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24.07.2014

12:42 Uhr

Ukraine/Russland-Krise

Experte kritisiert Forderungen nach WM-Boykott

VonDietmar Neuerer

ExklusivIn der Ukraine-Krise wächst der Druck auf den Westen, härter gegen Russland vorzugehen. Viele Politiker fordern, Russland die Fußball-WM 2018 wegzunehmen. Doch an der Wirksamkeit einer solchen Maßnahme gibt es Zweifel.

Fifa-Präsident Sepp Blatter (l.) und Russlands Präsident Wladimir Putin: Ruf nach Verlegung der WM in Russland 2018 wird lauter. ap

Sepp Blatter, Wladimir Putin

Fifa-Präsident Sepp Blatter (l.) und Russlands Präsident Wladimir Putin: Ruf nach Verlegung der WM in Russland 2018 wird lauter.

BerlinJürgen Mittag, Professor für Sportpolitik an der Deutschen Sporthochschule Köln, hält die innerdeutsche Debatte über eine mögliche Boykott-Drohung für die Fußball-WM 2018 in Russland für nicht zielführend. „So richtig die Beobachtung ist, dass der Sport im Allgemeinen und Sportgroßveranstaltungen im Besonderen nie unpolitisch, sondern angesichts ihrer medialen und öffentlichen Resonanz immer auch Verstärker gesellschaftlicher und politischer Interessen sind, so falsch ist eine einfache Instrumentalisierung des Sports durch die Politik“, sagte Mittag Handelsblatt Online. „Die weitgehend wirkungslosen Boykotte der Olympischen Spiele 1976 bis 1984 haben gezeigt, dass der Sport kein Austragungsort für Konflikte der internationalen Politik sein kann.“

Gleichwohl stellten Sportgroßveranstaltungen „eine globale Bühne dar, die auch den Resonanzboden für öffentliche Debatten bilden“, sagte Mittag weiter. „Gefordert ist deswegen eine Politik mit Augenmaß, die längerfristige Entwicklungen, aber auch die Verantwortung der Sportorganisationen berücksichtigt.“ Jetzt eine Entscheidung über die WM 2018 zu treffen, wäre hingegen verfrüht, fügte der Sport-Professor hinzu. „Gefordert sind aber auch die internationalen Sportorganisationen, die bei ihrer Vergabepolitik stärker als bisher den Blick auch auf die politischen, humanitären und sozialen Bedingungen in den Austragungsstaaten zu richten haben.“

Geplante neue EU-Sanktionen gegen Russland

1. Grundsatzbeschluss

Wenn Firmen und milliardenschwere Oligarchen zur Destabilisierung der Ukraine beitragen, können sie auf eine schwarze Liste kommen.

2. Grundsatzbeschluss

Von Sanktionen betroffene Unternehmen dürfen keine Geschäfte mit EU-Firmen machen und können nicht mehr über Vermögenswerte in der EU verfügen. Anzahl und Namen der Unternehmen sind aber bisher offen.

3. Grundsatzbeschluss

Bis Ende Juli soll über eine erste Liste von Unternehmen entschieden werden, für die neuen Sanktionen gelten sollen.

4. Grundsatzbeschluss

Die Europäische Investitionsbank (EIB) soll die Unterzeichnung neuer Finanzierungsmaßnahmen in Russland aussetzen. Zudem wird die EU-Kommission aufgefordert, die Programme für die Zusammenarbeit mit Russland gegebenenfalls auszusetzen. Projekte aber, die auf die Zivilgesellschaft ausgerichtet seien, sollen aufrechterhalten werden.

Rückblick

Der EU-Gipfel vom 27. Juni hatte Russland aufgefordert, bis zum 30. Juni unter anderem für die Freilassung von OSZE-Geiseln zu sorgen und an Friedensverhandlungen teilzunehmen. Auf ausbleibende Fortschritte reagierte der EU-Ministerrat am 11. Juli mit elf weiteren Einreiseverboten und Kontensperrungen. Zudem wird als ein Grund für die Ausweitung eine mangelhafte Grenzkontrolle genannt.

Die EU und die Ukraine haben am 27. Juni ein Assoziierungs- und Freihandelsabkommen unterzeichnet. Es soll den EU-Markt für die Ukraine öffnen und zugleich demokratische Reformen im Land unterstützen. Außerdem hat die EU eine Zahlungsbilanzhilfe in Höhe von 1,6 Milliarden Euro zugesagt. In den nächsten Jahren sollen auch EU-Hilfsmaßnahmen mit einem Volumen von elf Milliarden Euro greifen.

In den vergangenen Tagen waren Forderungen nach einem Boykott der Weltmeisterschaft 2018 in Russland laut geworden. Mehrere deutsche Politiker hatten eine Verlegung des Turniers nach Deutschland ins Gespräch gebracht.

Am Donnerstag legten mehrere Bundestagsabgeordnete nach. „Man kann die Fußball-WM an kein Land vergeben, das andere Staaten mit Krieg überzieht. Deutschland wäre als amtierender Weltmeister natürlich als alternativer Austragungsort geeignet, am besten im Verbund mit Polen und der Ukraine, die haben ebenfalls moderne Fußballstadien“, sagte der Vorsitzende der deutsch-ukrainischen Parlamentariergruppe im Bundestag, Karl-Georg Wellmann,  der „Bild“-Zeitung.

Kommentare (3)

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Herr Peter Kock

24.07.2014, 14:19 Uhr

Die Russen sollen mal lieber ihre 7 gesunkenen Atom-U-Boote heben und entsorgen. Von den sieben sind 5 Stück geortet und können gehoben werden. 60 Millionen Kosten pro U-Boot.
2 sind angeblich noch nicht gefunden ..... aber alle strahlen lustig vor sich hin und die überlegen weitere Sportstätten zu bauen die dann später vor sich hingammeln bis sie zusammenbrechen.

Frau Lica Lica

24.07.2014, 16:14 Uhr

Fällt wohl nichts mehr ein um diese bescheuerte Sichtweise zu rechtfertigen?

Muss man immer Sport mit der Politik gleichstellen? Einfach widerlich!!!

Herr Wolfgang Trantow

24.07.2014, 20:12 Uhr

Sport muss Politikfrei sein und bleiben. Sport verbindet und lässt Aufklärung zu. Warum ist der Islam wohl gegen Sport??

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