD-Programmbeirat die ARD-Berichterstattung zur Ukraine kritisiert hatte“, unterstrich der CDU-Politiker.

Polenz gab in diesem Zusammenhang zu bedenken, dass in letzter Zeit viel über Versuche des Kreml zu lesen gewesen sei, mit Druck und Kampagnen in den sozialen Medien wie Facebook und Twitter Einfluss auf die öffentliche Meinung in Deutschland zur Russland-Ukraine-Krise zu nehmen. Und er fügt mit Blick auf die deutsche Berichterstattung hinzu: „Es wäre mehr als nur bedauerlich, wenn sich auch seriöse Zeitungen daran beteiligten.“

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